29.07.2015 06:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Detailhandel
Gleiche Wurst, anderer Name, anderer Preis
Die Migros bietet zwei identische Würste an. Der Preis jedoch unterscheidet sich – bis der «Schweizer Bauer» anfragt.

Ende 2012 habe Herbert Bolliger mal wieder ein Problem gehabt: Sein Migros-Konzern sei zu rentabel. Das schrieb die «Bilanz» im März 2013. Bolliger präsentierte für das Jahr 2012 einen Reingewinn von rund 750 Millionen Franken, aber es hätten 800 oder 850 Millionen Franken sein können. Das aber passe nicht zur Migros-Genossenschaft. Also habe man den Reingewinn in mehreren Sitzungen nach unten gedrückt.

Differenzierung möglich

Die Episode zeigt, wie lukrativ das Verarbeiten von Rohstoffen und das Handeln mit Lebensmitteln sein kann. Die Landwirte liefern ihre Getreide, ihre Schlachttiere, ihr Gemüse, ihr Obst, ihre Milch an die Verarbeiter. Weil in der Regel Hunderte oder Tausende anderer Bauern das gleiche Produkt in der gleichen Qualität anbieten können, kann der Verarbeiter den Preis machen. Und das ist in der Regel ein schlechter Preis.

So lässt sich die sogenannte Commodity-Problematik zusammenfassen. Anders sieht es nach der Verarbeitung aus. Wer ein exklusives Produkt herstellt, das den Geschmack der Kunden trifft und schön verpackt ist, kann sich von den anderen Anbietern abheben und einen guten Preis erzielen.

Nur Preis ist anders

Ein Beispiel für die Möglichkeit der Differenzierung bietet derzeit die Genossenschaft Migros-Aare, die in den Kantonen Bern, Solothurn und Aargau zahlreiche Supermärkte betreibt. Letzte Woche bot sie neben der Schweinsbratwurst (in einer Zweierpackung) eine sogenannte «Aare-Bauernbratwurst» an, welche die Form einer grossen Schnecke hat. Die Würste sehen genau gleich aus.

Und auch wer die Zutatenliste studiert, liest an beiden Orten den genau gleichen Text, ebenso sind die Nährwert-Angaben identisch. Was sich aber unterscheidet, ist der Preis: Die Bauernbratwürste kosten 16.81 Franken pro Kilogramm, die Aare-Bratwurst jedoch 19.00 Franken pro Kilogramm.

Migros senkt den Preis

Der «Schweizer Bauer» fragte bei der Migros nach: Ist es die identische Wurst, nur in unterschiedlicher Form? Kommt das Fleisch für die Aare-Bauernbratwurst aus der Region Bern, oder wie bei der Schweinsbratwurst aus der ganzen Schweiz? Können die Landwirte das Fleisch für die teurere Aare-Bauernbratwurst zu einem besseren Preis liefern? 

Migros-Pressesprecherin Monika Weibel zitierte in ihrer Antwort die Migros Aare: «Wir haben die Kalkulationen geprüft und festgestellt, dass trotz praktisch gleichen Kosten der Verkaufspreis nicht identisch ist. Wir werden dies aber sofort nachholen und per 27.7.15 den Preis senken. Wir möchten dem ‹Schweizer Bauer› für die Aufmerksamkeit danken, diesen Einzelfall aufgedeckt zu haben.» Vielleicht nicht zufälligerweise war die Aare-Bauernbratwurst nun diese Woche in Aktion zum halben Preis zu haben.

Auch bei der Milch

Ein anderes Beispiel ist die Milch. Die genau gleiche Milch kann man in der Halbliterpackung unter der Marke «Valflora» kaufen – umgerechnet kostet der Liter so 1,70 Franken. Wer die Zweiliterpackung in der Billiglinie «M-Budget» kauft, bezahlt 0,975 Franken pro Liter. Die Bauern erhalten für die gelieferte Milch jeweils gleich viel, und zwar laut Migros-Pressestelle den Richtpreis der Branchenorganisation Milch für das A-Segment.  Beim Billigprodukt dient die Milch als Frequenzbringer, mit der kleineren Packung verdient die Migros gut. 

 

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