10.10.2014 15:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier, Rapphael Bühlmann
Kartoffeln
«Grösse macht nicht glücklich»
Das Projekt «Kartoffelmarkt 2014+» sorgt in der Branche für Diskussionen. Nicht alle Händler teilen die Ansicht der Fenaco.

Die Ankündigung der Fenaco, die Beschaffungspolitik anzupassen und damit die Mindestliefermenge bei Kartoffeln pro Sorte und Produzent  bis 2016 auf 80 Tonnen (bzw. 40 Tonnen für Frühkartoffeln) zu erhöhen, hat  in der Branche für Aufregung gesorgt. «Die Verunsicherung ist bei allen Beteiligten des Kartoffelmarktes gross», sagt Walter Steiner, Geschäftsführer vom Lagerhaus Lohn in Lohn.

Terralog: Auch kleinere Posten erwünscht

Ziel des Projekts «Kartoffelmarkt 2014+» der Fenaco ist es, die Konkurrenzfähigkeit auf den Stufen Landwirt, Landi und Fenaco zu verbessern.  Diesen Plan teilen aber nicht alle Händler. Die in Rüdtligen BE beheimatete Terralog sagt gegenüber dem «Schweizer Bauer», dass nur bedingt ein Zusammenhang zwischen Qualität und Vertragsmenge bestehe.

«Unsere modernen Abpackanlagen ermöglichen den Umgang auch mit kleineren Posten, wenngleich wir natürlich auch gerne grosse und schöne Posten verarbeiten», erklärt Terralog-Chef Ernst Arn. Walter Steiner vom Lagerhaus Lohn betont, dass eine Mindestmenge nicht im Vordergrund stehe. «Grösse allein macht nicht glücklich», hält er fest.

Angst geht um

Sehr wohl von Bedeutung ist beispielsweise die Losgrösse bei der verarbeitenden Zweifel Pomy-Chips AG. «Die Losgrösse spielt in der Weiterverarbeitung und auch bei der Angabe des Kartoffelproduzenten auf der Verpackung eine Rolle», bestätigt Zweifel-Chef Mathias Adank. Ob 4,5 Hektaren optimal seien, kann Adank nicht beurteilen. Es sei aber in jedem Fall so, dass grössere Posten weniger Aufwand generieren würden.

Nach der Präsentation des Fenaco-Projekts geht die Angst um, dass kleinere Produzenten aus dem Markt gedrängt werden. Schlussendlich führe dies dazu, dass auch grössere Betriebe zu tieferen Preisen produzieren müssten, wird von Produzenten gemunkelt. Christoph Kohli, Leiter Veredelungskartoffeln der Fenaco, hält fest, dass die Professionalisierung zu strukturell bedingten Überschüssen führe. Ohne Flächenreduktion entstünden Preisdiskussionen. Bezüglich Anbaufläche je Produzent will die Fenaco «Augenmass halten».

Dumpingangebote schaden

Die Mengensteuerung bei den Speisekartoffeln könne über die Kalibergestaltung gelöst werden, sagt Walter Steiner. «Die absolut wichtigsten Kriterien für die Behebung von Missständen sind unserer Meinung nach  der Einbezug aller Saatkartoffelverkäufer in die Vermarktung und klare Bestimmungen bezüglich der Produzentenpreise», macht der Lagerhaus-Lohn-Chef deutlich.

Ernst Arn von der Terralog betont, dass unterschiedliche Qualitäten unterschiedliche Preise verlangten. «Die Basis unserer Anbauplanung ist die Verkaufsplanung. Dazu müssen wir mit unseren Produzenten aushandeln, wie nahe wir an die 100%-Selbstversorgung gehen wollen», hält Arn fest. Und weiter: «Wir sind überzeugt, dass eine kontrollierte Vermarktung in den angestammten Kanälen für die gesamte Branche vorteilhaft ist. Selbst gemachte Dumpingangebote schaden vom Produzenten bis zum Endverteiler allen.» Christoph Kohli hatte im «Schweizer Bauer» vom 4. Oktober unter anderem mit einem rückläufigen Konsum von Speisekartoffeln argumentiert.

Widersprüchliche Zahlen

Die Fenaco sei an der obersten Limite dessen, was sie übernehmen könne, und der Anbau müsse daher um die Fläche von 10 Prozent reduziert werden. Der Blick auf die Verwertungszahlen lassen jedoch nicht auf einen rückläufigen Trend der Speisekartoffelnachfrage schliessen. Wird das historisch schlechte Kartoffeljahr 2013 ausgeblendet, zeigt sich, dass die Verwertung zwischen 2006 und 2012 gar um 15 Prozent zugenommen hat.

Christine Heller, Geschäftsführerin von Swisspatat, bestätigt, dass die Anbaufläche in den vergangenen Jahren abgenommen und sich bei rund 11'000 Hektaren eingependelt habe. Einen langfristigen Trend eines rückläufigen Konsums bei den Speisekartoffeln bestätigte Heller jedoch nicht. Im letzten Jahr konnte ein leichter Rückgang bei den Abpackzahlen beobachtet werden. «Was sich geändert hat, sind die Ernährungsgewohnheiten. Die Nachfrage nach Veredelungskartoffeln ist in den letzten Jahren etwas gestiegen», so Heller.

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