31.07.2019 10:00
Quelle: schweizerbauer.ch - big
Beeren
Grossernte mit Schattenseiten
Aktuell werden fast 190 Tonnen Himbeeren geerntet pro Woche. Diese Menge abzusetzen, fordert alle in der Branche. Zum Teil müssen Tafelhimbeeren in die Industrie geliefert werden.

Seit 2016 haben die Produzenten die Schweizer Himbeerfläche um 12% auf 170 Hektaren ausgedehnt, wie die Grafik des Landwirtschaftlichen Informationsdienstes zeigt. Die kühlen Temperaturen im April/Mai und die Hitze im Juni/Juli haben in diesem Jahr dazu geführt, dass die Erträge zu Beginn zurückhaltend waren, jetzt aber umso üppiger ausfallen.

Auch viele Kirschen und Aprikosen

Das führt zu Problemen bei der Vermarktung. «Das Angebot ist derzeit grösser als die Nachfrage und die Tatsache, dass ein Teil der Konsumenten im Urlaub ist, erschwert die Situation zusätzlich», erklärt Hubert Zufferey vom Schweizer Obstverband (SOV). Die Produzenten sind für den Absatz ihrer Mengen auf Aktivitäten der Detailhändler angewiesen, die den Verkauf ankurbeln sollen. Die Zusammenarbeit mit dem Detailhandel funktioniere gut, sagt Zufferey. Der SOV habe interveniert, um die Aktivitäten an der Verkaufsfront zu verstärken. 

Die Zahl der Aktionen für Himbeeren sei mindestens auf dem Niveau der vergangenen Jahre, sagt Migros-Mediensprecher Patrick Stöpper. Zudem plane die Migros nach Möglichkeit kurzfristig regionale Aktionen ein, um Mehrmengen abzusetzen. Auch Coop-Sprecherin Marilena Baiatu betont, dass Coop im engen Austausch mit den Bauern stehe und versuche, wenn immer möglich Hand zu bieten. 

Aktuell müssen aber auch grosse Erntemengen an Schweizer Kirschen und Aprikosen vermarktet werden. Der Detailhandel kann also den Fokus nicht nur auf die Himbeeren legen. 

Preis wie in Vorjahren

Trotz der Anstrengung der ganzen Branche müssen leider zur Zeit Himbeeren, die auf dem Frischmarkt keinen Platz finden, zu einem deutlich tieferen Preis an die Industrie verkauft werden. Das Preisniveau für die Tafelhimbeeren sei mit dem anderer Jahre vergleichbar, so Zufferey. «Ab einem bestimmten Produktionsvolumen werden noch grössere Preissenkungen nicht dazu führen, dass am Ende mehr Himbeeren konsumiert werden.»

Die Produktion könne mit TV-Spots, Medienkommunikation oder Social-Media-Beiträgen versuchen, den Verkauf zu unterstützen, sagt der Leiter Produktion beim SOV. Doch: «Die Produzenten bleiben trotz sehr guter Planung der Erntemengen wetterabhängig und können dies nicht ändern.» Positiv für die Branche ist, dass der Konsum von Himbeeren auch künftig weiter wachsen dürfte. 

Superfood auf 170 ha Fläche

Letztes Jahr wurden die Himbeeren auf gut 168 Hektaren angebaut, der grösste Teil davon in der Ostschweiz. Dieses Jahr rechnet der Schweizer Obstverband mit einer leicht höheren Fläche von rund 170 Hektaren. Die Himbeere kann dank ihrer Widerstandsfähigkeit in zahlreichen Regionen wachsen - beispielsweise in Europa, Nordamerika oder auch in Sibirien. Es wird zwischen Sommer- und Herbsthimbeeren unterschieden. Während Sommerhimbeeren an Trieben wachsen, die sich im Vorjahr gebildet haben, wachsen Herbsthimbeeren an Trieben, die sich im selben Jahr gebildet haben.

Himbeeren gelten als „Superfood“. Sie sind ein Lieferant für Vitamin B und C und enthalten reichlich Mineralstoffe: Kalzium für die Knochen, Magnesium für die Muskeln und Eisen für die Blutbildung. 150 Gramm Himbeeren enthalten dabei ein Drittel des benötigten Tagesbedarfes an Vitamin C. Sie sind sind zudem reich an Ballaststoffen, die den Darm in Schwung bringen.

Dem roten Farbstoff, die sogenannten Flavonoiden, werden entzündungs- und krebshemmende Eigenschaften zugeschrieben. Menschen, die häufig Beeren essen, leiden seltener an bestimmten Krebs- und Herz-Kreislauf-Krankheiten. lid

 

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