14.08.2013 07:27
Quelle: schweizerbauer.ch - Susanne Meier
Kartoffeln
Härtere Regeln für Mini-Ernte
Dieses Jahr wird eine unterdurchschnittliche Kartoffelernte erwartet. Für diese gelten neue Richtlinien bezüglich Silberschorf und Colletotrichum. Gegen die Pilzkrankheiten sind kaum Massnahmen möglich.

Am nächsten Montag führen die Kartoffelproduzenten Qualitäts- und Ernteerhebungen durch. Dann zeigt sich, wie viele resp. wie wenige Kartoffeln die Bauern 2013 graben können. «Es deutet alles darauf hin, dass  die Ernte unterdurchschnittlich ausfallen wird und dass es viele  kleinfallende Kartoffeln gibt», weiss Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischer Kartoffelproduzenten.

Symptome erst während der Lagerung

Agroscope warnt zudem, dass viele Kartoffeln, bedingt durch die Trockenheit, im Boden wieder ausgeschlagen haben. Die Ernte fällt nicht nur klein aus, sie wird dieses Jahr auch strenger taxiert. In den neuen Handelsusanzen, die letzte Woche veröffentlicht wurden, und in den Übernahmebedingungen, die nächste Woche unterzeichnet werden, sind Grenzwerte für den Befall mit Silberschorf und Colletotrichum vorgesehen. Die beiden Pilzkrankheiten verschlechtern die Schalenqualität vor allem optisch. Das führt oft zu Beanstandungen, weil Speisekartoffeln meist gewaschen vermarktet werden.

Die Symptome zeigen sich oft erst während der Lagerung. Urs Wyss von der Steffen-Ris AG: «Wir hatten dieses Jahr zwar nicht ganz so grosse Probleme wie 2012. Rund die Hälfte der Lagerposten gewisser Sorten war aber mehr oder weniger stark befallen.» Problematisch ist, dass die Kartoffelbauern gegen die Krankheiten praktisch nichts tun können. Silberschorf wird meist über das Pflanzgut verbreitet, während Colletotrichum im Boden überdauert. Gegen Silberschorf gibt es eine Pflanzgutbeizung, Colletotrichum bekämpft man bisher einzig mit langen Anbaupausen.

Produzenten sollen Einbussen nicht alleine tragen

Der Festlegung eines Grenzwertes gingen lange Diskussionen zwischen den Produzenten und den Abnehmern voraus, wie Fischer betont: «Nun haben wir eine Lösung, die zwar herausfordernd ist, hinter der wir aber stehen können.» Gemäss den Übernahmebedingungen, die nur für 2013 gelten, dürfen bei maximal der Hälfte aller Knollen höchstens 75 Prozent der Oberfläche befallen sein, sonst drohen Preiseinbussen, und im Extremfall wird der Posten zurückgewiesen.

Mittelfristig sehen die Handelsusanzen noch deutlich strengere Massstäbe vor. Dies etwa, falls dereinst resistente Sorten zur Verfügung stehen. Fischer befürchtet deshalb, dass die Grenzwerte schon beim Aushandeln der Übernahmebedingungen 2014 wieder zum heiss diskutierten Thema werden. «Es darf jedoch nicht sein, dass die Produzenten die Einbussen alleine tragen müssen.»

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE