21.08.2013 18:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Milchverarbeitung
Hochdorf kann nicht alle Kunden halten
Der Luzerner Milchverarbeiter Hochdorf hat im ersten Halbjahr 2013 mit 182,5 Mio. Fr. in etwa gleich viel Bruttoerlös erzielt wie in der Vorjahresperiode (-0,97 Prozent). Aufgrund der tiefen Milchmengen konnte das Unternehmen nicht alle Kunden bedienen. Der Bereich medizinische Ernährung wird aufgegeben. Hochdorf geht im zweiten Halbjahr im Inland von stabilen Milchmengen aus.

Der deutlich tiefere Milcheingang, der anhaltende Preis- und Importdruck sowie der starke Schweizer Franken hätten die Gruppe auf die Probe gestellt, teilte Hochdorf am Mittwoch mit. Verkauft worden seien insgesamt 229,3 Mio. Kilogramm Milch und Molke, 7,4 Prozent weniger als vor Jahresfrist. Teilweise gemildert wurde der Rückgang durch höhere Milchpreise. Der Umsatz in der Schweiz sank um 1.8% auf 117.1 Mio. Fr (2012: 119.3 Mio. Fr.), während das internationale Geschäft auf 65.3 Mio. Fr. (+0,9%)anstieg (2012: 64.7 Mio.).

Der operative Reingewinn verdoppelte sich derweil von 0,9 auf 1,8 Mio. Franken. Das Betriebsergebnis auf Stufe Ebitda dagegen senkte sich um 8,7 Prozent auf 8,4 Mio. Franken. Dieses Ergebnis sei angesichts der vorherrschenden Marktsituation und des Führungswechels befriedigend, erklärte Hochdorf. Seit dem 1. Juni leitet Thomas Eisenring die Geschicke des Milchverarbeiters. Er folgte auf Damian Henzi, der im vergangenen Dezember das Unternehmen aufgrund unterschiedlichen Auffassungen verlassen musste.

Hochdorf kann nicht alle Kunden halten

Die tiefen Milchmengen verunmöglichen es Hochdorf, alle im Export aufgebauten Kundenbeziehungen zu halten. Deshalb hat das Unternehmen ein Gesuch um aktiven Veredelungsverkehr gestellt. Dieses wurde in der Folge von der Oberzolldirektion bewilligt.

Die Hochdorf hat zudem ihre Beteiligung am Milchwerk Litauen per 1. Januar 2013 auf 100 Prozent erhöht. Im 1. Halbjahr wurde in etwa dieselbe Milchmenge verarbeitet wie im Vorjahr. Dank den guten Preisen auf dem Weltmarkt habe das Werk seinen Umsatz und den Ertrag markant steigern können.

Nutrimedical wird aufgegeben

Erfolgreich unterwegs ist auch die Hochdorf Nutricare AG (Babynahrung). Diese erzielte in den ersten sechs Monaten eine Umsatzsteigerung von 21,3 Prozent. Das Wachstum wurde zu einem grossen Teil mit bestehenden Kunden erzielt. Insbesondere entwickelten sich die Märkten in Asien, Nordafrika und Europa gut, schreibt Hochdorf. Als neue Märkte kamen Jordanien, Jemen, Syrien und Marokko hinzu. Für 2013 geht der Milchverarbeiter von einem Umsatzwachstum von 20 bis 30 Prozent aus. 

Gar nicht auf Touren kam die Hochdorf Nutrimedical AG, die im Bereich der medizinischen Ernährung operiert. "Nach knapp zweijähriger Aufbauarbeit muss festgestellt werden, dass die Erfolge sowohl im zeitlichen wie auch im finanziellen Umfang nicht im gewünschten und erwarteten Rahmen realisiert werden können", so das deutliche Fazit von Hochdorf. Das Geschäft mit medizinischen  Nahrungsmitteln hätte gemäss den ursprünglichen Plänen 2013 schwarze Zahlen schreiben und ab 2015 einen Umsatz von 15 bis 25 Mio. Fr. leisten sollen. Diese Ziele sind nun Makulatur. Der Verwaltungsrat entschied deshalb, diesen Bereich nicht mehr weiterzuführen.

Ausblick: Stabile Milchmenge und hohe Preise

Der Milchverarbeiter geht für das zweite Halbjahr von stabilen Milchmengen bei hohen Milchpreisen aus. Die Frankenstärke werde das Exportgeschäft unter Druck setzen. Deshalb sollen die Strukturen und Kapazitäten "situationsbezogen" angepasst werden. Ob es zu Einschränkungen kommt oder Personal entlassen wird, wurde nicht erläutert. Der Prozess wird im zweiten Semester 2013 gestartet und soll ab 2014 ertragsmässig seine Wirkung zeigen. Der aktive Veredelungsverkehr soll je nach Bedarf weitergeführt werden.

Im Bereich der Milchderivate will Hochdorf verstärkt Molkeprodukte und zusammengesetzte Produkte verkaufen. Babynahrungs-Produkte sollen im zweiten Halbjahr in fünf weitere Länder Lateinamerikas exportiert werden. Zudem wird mit zusätzlichen Partnern für den chinesischen Markt verhandelt.

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