12.04.2019 20:38
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Hochdorf: Machtkampf entschieden
Beim Milchverarbeiter Hochdorf konnten sich am Freitag bei der Generalversammlung die Grossaktionäre durchsetzen. Präsident Daniel Suter muss gehen. Die Dividende wird gestrichen.

Hochdorf kommt nicht zur Ruhe. In den vergangenen Wochen wurde Kritik an der Strategie des Michverarbeiters laut. ZMP Invest und zwei Familien forderten neue Verwaltungsräte. Der Verwaltungsrat der Hochdorf-Gruppe schlug aber ihre fünf bisherigen Mitglieder zur Wiederwahl vor. Auf Akzeptanz stiess lediglich Jörg Riboni.

ZMP-Kandidaten gewählt

An der Generalversammlung von Freitagabend sind die Aktionäre den Vorschlägen der Grossaktionäre gefolgt. Die von ZMP Invest, mit 14,5 Prozent der grösste Aktionär von Hochdorf, vorgeschlagenen Kandidaten Jörg Riboni, Markus Bühlmann und Bernhard Merki wurden gewählt. Wie «Finanz und Wirtschaft» meldet, wurde auch der Nominierte der Aktionärsgruppe Weiss/Maurer, Markus Kalberer, in den Verwaltungsrat gewählt.

Bernhard Merki übernimmt das Präsidium von Daniel Suter, der mit rund 53% Nein-Stimmen nicht wiedergewählt wurde. Ausserdem abgewählt wurde Niklaus Sauter. Nicht zugewählt wurde der vom VR vorgeschlagene Kandidat Hans-Peter Hess. Im Amt bestätigt werden dagegen Michiel de Ruiter, Walter Locher und Ulrike Sailer. «Jetzt gilt es, Hochdorf wieder in eine erfolgreiche Zukunft zu führen und die richtigen Impulse für die strategische und operative Führung zu setzen. Ich freue mich, diese Aufgabe als Vertreter aller Aktionärinnen und Aktionäre zu übernehmen», wurde Merki in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert.

Kein Vertrauen mehr

Gemäss «Finanz und Wirtschaftet» fiel die Wahl teilweise knapp aus. Nur gut 56% der anwesenden und vertretenen Aktionäre wählten die Kandidaten Bühlmann und Merki. Riboni hatte mit 99% Ja-Stimmen fast alle Hochdorf-Eigner auf seiner Seite. Insgesamt gaben knapp 80% der Hochdorf-Aktionäre ihre Stimme ab. Deutlich fiel das Resultat bei der Dividende aus. Zwei Drittel unterstützten einen Vorschlag, auf eine Ausschüttung zu verzichten. Vorgeschlagen waren 4 Franken je Aktie. Zudem votierten die Aktionäre sowohl gegen die Entlastung der Mitglieder des Verwaltungsrates als auch gegen die Entlastung der Geschäftsleitung.

Die Voten während der Generalversammlung warfen kein gutes Licht auf den Verwaltungsrat. «Unsere Geduld ist zu Ende», sagte bespielsweise ZMP-Generaldirektor Pirmin Furrer. «Wir haben das Vertrauen in den VR verloren», fuhr er fort. Die ZMP Invest ist eine Tochter der Genossenschaft Zentralschweizer Milchproduzenten. Diese wiederum ist Hauptaktionär und hält die Aktienmehrheit beim grössten Schweizer Milchverarbeiter Emmi.

Die Hochdorf-Gruppe mit Hauptsitz in Hochdorf LU erzielte im 2017 einen konsolidierten Nettoerlös von 600.5 Mio. Fr. Sie ist nach eigenen Angaben eines der führenden Nahrungsmittel-Unternehmen der Schweiz und beschäftigte Ende 2017 695 Mitarbeitende. Zu den Kunden gehören Gross- und Detailhandel. Die Produkte von Hochdorf werden in 90 Ländern vertrieben.

Aktienkurs zusammengebrochen

Mitte März kam der Konflikt zwischen ZMP Invest und dem nun abgewählten Verwaltungsrat in die Öffentlichkeit. Nachdem die Gespräche zwischen ZMP und dem Hochdorf-Verwaltungsrat nicht gefruchtet haben, forderte die grösste Aktionärin die Erneuerung des Führungsgremiums ein. 

Hintergrund des Machtkampf ist, dass Hochdorf 2018 Gewinnprognosen senken musste und ihre Aktie in den letzten zwölf Monaten die Hälfte des Werts einbüsste. Der Aktienkurs sackte von knapp 320 Franken auf 136 Franken ab. Auch die Akquisitionen der letzten Jahre werden von ZMP kritisiert. «Die Expansion in den Bereich Babynahrung und in ausländische Märkte ist gut und richtig – aber man muss es richtig machen», sagte ZMP-Geschäftsführer Pirmin Furrer gegenüber der Nachrichtenagentur AWP.

Hochdorf-Chef bereits gegangen

Mitte März gab Hochdorf-Chef Thomas Eisenring seinen sofortigen Rücktritt bekannt. «Ich bin durch meine Familie sehr von Afrika geprägt und möchte mich vermehrt auf diesem faszinierenden Kontinent engagieren», liess sich Thomas Eisenring in der Mitteilung zitieren. 

Es falle im schwer, das Unternehmen als «Architekt der Strategie der Vorwärtsintegration» zu verlassen. «Trotzdem bin ich der Meinung, dass im anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld und in der derzeitigen Veränderungsphase der Hochdorf frische Impulse guttun», so Eisenring weiter.

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