17.04.2013 10:11
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Milchmarkt
Hochdorf: Millionen-Abschreiber führt zu roten Zahlen
Ein Abschreiber auf dem Anlagevermögen hat dem Milchverarbeiter Hochdorf im vergangenen Jahr einen deutlichen Verlust eingebrockt. Unter dem Strich stand ein Minus von 35,3 Mio. Franken.

Die Abschreibung über 40 Mio. Fr. ergab sich aus einer Neubewertung des Anlagevermögens, wie der Konzern am Mittwoch  bekanntgab. "Dieser nicht cash-wirksame Abschreibungsaufwand zeichnet hauptverantwortlich für das stark negative Unternehmensergebnis auf Konzernebene von CHF -35.3 Mio", heisst es in der Mitteilung. Ohne diese Kosten hätte Hochdorf einen Gewinn erzielt, der allerdings immer noch unter dem Ergebnis des Vorjahres (12,4 Mio. Fr.) gelegen hätte.

Gutes Geschäft in China

Das Betriebsergebnis legte auf tiefem Niveau zu und erreichte 2,8 Mio. Fr. nach 1,9 Mio. Fr. im 2011. Der Umsatz war mit 346,6 Mio. Fr. gegenüber dem Vorjahr unverändert, wie Hochdorf bereits im Februar mitgeteilt hatte. Der abgesetzte Tonnagenmengen sei ein Indikator für die Leistungsfähigkeit, schreibt das Unternehmen am Mittwoch in einem Communiqué. 2012 verkaufte Hochdorf total 90‘196 Tonnen Produkte. Im Vergleich zu 2011 entspricht dies einem Rückgang von -1.7% (2011: 91‘766 Tonnen).

Gut lief das Geschäft mit Babynahrung, wo die verkaufte Menge um über die Hälfte zulegte, obschon der starke Franken die Exporte belastete. Gewachsen ist das Unternehmen nach eigenen Angaben insbesondere in China, wo mit neuen Partnern Verträge abgeschlossen werden konnten. Der Absatz stieg um 55 Prozent auf 11'100 Tonnen.

Mittel von Schoggigesetz reichten nicht

Im Milchmarkt machten Hochdorf die regulatorischen Rahmenbedingungen zu schaffen. So profitiert das Unternehmen zwar von den Ausfuhrbeihilfen im Rahmen des «Schoggigesetzes». Die zur Verfügung gestellten Mittel hätten allerdings nicht bis zum Abrechnungsende ausgereicht, weshalb die restlichen vertraglich zugesicherten Exporte mit Verlust getätigt werden mussten. Dies belastete die Erfolgsrechnung mit rund 1,2 Millionen Franken. Hochdorf habe auch in diesem Fall "grundsätzlich" einen zu hohen Preis für die Milch bezahlt.

Auch bei der Segmentierung des Milchmarkts verschätzte sich der Konzern. Es sei anspruchsvoll, die richtige Milchmenge im jeweiligen Segment zu beschaffen. Im ersten Halbjahr 2012 kaufte das Unternehmen insgesamt eine zu grosse Milchmenge, die es nicht vollständig absetzen konnte und deshalb einen Teil exportieren musste.

Auch in Litauen liefs nicht rund

In Litauen entwickelte sich das Geschäft nicht nach den Vorstellungen des Milchverarbeiter. Die UAB MGL Baltija konnte in den ersten sechs Monaten des Jahres 2012 auf dem hart umkämpften Milchmarkt in Litauen nicht die gewünschte Milchmenge einkaufen. Um die Anlagenauslastung hoch halten zu können, wurde erstmals Molkeproteinkonzentrat im Lohnauftrag getrocknet. 

Im zweiten Halbjahr konnten dank den gestiegenen internationalen Milchpreisen auch die Produktepreise der UAB MGL Baltija angehoben werden. "Deshalb konnte deutlich mehr Milch beschafft, verarbeitet und verkauft werden", betont Hochdorf. Die Luzerner haben das Unternehmen per 1.Januar 2013 zu 100 Porzent übernommen.

Durchzogener Ausblick für 2013

Für das laufende Jahr gibt sich Hochdorf im Communiqué zurückhaltend und verzichtet auf eine Umsatzprognose. Das wirtschaftliche Umfeld sei weiterhin sehr anspruchsvoll. In der Schweiz ist die Milchmenge schwer vorhersehbar und der Schweizer Franken sei nach wie vor hoch bewertet. «Deshalb müssen wir für eine bessere Rentabilität die Produktionskosten weiter senken», liess sich Finanzchef Marcel Gavillet zitieren. Gegenwärtig würden Massnahmen in der Prozessführung sowie in der Material- und Energiewirtschaft geprüft. 

Hochdorf palnt für die Nutricare AG ein Wachstum von 20% bis 30%. Dieses will sie mit bestehenden Kunden in Asien, Nordafrika und im Mittleren Osten sowie mit Neukunden vor allem aus Lateinamerika erzielen. Im Bereich Milchderivate soll die starke Stellung im Heimmarkt Schweiz verteidigt werden. Die Litauen-Tochter plant, ihre Geschäftstätigkeit weiter auszubauen. "Die Zeichen dafür stehen auf dem internationalen Milchmarkt gut", lässt Hochdorf verlauten.

Neuer Chef der Hochdorf-Gruppe wird per 1. Juni 2013 Thomas Eisenring. Er übernimmt die Führung von Damian Henzi, der das Unternehmen vergangenen Dezember verlassen musste.

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