19.08.2015 14:09
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Milchmarkt
Hochdorf: Schweizer Geschäft rückläufig
Die Hochdorf-Gruppe weist im ersten Halbjahr deutlich höhere Mengen- und Umsatzzahlen auf. Diese sind aber auf die Übernahmen zurückzuführen. In der Schweiz waren die verarbeiteten Mengen und der Umsatz rückläufig. Für das zweite Halbjahr zeigt sich das Unternehmen optimistisch. Zudem wurde in Südafrika eine Produktionsfirma gegründet.

Rund 421 Mio. Kilo Milch, Molke, Permeat und Rahm hat die Hochdorf-Gruppe in den ersten sechs Monaten dieses Jahres verarbeitet. Das sind rund 65 Prozent Flüssigmenge mehr als im Vorjahr. Doch die Zahlen sind wenig aussagekräftig. Erstmals wurden die Ende 2014 einverleibten Unternehmen Uckermärker Milch und Marbacher Ölmühle integriert.

Teilweise tiefere Produktepreise

Der Bruttoumsatz lag im ersten Halbjahr bei 284.3 Mio. Fr. „Der eher tiefer als ursprünglich erwartete Umsatz begründet sich mit dem Währungseffekt und mit den stärker und rascher gesunkenen internationalen Milchpreisen, die teilweise zu tieferen Produktepreisen geführt hätten“ so Hochdorf. Die gesamte Gruppe verkaufte 125‘767 Tonnen Produkte (+150.6% gegenüber 2014). Ohne diese Akquisitionen lägen die Mengen- und Umsatzzahlen unter den Vorjahreswerten.

Hochdorf gelang es, die Bruttomarge um 0,4 auf 22,3 Prozent zu steigern. Der Bruttogewinn lag bei 63.8 Mio. Fr (+22.8%). Das operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich um knapp 5 Prozent auf 10,7 Mio. Franken. Als Unternehmensergebnis resultieren 4.1 Mio. Fr., das sind 2.2 Mio. Fr. weniger als im Vorjahr. „Der Rückgang ist ausschliesslich mit dem Währungseffekt begründet“, hält Hochdorf in einem Communiqué am Mittwoch fest. „Insgesamt hat sich die Hochdorf-Gruppe in einem schwierigen Marktumfeld sehr gut behauptet und ein Resultat erzielt, dass über den Erwartungen liegt“, heisst es weiter.

Hochdorf Baltic mit Rekord

In der Schweiz ist die eingekaufte und verarbeitete Menge im ersten Halbjahr 2016 um 7,5 Prozent auf 212 Mio. kg gesunken. Rund 50 Prozent der gruppenweiten Flüssigmenge wird noch in der Schweiz verarbeitet. Insgesamt wurden 183 Mio. kg Frischmilch (inkl. Lohnauftrag) angeliefert. Der Mengenrückgang wird mit geringeren Trocknungslohnaufträgen und weniger Milchpermeat (wässrige Flüssigkeit, die Mineralstoffe und Vitamine enthält) begründet. Der Umsatz reduzierte sich um 10 Prozent auf 118 Mio. Fr. Den Umsatzrückgang führt Hochdorf auf tiefere Produktepreise (wegen dem tieferen Milchpreis) und eine geringeren Milchmenge zurück.

Hochdorf Baltic erreichte mit 40,8 Mio. kg Milch einen neuen Produktionsrekord. 10 Prozent der gruppenweit verarbeiten Menge wird im Werk in Litauen verarbeitet. Der Umsatz sank aber um 14,4% auf 15,2 Mio. Fr. Als Gründe werden die Frankenaufwertung, der Wegfall des Milchtauschgeschäfts und tiefere Produktpreise genannt.

Babycare rückläufig

In Deutschland wurden 168 Mio. kg (-7,8%) Milch, Permeat und Rahm zu Quark, Butter und Milchpulver verarbeitet. Das sind 40 Prozent der gesamten Menge der Hochdorf-Gruppe.  Der Umsatz sank um 22 Prozent auf 88 Mio. Fr. „Der tiefere Umsatz begründet sich mit dem Währungseinfluss, den gegenüber dem Vorjahr deutlich tieferen Milchpreisen sowie der tieferen Milchmenge“, hebt Hochdorf hervor.

Das Babynahrungsgeschäft gilt als das wichtigste Wachstumsgeschäft innerhalb der Gruppe. Erstmals seit 2006 hat sich der Umsatz reduziert und zwar um 5,4 Prozent auf 50 Mio. Fr. Die Währungssituation sowie Kapazitätsengpässe werden als Gründe genannt. Bei Uckermärker wird derzeit umgebaut. Die Produktion von Babynahrung sollte Ende 2016 aufgenommen werden können.

Hochdorf Südafrika gegründet

Der Bereich Cereals & Ingredients Schweiz erzielte mit 8.7 Mio. Fr. einen tieferen Verkaufserlös (-6,4%) als im Vorjahr. Dieser Rückgang begründet sich mit der aktuellen Währungssituation, so Hochdorf. Die abgesetzte Produktmenge stieg im Vorjahresvergleich an. Verkaufsseitig wurde im ersten Halbjahr die Zusammenarbeit mit dem Team der Marbacher Ölmühle aufgebaut.

Der Luzerner Milchverarbeiter hat Ende Mai in Südafrika ein Produktionsunternehmen gegründet. Dieses soll ausschliesslich Premium Schokolade für den afrikanischen Markt herstellen. Hochdorf verspricht sich davon eine höhere Kompetenz im Bereich der Entwicklung spezifischer Ingredients für die Schokoladenindustrie.

Optimistisch für 2. Halbjahr

Für 2015 geht Hochdorf in der Schweiz von leicht tieferen Milchmengen aus. Dafür soll mehr Molke und Buttermilch verarbeitet werden. In den Werken in Litauen und Deutschland werden aufgrund der Quotenaufhebung etwas höhere Milchmengen zur Verarbeitung erwartet. Der Umsatz 2015 soll zwischen 580 und 620 Mio. Fr. zu liegen kommen.

«Wir sind trotz Frankenstärke für das zweite Halbjahr optimistisch. Die laufenden Projekte werden wir weiter vorantreiben und uns dabei auf jene mit hohem Wertschöpfungspotential konzentrieren. Im Mittelpunkt steht dabei die Vorwärtsintegration», lässt sich Hochdorf-Chef Thomas Eisenring in der Mitteilung zitieren. Hochdorf sieht sich also nach einem geeigneten Distributor um.

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