27.01.2016 09:16
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Hochdorf
Hochdorf verarbeitet weniger CH-Milch
Der Innerschweizer Milchverarbeiter Hochdorf hat zum ersten Mal in seiner Geschichte mehr als eine halbe Milliarde Franken umgesetzt. Dies ist auf zwei Übernahmen zurückzuführen. Hochdorf verarbeite auch mehr Milch, Molke und Permat und setzte mehr Produkte. Das Umsatzziel wurden nicht erreicht.

Die Hochdorf-Gruppe realisierte im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz. Der Verkaufserlös stieg im Vergleich zum Vorjahr um 28,5 Prozent auf 551 Mio. Franken. Der höhere Umsatz wird mit der Akquisition der Uckermärker Milch in Prenzlau (D) sowie der Marbacher Ölmühle in Marbach (D) begründet.

5,35 Prozent weniger CH-Milch verarbeitet

Das Ziel wurde trotz Rekordumsatz nicht erreicht. «Den anvisierten Brutto-Verkaufserlös von 580 - 620 Mio. Franken konnten wir nicht erreichen. Hauptverantwortlich dafür sind die tiefen Milchpreise, die sich im Geschäftsbereich Dairy Ingredients auch auf tiefere Verkaufspreise auswirkten», lässt sich Hochdorf-Chef Thomas Eisenring im Communiqué zitieren. Auch Währungsschwankungen, infolge Aufhebung des Euro-Mindestkurses, hätten sich negativ auf die Umsatzzahlen ausgewirkt.

Nebst einem neuen Rekordumsatz wurden auch neue Höchstwerte bei der Verarbeitung und bei den verkauften Produkten erzielt. Die Hochdorf-Gruppe  verarbeitete 2015 in ihren Werken insgesamt 761.2 Mio. kg Milch, Molke, Rahm, Buttermilch und Permeat. Der Vorjahreswert (507 Mio. kg) wurde damit um 50 Prozent übertroffen, verantwortlich dafür ist die Akquisition der Uckermärker Milch.

In der Schweiz h hat Hochdorf im vergangenen Jahr 5,35 Prozent weniger Milch verarbeitet. Die Menge sank von 411 Mio. kg auf 389 Mio. kg. Auch die Werke in Litauen und Deutschland haben weniger Milch als im Vorjahr verarbeitet. Aufgrund der angespannten Marktsituation in Deutschland wurde die Produktion von Magermilchpulver in der Uckermark etwas zurückgefahren.

Mehr verkauft

Die von der Hochdorf-Gruppe verkaufte Produktmenge stieg um 144,9 Prozent auf 242'821 Tonnen. Die massive Mengensteigerung ist gestiegenen Verkäufen in Prenzlau geschuldet. Das deutsche Werk verkaufte über 135'000 Tonnen Produkte (Butter, Quark, Buttermilch und Milchpulver).

Trotz des teuren Frankens und der hohen Wettbewerbsintensität auf dem internationalen Milchmarkt rechnet die Hochdorf-Gruppe mit Ertragszahlen auf Vorjahresniveau. Das Unternehmen rechne damit, den im Halbjahresbericht angekündigten prozentualen Betriebsgewinn (EBIT) von 3,2 bis 3,8 Prozent zu erreichen, heisst es in der Mitteilung. Hochdorf publiziert das vollständige Ergebnis am 7. April.

Das 1895 gegründete Unternehmen beschäftigte Ende 2015 rund 625 Mitarbeitende. Zu den Kunden zählen die Lebensmittelindustrie sowie der Gross- und Detailhandel. Die Produkte werden in über 90 Ländern verkauft.

Deutsche Magermilch in der Schweiz verarbeitet

Hochdorf gab im September 2015 bekannt, rund 800 Tonnen konzentrierte Magermilch aus Deutschland in die Schweiz einzuführen. Diese wurde in den Werken des Konzerns zu Magermilch verarbeitet und wieder nach Deutschland ausgeführt. In der Schweiz sei für den Export praktisch keine Milch mehr vorhanden, argumentierte der Hochdorf damals. Die aus dem Ausland eingeführte Milch habe auf den Schweizer Markt praktisch keinen Einfluss.

Bauernverbandspräsident Markus Ritter verstand den Veredelungsverkehr als Provokation. "In der Schweiz ist genug Milch vorhanden", sagte Ritter im September. Hochdorf rühme sich in der Werbung gerne seiner Swissness. "Nun entfernt sich das Unternehmen von seinen eigenen Prinzipien", machte er deutlich. blu

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