7.04.2016 08:51
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Hochdorf
Hochdorf will globales Nischen-Unternehmen werden
Der Schweizer Milchverarbeiter Hochdorf hat im vergangene Jahr erstmals über eine halbe Milliarde Franken umgesetzt. Dank Zukäufen stieg der Umsatz auf 551 Mio. Fr. Die Innerschweizer wollen sich bis 2020 zu einem global tätigen Nischen-Unternehmen mit Premium-Produkten wandeln.

2015 verkaufte die Hochdorf-Gruppe insgesamt Produkte im Umfang von 242‘821 Tonnen. Das ist ein Plus von 145 Prozent. Der Umsatz erhöhte sich um 28,6 Prozent auf 551 Mio. Fr. Die verarbeitete Menge von Milch, Rahm, Molke und Milch erhöhte sich um 50 Prozent auf 761‘240 Tonnen. Das Umsatz- und Volumenwachstum ist aber auf die Übernahme der beiden deutschen Unternehmen Uckermärker Milch GmbH sowie der Marbacher Ölmühle GmbH zurückzuführen.

Ohne Zukäufe wäre Umsatz gesunken

Ohne Zukauf hätte Hochdorf eine Umsatzeinbusse erlitten. Die Innerschweizer nennen als Gründe tiefere Milchpreise, die sich im Geschäftsbereich Dairy Ingredients auch auf tiefere Verkaufspreise auswirkten. Negativ auf den Gruppenumsatz wirkten sich auch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses sowie die bewusst reduzierte Absatzmenge im Milchwerk in Prenzlau aus.

Die Geschäftsbereiche von Hochdorf entwickeln sich unterschiedlich. Der grösste Bereich, Dairy Ingredients, konnte den Umsatz um 39 Prozent auf 415 Mio. Fr. steigern. Damit erzielt Hochdorf 75 Prozent seines Umsatzes in diesem Bereich. Die Erlöse in der Schweiz (-11,8% auf 227 Mio. Fr.) und bei Baltic Milk in Litauen (-42% auf 25 Mio. Fr.).

Als Gründe für die Rückgänge nennt das Unternehmen die Frankenaufwertung und tiefere Milchpreise, die an Kunden weitergegeben wurden. In Litauen fiel das „reine“ Milchaustauschgeschäft aus.

Weniger Magermilchkonzentrat importiert als beantragt

Rückläufig war auch die eingekaufte und verarbeitete Flüssigmenge im Segment Dairy Ingredients. Dies reduzierte sich um 5,4% auf 388.9 Mio. kg. Insgesamt wurde in den Werken Hochdorf und Sulgen mit 314.1 Mio. kg leicht mehr eigene Milch verarbeitet als im Vorjahr (312.9 Mio. kg). Wegen der geringeren Milchmengen im Frühjahr trocknete die Gruppe in der Schweiz deutlich weniger Milch im Lohnauftrag. Die verarbeitete Molkenmenge hingegen wurde um +10.3% auf 55.0 Mio. kg erhöht.

Hochdorf will seine Anlagen optimal auslasten. Dies erreichte das Unternehmen einerseits durch die Molkenverarbeitung. Andererseits wurde ein Antrag zum Import von 780 t Magermilchkonzentrat für Exportprojekte (aktiver Veredelungsvekehr) bewilligt. Damit hat Hochdorf gemäss eigenen Angaben die Anlagen in einer milcharmen Zeit besser auslasten können. Weil die Milchmenge im Dezember deutlich wuchs, verzichtete Hochdorf auf die Einfuhr einer Teilmenge.

In Litauen gelang es der Gruppe, die verkaufte Menge um 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu erhöhen (17‘736 t). Insgesamt verarbeitete das Werk in Prenzlau 296.7 Mio. kg Flüssigkeit (Milch, Rahm, Buttermilch und Milchpermeat) und verkaufte 135'407 Tonnen Produkte. Neben Butter, Quark und Milchpulver wird am Standort in Prenzlau seit Dezember 2015 auch Buttermilch hergestellt.

Hochdorf will global tätig werden

Das Unternehmen will weiter wachsen. Deshalb wurde eine neue Strategie festgelegt. Bis 2020 will es sich zu einem global tätigen, "profitablen" Nischen-Unternehmen mit Premium-Produkten wandeln. „Als in Nischen tätiges Unternehmen will Hochdorf die mittelständische Beweglichkeit beibehalten und mit der nötigen Portion Mut neue Märkte erobern“, schreibt Hochdorf.

Die Vorwärtsintegration, das heisst die Übernahme einer oder mehrerer nachfolgender Fertigungsstufen, ist der wichtige Bestandteil dieser Strategie. Damit will man näher zum Endkunden gelangen. Dieser wird vorerst im Geschäftsbereich Baby Care angestrebt. Das Zusammengehen mit Kunden stelle das Idealszenario dar, so Hochdorf. Zudem sollen eigene Marken aufgebaut werden.

Kapitalerhöhung für neue Strategie

Die Entwicklung und Vermarktung neuer wertschöpfungsstarker Produkte stellt einen zweiten wichtigen Pfeiler zur Zielerreichung dar. In allen Märkten positioniert sich Hochdorf mit ihren Produkten als Spezialistin, so die Idee des Unternehmens. Um die gesetzten Ziele zu erreichen, werden alle Geschäftsbereiche entsprechende Premium-Produkte entwickeln müssen und sich mit diesen in den Zielmärkten etablieren.

„Es geht darum, in unseren stark wachsenden Zielmärkten näher zum Endkonsumenten zu kommen bzw. die Zusammenarbeit mit uns bekannten Kunden auszubauen“, lässt sich Josef Leu, Verwaltungsratspräsident, im Communiqué zitieren. Um die Strategie der Vorwärtsintegration umsetzen zu können, beantragt der Verwaltungsrat der Generalversammlung eine bedingte Kapitalerhöhung von nominell  7'173'800 Franken, d.h. 717'380 Namenaktien zu einem Nominalwert von 10 Franken.

Für 2016 verhalten

Momentan führt das Unternehmen Sondierungsgespräche mit verschiedenen Kandidaten bezüglich einer Mehrheitsbeteiligung oder einer Übernahme durch Hochdorf. Bisher beliefert Hochdorf die Lebensmittelindustrie und einige Detailhändler. Hergestellt werden unter anderem Milchpulver, Babynahrung, Weizenkeim-Produkte und pflanzliche Öle.

Für 2016 gibt sich Hochdorf verhalten. Die internationalen Märkte zeigen noch keine Zeichen der Erholung. «Wegen der nach wie vor tiefen Marktpreise für Milchprodukte erwarten wir im laufenden Geschäftsjahr einen Brutto-Verkaufserlös in der Höhe von CHF 560 bis 600 Mio.», hält der CEO von Hochdorf, Thomas Eisenring, fest.

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