1.07.2019 12:28
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bio Suisse
Höherer Inlandanteil, sinkende Preise
Schlechte Kunde für Bio-Getreideproduzenten: Die Richtpreise für Roggen, Weizen und Dinkel werden gesenkt. Grund dafür ist der höhere Inlandanteil bei den Broten. Durch den höheren Schweizer Anteil würden im Laden die Brote bei gleichbleibenden Rohstoffpreisen teurer werden.

Die Biofläche in der Schweiz nimmt von Jahr zu Jahr zu. Vor allem in Talgebiet haben zahlreiche Bauern auf Bio umgesattelt. Die Fläche stieg von 47'000 ha im Jahr 2015 auf 63'000 ha im Jahr 2018. Das ist eine Zunahme von 16'000 ha oder 34 Prozent. Im Berggebiet nahm die Fläche im selben Zeitraum um 7000 ha oder lediglich 8 Prozent zu.

Höherer Inlandanteil

Auch die Getreidefläche steigt laufend an. Aus der Ernte 2018 konnten 20'505 Tonnen Schweizer Bio-Brotgetreide übernommen werden, 11% mehr als im Vorjahr.

Die Nachfrage nach Bio-Brotgetreide kann durch den starken Zuwachs der Bio-Ackerfläche zunehmend aus dem Inland gedeckt werden. Die Übernahemengen haben sich von 2013 bis 2018 beinahe verdoppelt. Der Inlandteil beim Weizen erhöht sich den Flächenzuwachs auf 55 Prozent des schweizerischen Gesamtbedarfs (2018: 44%). Beim Roggen steigt der Wert auf 75 Prozent (2018: 48%) und beim Dinkel 85 Prozent (90%).

Tiefere Preise sollen Attraktivität garantieren

Doch der Boom beim Getreide hat sich nur positive Aspekte. Bio-Brotgetreide-Richtpreise werden gesenkt. Die Richtpreise für Roggen und Weizen sinken um je drei Franken (neu: Roggen 92 Fr./100kg und Weizen 103 Fr./100kg). Der Richtpreis für Dinkel sinkt um einen Franken (neu: 109 Fr./100kg). Der Dinkelpreis wurde bereits im Vorjahr im 4 Franken je 100 Kilo gesenkt.

Begründet wird der Abschlag mit den Produktionskosten. «Die steigenden Inlandanteile bei der Verarbeitung haben zur Folge, dass die daraus hergestellten Getreideprodukte teurer werden», schreibt Bio Suisse am Montag in einer Mitteilung. «Eine Anpassung der Richtpreise wurde notwendig, um die Attraktivität und den Absatz vom Inlandgetreide auch bei steigenden Inlandanteilen garantieren zu können», heisst es weiter. Da Schweizer Biomehl teurer ist als solches aus dem Ausland, müsste der Preis steigen. Höhere Preise lassen sich aber offenbar am Markt nicht realisieren, deshalb werden die Produzentenpreise gesenkt. 

Markt gesättigt

Und in den kommenden Jahren rechnet Bio Suisse gar noch mit mehr Biobrotgetreide. «Die Ackerflächen, die gemäss den Bio Suisse Richtlinien bewirtschaftet werden, werden weiterhin zunehmen», schreibt die Organisation. Das Ziel sei, den Richtpreis so festzulegen, damit die Attraktivität des Schweizer Knospe-Brotgetreides auch bei steigenden Inlandanteilen sichergestellt werden könne.

Grundsätzlich muss die Anbauplanung immer in Absprache mit Abnehmern erfolgen. Dinkel ist vorzugsweise für Standorte und Regionen zu reservieren, die für den Weizenanbau weniger geeignet sind. Für die Ernte 2020 sind beim Dinkel und Roggen die Abnahmemöglichkeiten zu prüfen. Für Umstell-Mahlweizen ist ein Abnahmevertrag zwingend.

Nicht mehr viel Wachstumspotenzial

Noch vor einem Jahr tönte bei Bio Suisse anders: «Mit dem Belassen der Richtpreise bei deutlich steigenden Inlandanteilen nehmen die Branchenvertreter eine Preiserhöhung des Rohstoffs Mehl in Kauf, was aber durch die ausgezeichnete Nachfrage etwa nach nachhaltig produziertem Brot aus Schweizer Knospe-Getreide gerechtfertigt ist.» Offenbar sind Hauptabnehmer wie Coop nicht bereit, die Brote in den Läden zu einem höheren Preis zu verkaufen. Der Marktanteil des Biobrotes im Detailhandel liegt bei rund 25 Prozent.

Coop-Vizechef Philipp Wyss sagte im Februar 2019 zu schweizerbauer.ch, ob es noch Wachstum im Bio-Segment gäbe: «Es gibt heute immer noch viel zu wenig Bioeier. Sonst gibt es nicht mehr viele Bereiche, in denen ein grosses Potenzial brachliegt. Wenn wir ein neues Produkt lancieren, müssen wir dieses zuerst vermarkten können. Denn die Kunden müssen dieses Produkt auch kaufen.»

Preiseinbruch in Österreich

In Österreich haben die Bio-Ackerbauern bereits empfindliche Einbussen in Kauf nehmen müssen. Zahlreiche Bauern haben auf biologische Produktion umgestellt. Das bringt Probleme mit sich. Der Drang in die Biolandwirtschaft führt zu einem Überhang beim Getreide. Die Preise sind innerhalb von zwei Jahren um 28 Prozent gesunken.

Die vermarktete Biogetreide- und Maisproduktion (Marktleistung) schnellte zwischen 2011/12 und 2017/18 um 59 Prozent auf 244'493 t in die Höhe, in der auslaufenden Saison 2018/19 bahnt sich nochmals ein satter Zuwachs an, insbesondere weil in den letzten Jahren immer mehr sogenanntes Umstellergetreide (noch nicht anerkannte Bioware frisch hinzugekommener Biobetriebe) mit der anerkannten Bioware mitvermarktet wurde.

Aus der Ernte 2018 droht ein noch grösserer Überhang von mehr als 50%. Die Verbandsinformation «Acker 6/19» für Landwirte weist schon für die Ernte 2018 gegenüber dem Jahr davor deutlich gesunkene Produzentenpreise für Bio- und Umstellergetreide aus - etwa für Speiseweizen mit 13,0 bis 13,4% Protein von 351 bis 410 Euro/t (391 bis 457 Fr.) nach 420 bis 426 Euro/t (468 bis 475 Fr.). 

In der Vorschau auf die Mindestpreisangebote für Biogetreide der Ernte 2019 heisst es dazu: «Die angeführten Preise sind wesentlich niedriger als im Vorjahr.»

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