28.04.2015 06:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Getreidemarkt
Importe geben zu reden
Nimmt der Getreidebau ab, leiden auch die Sammelstellen. Darum betrachten sie hohe Importe und tiefe Preise kritisch.

Stetig steigt sie an, die Kurve, die die Importe von gefrorenen Teiglingen aufzeigt. Waren es vor zehn Jahren noch knapp 60'000 t, wurden letztes Jahr bereits fast 110'000 t dieser Fertigbackwaren eingeführt. «Dies ist der Grund, weshalb die Vermahlungsmengen von Getreide in der Schweiz trotz Bevölkerungswachstum nicht steigen», weiss Rolf Häusler, Präsident des Verbandes kollektiver Getreidesammelstellen (VKGS).

Mehr Fusionen

Er beobachtet auch kritisch die Flächenabnahme beim Futtergetreide, die zunehmende Ökologisierung und den Kulturlandverlust. Denn: «Sinken die Getreidemengen, müssen sich die Strukturen der Sammelstellen durch Fusionen oder gar Schliessungen anpassen», zeigte der Leiter der Sammelstelle Thalheim ZH am vergangenen Donnerstag an der Generalversammlung des VKGS in Laupen BE auf. 

Aus dem gleichen Grund sorgen sich die Sammelstellen auch um die Preisdifferenz zum Importweizen und die zusätzlichen Einfuhren von Brot- und Futtergetreide. «Wenn der Brotgetreidezoll nicht von 23 auf 30 Fr./100 kg erhöht wird und die internationalen Getreidepreise nicht steigen, wird es schwierig, für die Ernte 2015 die Richtpreise zu halten», ist Häusler überzeugt.

20'000 t könnten belasten

Mit der unerwarteten und unverständlichen Senkung des Gerstenzolls per 1. April sei in den letzten Wochen viel Gerste importiert worden trotz bereits gut mit Futterweizen gefüllten Lagern. Dies könnte zu Lagerproblemen bei der diesjährigen Ernte führen, befürchtet der Präsident. Auch sei für ihn der Branchenkompromiss schwer verständlich, gemäss welchem für dieses Jahr 20'000 t Brotgetreide zusätzlich zum normalen Zollkontingent von 70'000 t importiert werden sollen. (Die Müller hatten ursprünglich 45000 t gefordert.)

Denn bis zur neuen Ernte im Sommer werde nicht alles Getreide der letztjährigen Ernte vermahlen sein und es könnte zu Deklassierungen von Schweizer Getreide aus der Ernte 2014 kommen. Dieses ist wegen seines tiefen Proteingehalts bei den Müllern nicht beliebt. 

Stephan Scheuner, Direktor von Swiss Granum, relativierte in seinem Referat an der GV: «Wenn die Branche nicht einen Kompromissvorschlag gemacht hätte, hätte das Bundesamt für Landwirtschaft alleine über die Menge entschieden. Wir wissen nicht, wie es dann herausgekommen wäre.» Swiss Granum wolle bis im Herbst erste Massnahmen gegen die zunehmenden Backwarenimporte definieren, kündete Scheuner zudem an.

Mehr Soja wegen LQB

Ein Problem könnten laut Häusler die zusätzlichen Mengen an Soja und Sonnenblumen werden, die wegen der Landschaftsqualitätsbeiträge  vermehrt in ungünstigen Lagen angebaut werden. Solche oft zu nasse Posten würden einen hohen Trocknungsaufwand verursachen.

Zwischen all den Herausforderungen mit Importen und Preisbildung ging ein immer näher kommendes Thema fast verloren: die Abrechnung des Top-Weizens nach Proteingehalt, die erstmals diesen Sommer umgesetzt wird. Fortunat Schmid von der Fenaco erläuterte diesbezüglich den Prozess der Angebotssteuerung, der dazu führen soll, dass in jeder Weizenanbauregion möglichst jene Qualität produziert werden soll, die dort gefragt ist.

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