10.02.2019 14:55
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Bigler
Fleischmarkt
Importe sorgen für Diskussionen
Der Entscheid des Verwaltungsrats der Branchenorganisation Fleisch Proviande von Freitag bot einigen Anlass zu Diskussionen. Zum ersten Mal seit fünf Jahren wurden Schweinefleischimporte beschlossen. Die 700 t Kuhfleischimporte werden kontrovers beurteilt.

Am Freitag hat der Proviande-Verwaltungsrat seine monatliche Sitzung abgehalten und die Fleischimporte für die Periode vom 18. Februar bis 17. März 2019 beschlossen. Am aussergewöhnlichsten war dabei der Beschluss, 300 Tonnen Schweine in Hälften einzuführen. Denn Schweinefleischimporte innerhalb des Zollkontingents hat es seit dem Jahr 2014 nicht mehr gegeben. 

Schweinepreis steigt

Dadurch, dass der Schlachtschweinepreis gleichzeitig um weitere 10 Rp. auf 4.30 Fr./kg angehoben wurde, wurde dieser Importentscheid in Produzentenkreisen relativ gelassen aufgenommen. Denn so liegt nun auch der Schweinepreis auf dem höchsten Niveau seit 2014, und er dürfte in den nächsten Wochen noch weiter ansteigen. 

Die 300 Tonnen Schweinehälften werden also den Markt nicht belasten, darin sind sich sämtliche befragte Marktkenner einig. Allerdings würden auch relativ grosse Mengen an Schweinefleisch ausserhalb des Zollkontingents eingeführt, heisst es. Dies lässt sich derzeit jedoch noch nicht nachprüfen, da die Statistik zeitverzögert geführt wird. 

«7.30 Fr. sind zu wenig»


Etwas kontroverser wird der Importantrag für Kuhfleisch beurteilt. Bis Mitte März sollen 500 Tonnen Kühe in Hälften und 200 Tonnen Verarbeitungsfleisch von Kühen eingeführt werden. Was es mit dem Unterschied von Hälften und Verarbeitungsfleisch auf sich hat, lesen Sie im Kasten unten.

«Als Bauer kann ich die Beschlüsse der Proviande nicht mehr nachvollziehen und sie sind skandalös», sagt Emil Zwingli, Landwirt aus dem Toggenburg. «Für diese Importmenge ist das Preisniveau der Kühe zu tief.» Laut Zwingli müsste der Kuhpreis bei der aktuellen Marktlage in 30- oder 50-Rappen-Schritten ansteigen, wie er das jeweils in Zeiten der Abschläge auch mache. Wöchentlich plus 10 Rappen seien zu wenig und dienten der Margenverbesserung der Verarbeiter.

«Kein schlechter Preis»

Verarbeiter argumentieren, dass 7.30 Fr./kg SG kein schlechter Schlachtkuhpreis sei. Es könne nicht sein, dass der Schlachtkuhmarkt die schlechte Situation auf dem Milchmarkt kompensieren müsse. 

Martin Rufer vom Schweizer Bauernverband, der als Produzentenvertreter im Verwaltungsrat Einsitz nimmt, sagt zu den beschlossenen Importen von Kuhfleisch: «Jetzt sind die Verarbeiter in der Verantwortung, dass sich die Schlachtkuhpreise auch in den nächsten Wochen weiter positiv entwickeln.»

450 Tonnen Nierstücke

Ebenfalls für Fragezeichen sorgen die 450 Tonnen Nierstückimporte. Dies vor dem Hintergrund, dass der Bankviehmarkt im Labelbereich unter Druck ist und dieser Druck bald auch auf den QM-Markt überschwappen könnte. 

Laut Peter Schneider, Leiter Geschäftsbereich Klassifizierung & Märkte bei Proviande, weiss man oft erst im Nachhinein, ob die Freigabe einer bestimmten Menge Importfleisch richtig war. «Gemäss Umfrage sind die Lager an Importnierstücken leer. Zudem sind Aktivitäten geplant und die Nachfrage in der Gastronomie, vor allem auch in den Skigebieten sei sehr gut», weiss Schneider. Tatsache ist, dass mit dieser Importmenge ein zu starker Druck auf die Schweizer Bankviehpreise in den nächsten Wochen nicht gerechtfertigt ist. 

Hälften vs. Block

Der Import von Kühen in Schlachthälften bietet den Verarbeitern mehr Spielraum in der Verwendung der Fleischstücke und generiert Arbeitsplätze in den Schweizer Schlachthöfen. Schlachthälften enthalten aber auch Edelstücke, die zum Beispiel auch den Bankviehmarkt belasten können.

Verarbeitungsfleisch von Kühen wird in gefrorenen Blöcken eingeführt und ausschliesslich für verarbeitete Produkte wie Hackfleisch oder Wurstwaren verwendet. big

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