26.03.2020 10:31
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fleischmarkt
Importe stoppen – Angebot drosseln
Die Coronakrise hat das Leben in der Schweiz schlagartig verändert. Die Auswirkungen erfassen auch die Fleischbranche. Die Lage ist ernst, es droht ein Preiszerfall. Deshalb hat die Branchenorganisation verschiedene Massnahmen beschlossen, um Stabilität zu erlangen.

Das Coronavirus führt weltweit zu grossen Verwerfungen. In vielen Ländern muss mit gravierenden wirtschaftlichen Folgen gerechnet werden.

Restaurants und Hotels fallen als Abnehmer weg

Vergangene Woche hat der Bundesrat in der Schweiz den Notstand ausgerufen. Das hat einschneidende Massnahmen auf das Alltagsleben. Alle Läden, Märkte, Restaurants, Bars sowie Unterhaltungs- und Freizeitbetriebe wie Museen, Bibliotheken, Kinos, Konzert- und Theaterhäuser, Sportzentren, Schwimmbäder und Skigebiete sind ab sofort geschlossen.

Ebenso werden Betriebe geschlossen, in denen das Abstand halten nicht eingehalten werden kann, wie Coiffeursalons oder Kosmetikstudios. Nur Lebensmittelläden und Gesundheitseinrichtungen bleiben offen. Die Massnahmen gelten vorerst bis am 19. April 2020.

Die Gastronomie und die Hotellerie ist praktisch zum Erliegen gekommen. Das hat gravierende Auswirkungen auf den Fleischabsatz. Denn wichtige Abnehmer von Fleischprodukten fallen zumindest temporär für mehrere Wochen weg.

Bund soll helfen

Damit der Markt nicht in vollends in Schieflage gerät, hat die Branchenorganisation Fleisch mehrere Massnahmen beschlossen. Diese sollen einerseits Stabilität in die Fleischwirtschaft bringen und andererseits die Versorgung der Bevölkerung mit Fleisch aus der Schweizer Produktion sicherzustellen.

Die Branchenorganisation appelliert an die Bauern, sich mit dem Angebot zurückzuhalten. Verarbeiter und Händler werden aufgerufen, die Importe für die kommenden Wochen auszusetzen. Die Branchenorganisation beantragt zudem beim Bundesrat Unterstützung von Massnahmen zur Marktentlastung. Mit dem Einfrieren von Fleisch soll ein Preiszerfall verhindert werden.

Bei den Banktieren hätten ab dem 1. April 2020 neuen Anpassungen in Kraft treten sollen. Produzenten, Handel und Verwerter einigen sich auf neue Preis- und Gewichtsabstufungen bei den Banktieren. In einer ersten Massnahme sollten Anpassungen im Bezahlungssystem vorgenommen werden. Diese Änderungen werden bis auf weiteres ausgesetzt.

Folgende Massnahmen hat der Verwaltungsrat der Proviande beschlossen:

  • ab sofort den Import von noch nicht beschafftem Fleisch aussetzen. Die bereits verzollte Ware soll besonnen zur Versorgung des Fleischmarktes eingesetzt werden. 

  • Beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) wird beantragt, die Importperioden für Rindfleisch (Nierstücke, Kühe in Hälften, Verarbeitungsfleisch) um vier Wochen zu verlängern. Das bedeutet, dass bis zum 10. Mai 2020 keine weiteren Importmengen mehr freigegeben werden können und kein zusätzliches Rindfleisch importiert wird.

  • Dem BLW wird beantragt, die Importperiode für Geflügel-, Lamm- und Pferdefleisch vom 01.01.2020 – 31.03.2020 um einen Monat bis Ende April 2020 zu verlängern. Importe aus der Freigabe für das 2. Quartal 2020 sind von dieser Periodenverlängerung nicht betroffen.

  • Die per 1. April 2020 vorgesehenen Änderungen bei den Gewichtszuschlägen/-abzügen für Bankvieh werden bis auf weiteres ausgesetzt. Erwartet wird dadurch eine temporäre Angebotsreduktion bei den Banktieren.

  • Beim Bundesamt für Landwirtschaft wird eine Prüfung beantragt, ob per Notrecht ein Importstopp verfügt werden kann und wenn ja unter welchen Bedingungen.

  • Für Marktentlastungsmassnahmen wird beim Bundesrat eine Kostenbeteiligung beantragt, um Preiszusammenbrüche zu vermeiden. Überschüsse auf dem Bankvieh-, Kuh- und Kälbermarkt werden mit dieser Massnahme durch Einfrieren vorübergehend vom Markt genommen. Gemäss Artikel 13 des Landwirtschaftsgesetzes kann sich der Bund in ausserordentlichen Lagen an den Kosten befristeter Massnahmen zur Marktentlastung beteiligen. Eine befristete Beteiligung des Bundes an den Kosten der Marktentlastungsmassnahmen setzt angemessene Leistungen der Fleischwirtschaft voraus. Bereits vor einer Woche beantragt wurde die Prüfung einer ausserordentlichen Einlagerungsaktion für Gitzifleisch. Die Beteiligung des Bundes an diesen Massnahmen müssen vom Bundesrat beschlossen werden.

 

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