10.07.2014 10:24
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Kartoffeln
Importkontingent verdreifacht
Der Verkauf von Frühkartoffeln harzt. In der Branche ist man sich uneinig, ob daran auch das Importmanagement schuld ist. Die Ernte 2014 wird sehr früh erwartet. Dies könnte zu Problemen bei der Einlagerung führen.

Im ersten Quartal 2014 wurden 6427 t Speisekartoffeln, mehrheitlich aus Frankreich und Israel, eingeführt. Damit haben sich die Importe gegenüber der gleichen Vorjahresperiode mit 3500 t Import fast verdoppelt.

Zusätzlich 12'000 Tonnen

Grund für die hohen Importe ist die kleine Kartoffelernte 2013. «Die mutmassliche Unterversorgung an Speisekartoffeln von 20 Prozent veranlasste die Branche, zum fixen WTO-Kontingent von 6500 t (1. Januar bis 31. Mai 2014) eine zusätzliche Importtranche von 12'000 t vom 1. März bis 18. Mai 2014 einzufordern», erklärt Jörg Schär, Leiter Frischkartoffeln bei der Fenaco. 

Unterdurchschnittliche Abverkäufe, die sehr guten Ausbeuten bei der Lagerware und der frühe Start der Inlandernte hätten aber letztlich dazu geführt, dass "nur" 14'945 t eingeführt worden seien.

Der Verkauf harzt

Gleichzeitig teilte die Swisspatat in den letzten Wochen in ihren Frühkartoffelmeldungen mit, dass der Verkauf der Schweizer Frühkartoffeln schleppend laufe. «Dies hat nichts mit den Importen zu tun», betont Schär. Die Vermarktungsperiode der alterntigen Schweizer Gourmandine hätte sich aufgrund schwacher Verkäufe länger hingezogen als geplant. «Der Import wurde rechtzeitig eingestellt.»

Erschwerend ist laut Schär, dass heuer witterungsbedingt alle Frühkartoffeln auf einen Schlag auf den Markt kommen: «Per 25. Juni hatten wir dieselbe Frühkartoffelmenge übernommen wie letztes Jahr per 11. Juli.»

Produzenten ohne Vertrag

Zusätzlichen Druck auf den Markt machen Mengen von Produzenten ohne Abnahmevertrag. «Momentan sorgen einige Produzenten, die keinen Vertrag oder nur für einen Teil ihrer gedeckten Ware einen Absatz vereinbart haben, für Aufsehen», so der Marktexperte. Dies führe zu Preisunterbietungen und bewirke einen raschen Preiszerfall.

Gute Kartoffelernte erwartet

Die Kartoffelbranche geht aktuell von einer guten, durchschnittlichen Ernte aus. «Aber erst im August bei den Ernteerhebungen wissen wir mehr», meint Ruedi Fischer, Präsident der Kartoffelproduzenten. «Die Trockenheit in den vergangenen Wochen hat die ersten Prognosen etwas relativiert.» Es kündigt sich hingegen eine frühe Ernte an. «Die Kartoffeln wurden diesen Frühling früh und unter guten Bedingungen gepflanzt.»

In den nächsten Wochen könne auf zahlreichen Flächen das Kraut schon vernichtet werden, da die Knollen ihre Grösse erreicht haben. Die Produzenten müssten sich aber bewusst sein, dass die Abnehmer aus nachvollziehbaren Gründen auch dieses Jahr nicht bereit sein würden, grössere Mengen Kartoffeln vor dem 1. September ans Lager zu nehmen, gibt Fischer zu bedenken. Um das Optimum zu erreichen, wird es wichtig sein, dass die Parzellen nur in Absprache mit dem jeweiligen Abnehmer geerntet werden. gro

Übergang nicht optimal

Ruedi Fischer, Präsident der Kartoffelproduzenten, sagt zu den hohen Importmengen: «Das Frühkartoffelmeldewesen zeigte schon früh, wann, wo und in welchen Mengen die ersten Schweizer Kartoffeln erntebereit waren. Gründe, wieso der Übergang auf die Schweizer Ware nicht optimal verlief, gibt es verschiedene. Sie müssen im Nachgang diskutiert und der Wechsel auf Schweizer Ware in Zukunft besser gemacht werden.»

Wichtig sei, dass die Produzenten mit einer Abnahmevereinbarung den Vorrang gehabt hätten. Der Übergang von Import- zu Inlandware habe in der Vergangenheit besser geklappt. «Wir müssen den Start mit den ersten Schweizer Kartoffeln den Konsumenten noch viel näher bringen», ist Fischer überzeugt.

Auch Zweifel importierte

Bei den Veredelungskartoffeln wurden im ersten Quartal 2014 rund 12'000 t importiert gegenüber 580 t in der Vorjahresperiode. 84 Prozent davon stammten aus Holland. Das Kontingent wurde um 15'000 auf 24'250 t erhöht und ist mittlerweile zur Hälfte ausgeschöpft. 

«Letztes Jahr wurden viel zu wenig Industriekartoffeln geerntet», sagt Ernst Wullschleger von der Firma Zweifel. Die hohen Importmengen hätten die Inlandkartoffeln aber in keinster Weise konkurrenziert. «Die Industriebetriebe importieren nur, was sie wirklich brauchen», betont Wullschleger. Auch Zweifel habe gut 2'500 t Importkartoffeln verarbeiten müssen, um die Produktion sicherstellen zu können.

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