11.06.2014 14:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Getreidemarkt
Inlandproduktion unter Druck
Ab 2015 soll Brotgetreide ausserhalb des Zollkontingents zu einem Zoll von nur noch 30 Fr./100 kg importiert werden können. So will es das BLW. Das komme einer Aufhebung des Kontingentes gleich, empört sich die Branche.

Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) will per 2015 den Zoll für Brotgetreide, das ausserhalb des Zollkontingents eingeführt wird, von 76 Fr. auf 30 Fr./100 kg senken. Dies ist der Agrareinfuhrverordnung zu entnehmen, die noch bis am 4. Juli in der Anhörung ist. Die Grenzabgaben auf Brotgetreide, welches innerhalb des Kontingents von 70'000 Tonnen eingeführt wird, betragen aktuell 23 Fr./100 kg. Damit würde der Zollunterschied zwischen Brotgetreide inner- und ausserhalb des Kontingents nur noch 7 Fr./ 100 kg betragen.

Druck auf Inlandproduktion würde massiv steigen

«Dies kommt praktisch einer Aufhebung des Zollkontingents gleich», empört sich Fritz Glauser, Präsident des Getreideproduzentenverbandes. Mit diesem geringen Ausserzollkontingentsansatz (AZKA) bestehe die Gefahr, dass vor allem Bio- oder Spezialitätengetreide unbeschränkt importiert würden. Und entsprechend würde mehr konventionelles Getreide innerhalb des Kontingents eingeführt. «Der Druck auf den inländischen Getreidepreis steigt dadurch», ist Glauser überzeugt.

Auslöser für diese Änderung in der Agrareinfuhrverordnung ist der Hartweizen. «Wird Hartweizen importiert, müssen mindestens 64 Prozent davon als Kochgriess oder zur Teigwarenherstellung verwendet werden», erklärt Pierre Schauenberg vom BLW. «Geschieht dies nicht, muss der Importeur den Ausserzollkontingentsansatz von 74 Fr./100 kg nachzahlen.» Hartweizengriess jedoch könne aktuell zu einem Zoll von 23.40 Fr. eingeführt werden. «Dieser Unterschied in den Zöllen ist unverhältnismässig», sagt er.

BLW geht nicht von mehr Importen aus

Ähnlich wie beim Hartweizen gebe es auch beim Brotweizen eine Unverhältnismässigkeit, meint Schauenberg: «Weizenmehl (auch Bio) hat einen Zoll von 50.70 Fr./100 kg. Es macht also keinen Sinn, wenn das Rohprodukt Brotweizen einen so hohen AZKA von 76 Fr./100 kg aufweist.» Er sieht keine Gefahr von steigenden Importen. Die Einfuhrmengen würden sich nach dem Bedarf richten. «Ich schliesse aber nicht aus, dass es bei tiefen internationalen Brotgetreidepreisen dazu kommen könnte, dass sich neben dem Import von Mehlen auch Importe zum AZKA rechnen könnten», meint Schauenberg.

«Beim Hartweizen sehen wir die Problematik», sagt Glauser. «Beim Brotgetreide verstehen wir diesen Schritt überhaupt nicht.» Die gesamte Getreidebranche will sich nun mit Stellungnahmen gegen diese Änderung wehren.

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