28.08.2013 16:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Fleischmarkt
Kalbfleisch: Gibt Fleisch-Fachverband klein bei?
Eigentlich hätte sich die Branche beim Kalbfleisch auf einen Kompromiss geeinigt. Dieser sieht vor, dass das Kalbfleisch nicht mehr weiss sein muss. Doch der Schweizer Fleisch-Fachverband will sich nicht an diese Abmachung halten. Deren Vorstand hat am Mittwoch getagt .

Seit Jahren füllen Berichte die Seiten von Zeitungen und das Programm von TV-Anstalten. Eigentlich ist man sich seit längerer Zeit einig, dass rotes Kalbfleisch für den Bauern keine negativen Folgen haben soll. Die Bauern und der Tierschutz mussten lange Zeit Überzeugungsarbeit leisten. Eine repräsentative Umfrage des Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) kommt zu einem eindeutigen Fazit. 52 Prozent der Bevölkerung ist die Farbe egal, 17 Prozent kaufen bewusst rotes Kalbfleisch, nur 4 Prozent wollen weisses Fleisch. 23 Prozent wollen rosa Fleisch

Coop und Migros tragen Entscheid mit

Mittlerweile sind die Grossverteiler Migros und Coop und damit ihre Verarbeitungsbetriebe Micarna und Bell beim roten Kalbfleisch Teil dieses Kompromiss. Auch die Gastrobranche trägt die Einigung mit. Dieser sieht vor, dass für zu helles und zu dunkles Kalbfleisch gewisse Abzüge vorgenommen werden können.

Alles gut? Mitnichten. Wie „Tages Anzeiger“ und der „Bund“ in ihrer Mittwochsausgabe berichten, will der Dachverband der Metzger, der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF), an den Abzügen festhalten. Dies teilte der SFF bereits nach dem Kälbergipfel am 25. Juni mit. Und an dieser Einstellung hat sich nichts geändert.

„Auch wir sind für die tiergerechte Kälberhaltung. Es wird aber problematisch, wenn ein Teil der Konsumenten und Gastro-Einkäufer das Fleisch wegen zu roter Farbe nicht mehr kauft“, sagt SFF-Direktor Rudolf Hadorn gegenüber „Tages Anzeiger“. Dass aber Gastrosuisse den Kompromiss mitträgt, scheint Hadorn vergessen zu haben.

SFF-Direktor wehrt sich (noch)

Und er legt noch eine Schippe dazu. „Das gemeinsame Ziel muss hellrosa-farbenes Kalbfleisch sein, das tiergerecht produziert wird und vom Rindfleisch unterscheidbar ist“, so die Forderung Hadorns. Der SFF legt seinen Mitgliedern nahe, bis zu einer praxistauglichen Lösung an einem Farbabzug von 2 bis 3 Franken pro Kilo festzuhalten. Denn es sei falsch, die finanziellen Einbussen den Metzgern „aufzuhalsen“. Der Direktor scheint die Zahlen der SRF-Umfrage nicht zu kennen. Denn 70 Prozent der Kunden kaufen rotes Kalbfleisch.

Am Mittwoch hat der Vorstand des SFF getagt. Da soll auch das weitere Vorgehen skizziert werden. Die Fenaco-Tochter Ernst Sutter AG, die SFF-Mitglied ist, will im Gegenteil zu den beiden Grossverteilern nur bei den Labelprogrammen keine Farbabzüge durchführen. Beim konventionellen Kalbfleisch will die Tochter des Agrarriesen den Branchenkonsens mittragen. Dies aber nur als Empfehlung. Die Haltung des SFF verärgert auch den Viehhändler-Verband. Alle sollen sich nun an den Konsens halten. Und auch in der Branche kursieren Gerüchte, wonach einige Marktakteure bezüglich des Rotabzugs versucht seien, Spielchen zu spielen.

Tierschutz droht SFF

Der Schweizer Tierschutz hofft, dass sich alle an die Lösung halten. Es gehe auch um eine Qualitätsstrategie und die kälbergerechte Haltung. Zudem liesse sich so der Antibiotikaeinsatz reduzieren. Der Tierschutz hätte die Abzüge für Kälber bis zu einem Alter von 160 Tagen ganz abschaffen wollen. Rötliche Farbe solle belohnt werden.

Wenn nun jedoch der SFF nicht einmal den Kompromiss mittrage, sei dies mehr als enttäuschend. Und er warnt die Metzger: „Wir werden am Ball bleiben, wenn nötig auch mit einer härteren Gangart“, sagt Tierschutz-Geschäftsführer Hansueli Huber gegenüber „Tages Anzeiger“.

Der Druck auf den SFF steigt immer stärker. Er ist mit seiner Sicht der Dinge alleine auf weiter Flur. Wie lange wird er sich diesem Druck noch beugen können?

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