4.09.2018 08:39
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Kartoffeln
Kartoffelernte historisch klein
Die Kartoffelbranche Nordwesteuropas befindet sich nach Einschätzung des Geschäftsführers der Firma Wilhelm Weuthen, Ferdinand Buffen, als Folge der extremen Dürre in diesem Jahr im „Krisenmodus“. Neben schwachen Erträgen bereitet auch Durchwuchs grosse Sorgen.

Wie der Marktexperte am vergangenen Donnerstag auf dem „Weuthen Kartoffeltag 2018“ in Schwalmtal-Waldniel ausführte, dürfte die Kartoffelernte 2018 „historisch klein“ ausfallen.

Wettbewerb um Kartoffeln

Das Kartoffelaufkommen für Deutschland veranschlagte er auf voraussichtlich 8,25 Mio. t bis 8,75 Mio. t. Damit würde der mehrjährige Durchschnitt um rund 2 Mio. t verfehlt. Für Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, die Niederlande und Belgien prognostizierte Buffen eine Gesamternte von 20 Mio. t bis 22 Mio. t. Das wären 6 Mio. t bis 7 Mio. t weniger als das mehrjährige Mittel.

Neben den schwachen Erträgen bereite der Durchwuchs überall grosse Sorgen, berichtete der Marktexperte. Laut Buffen bereiten die hohen Rohstoffpreise, die mangelnde Verfügbarkeit von Kartoffeln und deutlich kürzere Pommes frites den Fabriken mit Blick auf die Belieferung ihrer internationalen Kundschaft derzeit grosse Sorgen. Auch die Abpacker und der Detailhandel stünden in den kommenden Monaten vor einer grossen Herausforderung und müssten sich dem „knallharten Wettbewerb“ um Rohstoff mit den Fabriken stellen.

Regale mitunter leer


In den vergangenen Wochen seien Regale mit Chips und Püree sowie Tiefkühltruhen mit Pommes frites mitunter leer gewesen, berichtete Buffen. Dies sei ein deutliches Signal, vor welcher Aufgabe die europäische Kartoffelwirtschaft stehe. Nun werde es einen Wettbewerb aller Verwertungsrichtungen um die wenige, verfügbare freie Rohstoffmenge geben. Nach Einschätzung des Weuthen-Geschäftsführers dürften Verarbeitungskartoffeln deshalb knapp und teuer bleiben. 

Bis Ende Oktober sei mit Preisen zwischen 25,00 Euro/t (28.10 Fr.) und 29,00 Euro/dt (32.70 Fr.) zu rechnen. In der Lagerperiode seien die aktuellen Terminmarktnotierungen von mehr als 30,00 Euro/dt (33.80 Fr.) Verarbeitungskartoffeln eher die Untergrenze für die Kassapreise. Darüber hinaus dürften hohe Verkaufspreise und weiter schrumpfende Verpackungsgrössen für einen schwächeren Absatz im Speisemarkt sorgen.

Chips bald teurer?

Zuvor hatte auch schon der Bundesverband der Deutschen Süsswarenindustrie (BDSI) Alarm geschlagen und aufgrund zu erwartender Ernteausfälle von 30% Preissteigerungen bei den Kartoffelerzeugnissen nicht ausgeschlossen. Für die Produktion einer Tüte Kartoffelchips seien zudem mehr Kartoffeln erforderlich als in Jahren mit einer durchschnittlichen Ernte. Dagegen gebe es keine Absicherung, erklärte der BDSI. Das exakte Ausmass der Beeinträchtigungen sei jedoch erst klar, wenn die Ernte im Herbst abgeschlossen sei. 

Sicher ist dem Süsswarenverband zufolge aber schon jetzt, dass die Hersteller bei einer knappen Ernte unter Druck geraten. Der derzeitigen Situation auf dem Kartoffelmarkt müssten sich alle Hersteller von Kartoffel-Snackprodukten stellen. „Stark steigende Rohstoffpreise könnten zu Preissteigerungen führen, die tendenziell an den Kunden weitergegeben werden könnten. Das entscheidet jedoch allein der Wettbewerb“, so der Sprecher der BDSI-Fachsparte Knabberartikel, Carsten Bernoth. Hinzu komme, dass in anderen EU-Ländern die Erntesituation ähnlich oder schwieriger sei. 

An der European Energy Exchange (EEX) hat sich der dort gehandelte Kontrakt für Veredlungskartoffeln mit Fälligkeit im April 2019 seit seinem Zwischentief in der zweiten Juniwoche um insgesamt mehr als 120 % verteuert. Zum Ausklang voriger Woche wurden an der Börse in Leipzig für diesen Future 31,40 Euro/dt (35.40 Fr.) gezahlt.

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