21.02.2017 18:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Kartoffeln
Kartoffeln: Nicht alle importieren
Schweizer Kartoffeln sind aufgrund einer unterdurchschnittlichen Ernte Mangelware. In den kommenden Tagen kommen erste ausländische Kartoffeln bei der Migros und Denner in die Regale. Aber nicht alle Detailhändler setzen bereits jetzt auf Importe.

Rund 372'000 Tonnen Kartoffeln wurden im vergangenen Jahr in der Schweiz geerntet. Das entspricht 342 kg/a. Das ist noch weniger als im bereits schlechten Kartoffeljahr 2015. Verglichen mit den letzten 5 Jahren, die zwei Kleinst-Ernten enthalten, liegt die diesjährige Ernte gemäss der Branchenorganisation Swisspatat 23% unter dem Durchschnitt. Entsprechend schlecht füllten sich die Kartoffellager.

Lagerbestände auf Vorjahresniveau

«Aufgrund der kleinfallenden Ernte 2016 werden die grösseren Kaliber zuerst zur Neige gehen», teilt Christine Heller, Geschäftsführerin von Swisspatat, auf Anfrage von schweizerbauer.ch mit. «Die Lagerbestände an Speisekartoffeln für den Frischkonsum liegen per Ende Januar leicht über dem Wert von 2016. «Sie betragen aber nur knapp 2/3 im Vergleich zum Januar 2013, wo Angebot und Nachfrage gut übereingestimmt haben», fährt Heller fort.

Die Lagerbestände im Winter seien das Resultat der Ernte 2016. «Mit einem Ertrag von 23% unter dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre ist es logisch, dass die Lagerbestände ebenfalls unter dem Durchschnitt liegen», so Heller. Die Lager an Bio-Kartoffeln werden bereits bald leer sein.

Ernte im Seeland 40 Prozent tiefer

Die Lagerengpässe wirken sich nun auch auf den Detailhandel aus. «Durch die massiv geringeren Ernteerträge werden im Detailhandel die Schweizer Kartoffeln schon früh ausverkauft sein», teilte die Migros Aare am Montag mit. Die Kartoffelernte lag 2016 im Seeland sogar 40 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre, hiess weiter.

Deshalb werden bereits ab dem 27. Februar ausländische Speisekartoffeln in die Regale der Migros Aare kommen. Normalerweise ist das erst Ende März oder Ende April der Fall. Die ersten neuerntigen Kartoffeln werden aus Ägypten und Israel importiert. Anfang April folgen die ersten europäischen Erdäpfel aus Zypern und Spanien.

Alle Migros-Genossenschaften importieren

Doch wie sieht es bei den übrigen Detailhändlern aus? schweizerbauer.ch hat bei Migros, Denner, Coop, Aldi. Lidl und Volg nachgefragt. Nicht nur die Migros Aare, sondern sämtliche Genossenschaften würden bereits ab kommender Woche Import-Kartoffeln ins Sortiment aufnehmen, erklärt Migros-Sprecherin Christine Gaillet gegenüber schweizerbauer.ch. Sie dienen als Ergänzung.

Der Start mit Kartoffeln ausländischer Herkunft bewege sich im selben Rahmen wie in anderen Jahren auch. «Es ist aber klar, dass  grössere Mengen als sonst importiert werden müssen», so Gaillet. Bei den Speisekartoffeln sei die Ware über alle Positionen (festkochend, mehligkochend) knapp. Bio-Kartoffeln hat die Migros bereits importiert.

Coop folgt im März, Volg Anfang April

Der zweite Riese im Schweizer Detailhandel, die Coop-Gruppe, sieht im Gegensatz zur Migros noch ein wenig länger von Importen ab. «Derzeit haben wir haben noch genügend Schweizer Kartoffeln», so Coop-Sprecherin Andrea Bergmann gegenüber schweizerbauer.ch.

Dennoch kommen aber bereits in der ersten Märzhälfte erste Importkartoffeln ins Sortiment. «Diese ergänzen wie jedes Jahr unser Angebot», fährt Bergmann fort. Bei Coop seien unverarbeitete Kartoffeln Mangelware. «Bei den Rösti (Veredelungskartoffeln) wurde bereits punktuell importierte Ware eingesetzt», erklärt die Sprecherin.

Bei der Fenaco-Tochter Volg werden in den kommenden Wochen keine Import-Kartoffeln ins Sortiment gelangen. «Im Moment ist noch in sämtlichen Kategorien Schweizer Ware verfügbar. Aufgrund der schlechten Ernte 2016 werden aber im Frühjahr ausserordentliche Importe notwendig sein», äusserst sich Volg-Mediensprecherin Tamara Scheibli gegenüber schweizerbauer.ch. Erste Importe plant Volg Ende März.

Aldi verzichtet auf Importe

Bei den Discountern zeigt sich ebenfalls ein unterschiedliches Bild. Die Migros-Tochter Denner wird ausländische Kartoffeln Ende Februar im Sortiment aufnehmen. «Kommende Woche kommen Brätler (Kleingrösse) in die Läden, die übrigen Kartoffeln folgen ab Mitte März oder bis die Lager an Schweizer Kartoffeln zur Neige gehen», führt Denner-Sprecher Thomas Kaderli aus.

Bereits ausländische Kartoffeln im Sortiment hat Lidl Schweiz. Derzeit finden sich neben einheimischen Erdäpfeln auch solche aus Deutschland in den Regalen. «Saisonal bedingt und aufgrund mangelnder Verfügbarkeit von Schweizer Kartoffeln müssen wir ab und zu auf ausländische Kartoffeln zurückgreifen», erklärt Lidl-Mediensprecherin Corina Milz gegenüber schweizerbauer.ch

Kein Thema sind Importkartoffeln derzeit bei Aldi Suisse. «Momentan führen wir nur Schweizer Kartoffeln in unserem Sortiment. Eine kurzfristige Umstellung auf Importwarte ist nicht geplant», betont Aldi-Pressesprecher Oliver Frommenwiler. Nur wenn absolut keine Schweizer Kartoffeln mehr verfügbar seien, werde importiert.

Kartoffelnproduzenten: Wichtig ist der Importstopp

Bei den Kartoffelproduzenten kann man die Importe nachvollziehen. «Natürlich würden wir lieber unsere Kartoffeln in den Regalen sehen», hält Ruedi Fischer, Präsident der Schweizerischen Kartoffelproduzenten, gegenüber schweizerbauer.ch fest. Es habe aber nicht genügend Ware. «Die Ernte 2016 war extrem unterdurchschnittlich», so Fischer. «Auch in der Migros wird es bis Anschluss "neue Ernte Schweiz" noch Kartoffeln aus der Schweizer Ernte 2016 haben. Aber die Importkartoffeln werden jetzt halt schon früher als sonst parallel geführt», führt Fischer aus.

In solchen Situationen sei es besser, Importkartoffeln in den Regalen zu führen. «Sonst stellen die Konsumenten auf Reis und Teigwaren um», mahnt Fischer. «Wichtig ist, dass wir in der Branche den richtigen Zeitpunkt für den Importstopp festlegen» fährt Fischer fort. Für neue Schweizer Frühkartoffeln ist bereits gesorgt. Vergangene Wochen wurden die ersten Felder bepflanzt. 

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