28.07.2017 13:10
Quelle: schweizerbauer.ch - big
Milchmarkt
Kein Preisabzug für Fett
Fett hat es nicht zu viel, aber Eiweiss häufig schon. Milchverarbeiter machen deshalb einen Preisabzug, um den Überschuss an Biomagermilch in den konventionellen Kanal zu deklassieren.

Vor einer Woche berichtete der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) in einem Artikel in dieser Zeitung, dass es an Biobutter fehle. Dies, weil die Biomilchproduktion diesen Frühling aufgrund schlechterer Grundfutterqualität tiefer ausfiel als im Vorjahr. Einige Biomilchlieferanten fragten sich daraufhin wohl, wieso denn auf Biomilch immer noch Beiträge für die Deklassierung eines Teils der Biomilch in den konventionellen Kanal abgezogen werden.

Keine Beschaffung von Umstellungsmilch

Emmi-Sprecherin Esther Gerster erklärt: «Es gab nie zu viel Biomilch, sondern lediglich zu viel Biomagermilch.» Das Biomilchfett könne zu 100 Prozent im Biokanal abgesetzt werden. Beim Eiweiss, sprich bei der Magermilch, gebe es aber einen Überschuss im einstelligen Prozentbereich. «Dafür hat Emmi in den letzten drei Jahren jeweils von Januar bis Juli 3 Rappen und von August bis Dezemper 2 Rappen Deklassierungsbeitrag pro Kilo Biomilch vom Produzentenpreis abgezogen. 2016 waren es von August bis Dezember 2,3 Rappen.»

Es wurde also kein Fett eingeschränkt, mit dem Butter hätte produziert werden können. Um mehr Biobutter herstellen zu können, prüft Emmi nun, wie auch andere Verarbeiter, die Verarbeitung von Umstellungsmilch. Cemil Klein, Geschäftsführer der grössten Biomilchhandelsorganisation Biomilchpool, sagt, dass die Beschaffung von Umstellungsmilch für den Biomilchpool kein Thema sei. «Die Betriebe sind zu weit verstreut. Eine Sammeltour für diese kleine Menge wäre zu aufwändig und teuer.»

Coop: Aktionen lang im Voraus geplant

Fragen warf auch eine Aktion von Coop für Biobutter auf. Warum macht Coop ausgerechnet in einer Situation, in der die Biobutter knapp ist, eine Aktion für dieses Produkt? Coop-Sprecherin Andrea Bergmann erklärt: «Aktionen planen wir lange im Voraus in Abstimmung mit unseren Lieferanten. Dabei wird auch die Verfügbarkeit von Produkten berücksichtigt. Aktuell erhalten wir genügend Biomilchprodukte.» Man werde aber die Entwicklung in den kommenden Wochen genau beobachten und bei Bedarf die nötigen Schritte einleiten.

Dass Biomilch gesucht ist, zeigt auch, dass Emmi und andere Abnehmer den Biomilchpreis ab 1. August um 3 Rp./kg erhöhen. 

 

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