15.10.2013 07:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Kartoffeln
Klein, aber nicht katastrophal
Die Kartoffelernte wird in diesem Jahr unterdurchschnittlich ausfallen. Ein Bundesamt spricht von der schlimmsten Ernte seit 100 Jahren. Produzenten und Verarbeiter sagen Fehlmengen voraus, doch die Situation habe sich verbessert.

Die Kartoffelernte wird in diesem Jahr tiefer ausfallen als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Dies wurde spätestens nach der ersten Ernteschätzung Ende August deutlich. Die Branche rechnet mit einem Speiseanteil von 262 Kilo pro Are. Daer Wert liegt rund 32 Prozent unter dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.

Die gesamte Erntemenge (Speise- und Veredelungskartoffeln) dürfte zwischen 340'000 und 350'000 Tonnen zu liegen kommen. Zurückzuführen ist die kleine Ernte auf das verzögerte Wachstum aufgrund der nasskalten Witterung im Frühjahr.  Auch die Hitzetage im August haben die Erdäpfel gestresst. Doch wie schlimm ist es nun?

BFS hat übertrieben

Das Bundesamt für Statistik (BFS) sprach am vergangenen Donnerstag von der schlechtesten Ernte seit 100 Jahren. Damit müsste man von einer katastrophalen Ernte ausgehen. «Die Aussage vom BFS trifft so nicht zu. Unbestritten, 2013 wird eine der schwierigsten Ernten der vergangenen Jahre werden», erklärt Ruedi Fischer, Präsident der Vereinigung Schweizerischen Kartoffelproduzenten (VSKP). Die Situation habe sich in den vergangenen Wochen verbessert, die Fehlmengen haben sich reduziert. Je nach Region fallen die Mengen von ungenügend bis gut aus.

«Entscheidend für die Veredelungskartoffeln werden nun die kommenden Tage werden. Wenn die Temperaturen weiter sinken, könnten Probleme beim Backtest entstehen», mahnt Fischer. Um die Versorgung sicherzustellen, hat die VSKP einem zweiten Zusatzkontingent für die Einfuhr von bis zu 25'000 Tonnen Veredelungskartoffeln zugestimmt. «Übernahmefähige Schweizer Ware wird von den Verarbeitern mit Sicherheit aber übernommen werden», macht Fischer deutlich. Da das Zusatzkontingent am 31.Dezember verfällt, geht er nicht davon aus, dass dieses ausgeschöpft wird. «Das wäre schon logistisch nicht möglich», fährt er fort.

Importe vonnöten

Auch Christoph Kohli, Leiter Veredelungskartoffeln bei der Fenaco, spricht von deutlichen Fehlmengen bei der diesjährigen Kartoffelernte. «Von Katastrophenstimmung zu sprechen, ist aber übertrieben», dämpft Kohli ab. Aufgrund der verzögerten Pflanzung der Kartoffeln kam es bei der Fritesproduktion zu einem Engpass. In einem ersten Zusatzkontingent wurden im Herbst deshalb Erdäpfel importiert.  «Bei der Chipsproduktion dürften uns rund 15 Prozent des Bedarfs fehlen. Im August rechneten wir noch mit 30 Prozent», fährt Kohli fort. Die Fenaco bezieht ihre Importkartoffeln vorwiegend aus Belgien und den Niederlanden.

«Die importierte Menge wird dieses Jahr höher ausfallen als in den vergangenen Jahren», mutmasst Kohli. Das zweite Zusatzkontingent werde aber nicht ausgeschöpft werden. Dies aus logistischen Gründen. Die Importe würden nun vor allem dazu verwendet, die Lagerkapazitäten auszunützen.  Doch die Fehlmengen der Ernte 2013 werden auch Einfluss auf die Importe im kommenden Jahr haben. Demnach könnten von Oktober 2013 bis Mai 2014 über 30'000 Tonnen Industriekartoffeln importiert werden, um den Schweizer Bedarf decken zu können. Im Frischbereich sieht er einen Engpass im festkochenden Segment. «Hier dürften wir 2014 früher als sonst zu Einfuhren gezwungen sein», hält er fest.

In Europa tiefere Ernte

Auch die Bina, der Verarbeitungsbetrieb der Migros, rechnet mit Fehlmengen. «Es ist davon auszugehen, dass der Ausfall den Ernteschätzungen von Swisspatat entspricht und sich somit auf  20 bis 25 Prozent beläuft», erklärt die Leiterin Kommunikation der Bina, Helen Treier. Aber verlässlichere Angaben seien erst nach Abschluss der Kartoffeleinlagerungen Ende Oktober möglich. Die Bina bezieht ihre Importkartoffeln vorwiegend aus Deutschland und Holland. «In ganz Europa wird mit einer tieferen Ernte von rund 5 Prozent gerechnet», betont Treier.

Für die Produzenten hat die tiefere Ernte zur Folge, dass die Preise im oberen Preisband angesetzt wurden.

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