14.08.2017 08:02
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Obst
Kleine EU-Apfelernte erwartet
In Europa werden die Obstbauern in diesem Jahr voraussichtlich deutlich weniger Äpfel einbringen als 2016; die Birnenernte dürfte dagegen in etwa auf Vorjahresniveau liegen.

Das geht aus der Ernteschätzung der Weltvereinigung für Äpfel und Birnen (WAPA) hervor, die am vergangenen Donnerstag auf der Prognosfruit im spanischen Lleida vorgelegt wurde. Die Marktbeobachter rechnen demnach für dieses Jahr mit einem Apfelaufkommen von insgesamt 9,343 Mio t; das wären 21 % weniger als im Vorjahr und sogar 23 % weniger als im Mittel der drei letzten Jahre. Den starken Rückgang führt die WAPA vor allem auf die intensiven Spätfröste während der Apfelblüte und auf die Dürre im Frühjahr und Sommer zurück. Deutschland wird laut WAPA-Schätzung in diesem Jahr 555'000 t an Äpfeln ernten; gegenüber dem Vorjahr wäre das ein Minus von 46 %, während das Drei-Jahres-Mittel um 47 % unterschritten würde. Auch die anderen großen EU-Apfelproduzenten müssen mit großen Einbußen rechnen.

Polen dürfte mit 2,870 Mio t fast ein Drittel weniger Äpfel ernten als 2016 und in Italien wird das Ergebnis mit 1,757 Mio t knapp ein Viertel unter dem Vorjahreswert liegen. Etwas milder trifft es Frankreich, wo mit 1,396 Mio t immerhin 8 % weniger Äpfel eingebracht werden als 2016. Die geringeren Erträge könnten aber zu einem entspannten Marktgeschehen führen. Die WAPA rechnet mit einem ausgewogeneren Verhältnis von Angebot und Nachfrage. Der EU-Apfelmarkt leide immer noch unter den Konsequenzen des russischen Handelsembargos, betonen die Marktexperten. Zusätzlich hätten zuletzt auch die nordafrikanischen Märkte weniger importiert.

China legt nochmal zu

Die wichtigste Apfelsorte bleibt in der EU Golden Delicious mit einem geschätzten Ernteaufkommen von 1,982 Mio t; das sind 18 % weniger als im Vorjahr. An zweiter Stelle steht immer noch Gala mit geschätzten 1,276 Mio t, was lediglich ein Minus von 3 % bedeutet. Mit weitem Abstand folgen Idared mit 679 000 t, Red Delicious mit 576 000 t sowie Shampion mit 418 000 t.

Deutliche Rückgänge in der Apfelproduktion gibt es aber auch in anderen Ländern der Nordhalbkugel. So soll die Ernte in Russland gegenüber dem Vorjahr um 37 % kleiner ausfallen, in Mexiko um 30 % und in der Schweiz um 21 %. Einbußen von 19 % werden für Weißrussland vorausgesagt; in der Ukraine und Kanada wird das Apfelaufkommen um 10 % beziehungsweise 5 % kleiner ausfallen als im vergangenen Jahr. Die Obstbauern in den USA werden dagegen voraussichtlich eine stabile Ernte von rund 4,8 Mio t einbringen. Darüber hinaus wird für China ein weiteres Wachstum um 3 % auf 43,8 Mio t erwartet.

Entgegengesetzte Tendenzen bei Birnen

Die europäische Birnenernte wird von den Marktexperten auf 2,148 Mio t beziffert, das wären 1 % weniger als im Vorjahr und 8 % weniger als im Mittel der drei letzten Jahre. Größter Produzent bleibt Italien, das mit prognostizierten 719 000 t im Vergleich zu 2016 sogar noch um 5 % zulegen würde. Spanien, die Niederlande und Belgien liefern sich auf den folgenden Plätzen weiterhin ein Wettrennen. Für dieses Jahr werden hier 312 000 t, 307 000 t beziehungsweise 301 000 t erwartet. Bei den Birnensorten steht Conference weiterhin unangefochten auf Platz eins. Laut WAPA-Schätzung werden es in diesem Jahr 844 000 t sei, 7 % weniger als noch 2016. Abate F holt aber weiter auf und schließt an vergangene Jahre an. In diesem Jahr wird die Varietät mit voraussichtlich 332 000 t auf Platz zwei landen; das wären 12 % mehr als 2016 und 1 % mehr als das Drei-Jahres-Mittel. An dritter Stelle folgt William BC mit 247 000 t, was ein Minus von 6 % bedeutet.

Die Birnenernte entwickelt sich laut WAPA-Prognose in der nördlichen Hemisphäre sehr unterschiedlich. So soll die Ernte in der Türkei um 11 % größer ausfallen als im Vorjahr. In Kanada rechnet man mit einem Plus von 20 %, in Moldawien sogar mit 50 % mehr. Das Aufkommen in Russland und Weißrussland soll dagegen um 37 % beziehungsweise 20 % kleiner ausfallen. Für die Schweiz und die USA werden Einbußen von 34 % beziehungsweise 3% erwartet.

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