23.11.2017 11:24
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Mostobst
Kleinste Mostobsternte seit 1957
Der Frost im Frühjahr sorgt für die kleinste Mostobsternte seit 1957. Weil die Saft- und Konzentratsreserven nun nicht bis zur nächsten Ernte ausreichen, muss der Getränkehersteller Ramseier geringe Mengen Mostobstkonzentrat importieren. Der Richtpreis für Mostobst wurde trotz der Kleinernte nicht erhöht.

Gemäss dem Schweizer Obstverband (SOV) wurden dieses Jahr rund 22'000 Tonnen Mostäpfel und 6000 Tonnen Mostbirnen verarbeitet. Dies entspreche bei den Äpfeln nur zirka 24 Prozent und beiden Birnen 39 Prozent der durchschnittlichen Erntemenge der letzten zehn Jahre, schreibt der Obstverarbeiter Ramseier. Der Ernteertrag bewegt sich damit deutlich unter dem jährlichen Bedarf, der bei rund 80’000 Tonnen Äpfeln und 9’600 Tonnen Birnen liegt.

Gesamtversorgungslage rund 60 Prozent

Der Grund für die miese Ernte liegt in den frostigen April-Nächten. In der Südschweiz fiel der Behang dementsprechend besser aus als auf der Alpennordseite. Auch Mostäpfel, welche üblicherweise an die gewerblichen Mostereien geliefert werden, haben dieses Jahr andere Verarbeiter und Wege gefunden, schreibt der Obstverband.

Dank Reserven des Vorjahres beträgt die Gesamtversorgungslage rund 60 Prozent. Um den Inlandbedarf sicherzustellen, wurden 10 Prozent nicht Suisse Garantie konforme Zutaten bewilligt. Doch auch dies reicht nicht aus, um den Markt zu versorgen. Ein minimaler Import von Konzentrat sei unumgänglich, so der Obstverband.

Birnenkonzentrat aus Deutschland und Italien

Nur so könnten die Marktbedürfnisse gedeckt werden, teilte die Ramseier Suisse AG, der grösste Mostobstverarbeiter der Schweiz, am Donnerstag mit. Die Betriebe der Fenaco-Tochter haben in Sursee LU und Oberaach TG in diesem Herbst nur rund 14'600 Tonnen Mostobst verarbeitet. Auswirkungen auf die Qualität des Obsts hatte der Frost offenbar aber keine. Diese ist «ausserordentlich gut».

Der Apfelanteil bestehe bei den Ramseier-Obstprodukten weiterhin zu 100 Prozent aus reinen Schweizer Äpfeln. Der Bedarf an Birnen müsse jedoch «ausnahmsweise» aus Zukäufen aus Italien und Deutschland gedeckt werden, schreibt Ramseier. Das Unternehmen verarbeitet laut eigenen Angaben zwischen 50 und 60 Prozent der gesamten Schweizer Mostobsternte pro Jahr.

Keinen Einfluss hat die kleine Ernte 2017 auf die Produkte mit dem Hochstamm Suisse-Label. Für diese Produktion reichte der Ernteertrag aus. Christian Consoni blickt trotz schlechter Ernte zuversichtlich in die Zukunft: Auf ein schwaches Erntejahr folge erfahrungsgemäss meist ein gutes, lässt er sich zitieren.

Richtpreise wurden trotz kleiner Ernte nicht erhöht

Obwohl bereits frühzeitig feststand, dass die Mostobsternte klein ausfallen wird und das Mostobst gesucht war, wurde keine Erhöhung der Richtpreise beschlossen. «Die einheimischen Mostereien hoffen, dass die Produzenten das Mostobst auflesen, damit der inländische Bedarf abgedeckt werden kann», liess der Obstverband in einem Communiqué Mitte August verlauten.

Beschlossen wurde lediglich, auf den Rückbehalt zu verzichten. Dieses Vorgehen erzürnte die Produzenten. In Kommentaren auf schweizerbauer.ch schrieben sie ihre Enttäuschung nieder. «Wieso macht der Schweizerische Obstverband (SOV) Ertragserhebungen, wenn diese sich nicht im Marktpreis niederschlagen? Die Mostereien und der SOV "hoffen", dass die Landwirte trotz dem Pseudomarktpreis auf die Knie fallen und das Obst auflesen. So können sie die Margen weiterhin einstreichen», schreibt User Mösteler.

Bauern sauer

«Wenn die Abnehmer nicht bald erkennen, dass bei der diesjährigen Obsternte ein höherer Preis die logische Folge ist, dann könnt ihr bald noch mehr Wasser beimischen oder die Äpfel selber auflesen», warnte User Roli. «Wo bleibt da die Marktwirtschaft? Einzäunen und Kraftfutter sparen. Die Kühe lieben das Mostobst auch», so ein weiterer User.

Weil die Richtpreise nicht erhöht wurden, wurde das Mostobst wohl auch in andere Kanäle geliefert. «Mostäpfel, welche üblicherweise an die gewerblichen Mostereien geliefert werden, haben dieses Jahr andere Verarbeiter und Wege gefunden», schreibt der Obstverband.

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