27.06.2019 09:02
Quelle: schweizerbauer.ch - awp/blu
Detailhandel
Knall: Migros will Globus abstossen
Paukenschlag im Schweizer Detailhandel: Die Migros-Gruppe will schlanker werden und möchte die Warenhausgruppe Globus, das Möbelhaus Interio, den Einrichtungs- und Dekorationsspezialisten Depot sowie die E-Bike-Tochter m-way verkaufen.

Die Synergien der zum Verkauf stehenden Töchter mit dem Migros-Kerngeschäft seien «eher gering», begründet die Migros ihre Entscheidung. Die Unternehmen hätten ausserhalb der Migros-Gruppe bessere Erfolgsaussichten, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag: «Die Migros ist heute nicht mehr die beste Eigentümerin», wird Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen zitiert. Der Verkaufsprozess sei nun gestartet worden. Man suche «starke neue Eigentümer», die über das Know-how für die erfolgreiche Weiterentwicklung des Unternehmens verfügten.

Keinen konkreten Verkaufszeitraum

Einen konkreten Zeitraum für den Verkauf nennt die Migros nicht: Der Verkaufsprozess von der Einleitung bis zu einem allfälligen Abschluss werde je nach Unternehmen «längere Zeit in Anspruch nehmen», heisst es aber. Für die Mitarbeitenden wie auch für die Kunden der Unternehmen seien in dieser Zeit keine wesentlichen Änderungen zu erwarten. Die eingeschlagene strategische Ausrichtung werde ausserdem unverändert weiterverfolgt.

Die Migros-Gruppe schärfe damit ihren strategischen Fokus. Sie setze auf eine verstärkte Profilierung im Kerngeschäft, den Ausbau des Convenience-Segments, der digitalen Vertriebskanäle und des Gesundheitsbereichs. Die Fachmärkte Do it + Garden, OBI, melectronics, micasa, SportXX und Bike World sollen weiterentwickelt werden. In diesem Zusammenhang prüfe die Migros auch regelmässig die Zusammensetzung ihres Portfolios auf Akquisitionen und mögliche Verkäufe. Zudem will sie so Mittel freisetzen, um verstärkt in ihre strategischen Geschäftsfelder investieren zu können.

Globus, Depot und Interio

Globus gehört seit 1997 der Migros. Die Neuausrichtung habe in den zwei vergangenen Jahren Wirkung gezeigt, schreibt die Migros. «Die Entwicklung Richtung Warenhaus der Zukunft schreitet mit stetig steigenden Marktanteilen planmässig voran», heisst es in der Mitteilung. Mit der verstärkten strategischen Ausrichtung von Globus auf das Premium- und Luxus-Segment entferne sich Globus weiter von der DNA der Migros. Die gemeinsamen Berührungspunkte und Synergien würden in der Zukunft weniger. Deshalb wird die Migros nach einer neuen Eigentümerschaft suchen.

Die Gries Deco Gruppe ist seit 2012 mehrheitlich im Besitz der Migros. Gewachsen ist sie vor allem in Deutschland und Österreich. Die Gruppe wurde gemäss Migros neu ausgerichtet. Im Online-Geschäft verzeichne Depot als bekannter Brand von Einrichtungs- und Dekorationswaren ein besonders hohes und profitables Wachstum. «Da die Gries Deco Gruppe abseits des Migros-Kerngeschäfts stationär und online überwiegend ausserhalb des Heimmarktes Schweiz der Migros tätig ist und auch dort Wachstumspotential aufweist, sieht die Migros bessere Entwicklungschancen bei einem künftigen neuen Eigentümer», heisst es in der Mitteilung.

«Die elf Filialen für Möbel und Wohnaccessoires von Interio profitieren als meist alleinstehende Filialen nicht von genügend Synergien mit der Migros und haben sich im wettbewerbsintensiven Möbelmarkt leider nicht wie geplant entwickelt», schreibt die Detailhändlerin. Sie verfügten nicht über die kritische Grösse für eine nachhaltige Entwicklung. Für die Standorte von Interio sieht die Migros deshalb bessere Entwicklungschancen mit einem neuen Eigentümer oder Betreiber. 

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