12.03.2020 10:46
Quelle: schweizerbauer.ch - hal
Wirtschaft
«Konsumenten wollen Marken»
IP-Suisse und Detailhändlerin Coop arbeiten künftig zusammen. IP-Suisse-Präsident Andreas Stalder sagt, weshalb die Zusammenarbeit ein Gewinn ist und was es für die Produzenten bedeutet. Weiter spricht er über die Entwicklung des Schweinemarktes und das Potenzial von Wiesenmilch.

«Schweizer Bauer»: IP-Suisse übernimmt ab 2021 die Produzenten für Coop Naturafarm (CNf)-Schweine in sein Labelprogramm. Weshalb?
Andreas Stalder: Der Zusammenschluss ist im Sinne der Schweinefleischproduktion in der Schweiz. Coop reduzierte im vergangenen Jahr um über 100000 Schweine, weil der Absatz nachliess. Deshalb hielt Coop nach einer neuen Partnerschaft Ausschau.

Coop kam also auf IP-Suisse zu.
Wir waren erstaunt darüber, dass Coop auf uns zukam und den Wunsch äusserte, die Schweineproduktion in die Hände der Produzenten zu geben. Coop strebte nach mehr Biodiversität und das war für sie ein wichtiges Kriterium. Das fehlte ihnen im CNfP-Programm. Bisher betreute Coop das CNf-Programm. Neu wird IP-Suisse den Vertrag mit dem Schweineproduzenten machen und die Coop-Tochterfirma Bell wird für den Einkauf zuständig sein. 

Für CNf-Produzenten wird aber der Preis sinken, weil sie die tieferen Prämien von IP-Suisse übernehmen müssen.
Die Prämienreduktion führt bei den CNf-Produzenten bestimmt zu einer gewissen Unzufriedenheit. Mit diesem geschickten Zusammenschluss wird aber die Schweinefleischproduktion in der Schweiz langfristig gestärkt und die Abnahme jährlich gesichert.

Coop wird weiterhin unter dem Label Naturafarm vermarkten. Wie soll denn der Schweinemarkt gestärkt werden?
Wir rechnen dank dem Mengenausbau und der Vollverwertung der Schweine unter dem IP-Suisse-Label mit sinkenden Kosten. Und attraktive Preise führen zu einem höheren Absatz. Wir streben keine Nischenproduktion an, sondern wir brauchen das Vollsortiment der starken Partner Migros und Coop. Unser Prämiensystem, das den Markt berücksichtigt, ermöglicht, dass die Mengen gehalten und sogar ausgedehnt werden können. Coop will weiterhin unter Naturafarm vermarkten, weil es für sie ein starkes Label ist. Unsere Kunden können aber mit dem IP-Käfer werben, wie es unter anderem Denner macht. Vielfältigkeit ist für den Produzenten von Vorteil. Wir streben nicht nach einem Einheitslabel an der Ladentheke. 

Und was bedeutet die Zusammenführung der Labels für die Produzenten beider Programme?
Wir entwickelten für die Produktion einheitliche IP-Suisse-Richtlinien. Die Unterschiede zwischen den Richtlinien von CNf und IP-Suisse waren nicht gross. Bei den neuen IP-Suisse-Richtlinien werden einzig die Mindestgesamtflächen auf CNf-Niveau erhöht. Auslauf und eingestreute Flächen waren bei CNf und IP-Suisse identisch. Bei neuen Betrieben sowie bei Umbauten sollen die Schweine mehr Platz erhalten. Das bereits hohe Tierschutzniveau wird noch erhöht. CNf-Produzenten können zudem auf einem hohen Niveau der Biodiversität einsteigen und diesbezüglich vom Know-how von IP-Suisse profitieren. In den neuen Richtlinien sind im Ausland vollflächig Spaltenböden erlaubt, das war bei den Richtlinien von CNf nicht so. Der Konsument erhält an der Verkaufsfront die Sicherheit trotz unterschiedlicher Labels, dass auf einem einheitlichen Tierschutzniveau Schweinefleisch produziert und zudem die Biodiversität berücksichtigt wird. 

Auch die Tierschutzkontrollen werden verschärft.
Der Schweizer Tierschutz steht hinter den neuen Richtlinien. Die Kontrollen werden neu für alle Produzenten durch den Schweizer Tierschutz und zu 100% unangemeldet vorgenommen.  

Wie wird sich der Schweinemarkt in Zukunft entwickeln?
Die Zukunft liegt bei Markenschweinen und bei Markenfleisch. Das bedeutet für mich «raus aus der Sackgasse». Die Konsumenten wollen Marken. Es werden Spezialitäten und Marken entstehen, wie es bei der Milch auch passiert ist. Mich erstaunt, dass der Produzentenverband Suisseporcs bisher kein Markenfleisch für den Gastrobereich entwickelte.

Stichwort Milch. Wird mit Coop auch die Wiesenmilch einen Schub erhalten?
Wir erwarten einen kräftigen Schub mit der Wiesenmilch. Bei Coop sind nach Umstellung des Mittelsegments rund 200 Mio. Kilo Wiesenmilch angedacht. Im Vergleich: Migros vermarktet jährlich mit steigender Tendenz 16 bis 17 Mio. Kilo Wiesenmilch. Das Wertschöpfungspotenzial bei der Milch ist gross. 

Was ist zudem mit Coop geplant?
Coop will auch Zucker, Mehl, Rahm und Rapsöl mit dem IP-Käfer auszeichnen. Aufgrund der bevorstehenden Trinkwasser- und der Pestizid-Initiative kann ich mir gut vorstellen, dass Coop Interesse für herbizidlosen Kartoffelanbau oder Gemüse, das mit reduziertem Pflanzenschutzeinsatz produziert wurde, bekunden wird.

Welche Bedeutung hat für IP-Suisse die neue Zusammenarbeit mit Coop?
Die Zusammenarbeit ist für uns ein Quantensprung. Es ist ausserordentlich wichtig, dass beide Grossverteiler sich für die Nachhaltigkeit von IP-Suisse entscheiden konnten. Die Landwirtschaft kann sich auf einem hohen und einheitlichen Niveau formieren. Für die Umwelt, für das Tierwohl und für die Akzeptanz der Konsumenten ist es nur positiv. Und der Landwirt wird sich mit IP-Suisse noch besser positionieren können. 

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE