26.01.2016 11:33
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Futtermittel
Kontroverse um Bruchreis
Bruchreis ist ein Nebenprodukt der Reisherstellung und wird in immer grösseren Mengen vor allem aus Brasilien importiert. Diese steigenden Importe werden von Marktkennern unterschiedlich beurteilt.

Bruchreis ist ein beliebter Stärketräger im Mischfutter. Es verfügt über wenig Pufa (mehrfach ungesättigte Fettsäuren), was vor allem im Schweinefutter wichtig ist. «Weiter hat Bruchreis einen tiefen Phosphor-Gehalt und ist deshalb ein idealer Mischungspartner für inländische Mühlennachprodukte und Gerste», sagt Hansueli Rüegsegger von der UFA. 

Der empfohlene Maximalanteil von Bruchreis im Schweine- und Geflügelfutter liegt gemäss ALP bei 30%. «Bei der UFA liegen die Anteile im Mischfutter weit darunter», so Rüegsegger.

«Grosse profitieren»

Die Bruchreisimporte stiegen in den letzten Jahren stark an (siehe Grafik). 2014 wurden insgesamt 72000 Tonnen eingeführt. Das entspricht rund 8 Prozent des verfütterten Futtergetreides in der Schweiz. Einer, der sich an den hohen Bruchreisimporten stört, ist Fritz Gerber von der Mühle Leibundgut in Langnau BE: «Der Import von Bruchreis ist praktisch nur für grosse Importeure möglich, da dafür mindestens eine ganze Schiffszelle eingeführt werden muss», sagt er. Dies sind in der Schweiz wahrscheinlich nur zwei  Importeure. 

Zudem sei Bruchreis günstig. «Der Importrichtwert beträgt zwar 40 Fr./100 kg, doch der Zoll auf Bruchreis wird mit 2 bis 7 Fr./100 kg regelmässig zu tief angesetzt», sagt Gerber. Er vermutet, dass dem Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), das die Zölle monatlich festlegt, zu hohe Preise für Bruchreis gemeldet werden. «So wird erreicht, dass die Zölle nicht zu hoch angesetzt werden und der Importrichtwert in Wahrheit unterboten wird.» Davon profitierten aber nur die Direktimporteure, denn im Weiterverkauf sei Bruchreis teurer. «Mit dem billigen Bruchreis erhält das grösste Mischfutterwerk erhebliche Marktvorteile gegenüber kleinen Mühlen», ist er überzeugt.

Senkung Importrichtwert

Die Fenaco, die zu den Importeuren von Bruchreis gehört, sieht dies nicht so: «Die Zollbewirtschaftung ist so ausgelegt, dass der Importrichtwert von 40 Fr. eingehalten wird.» Deshalb sei Bruchreis keine günstige Komponente.

Das BLW verweist auf die Aussenhandelsstatistik Swiss-Impex: «Bei der Konsultation der Importstatistik  stellen wir fest, dass Bruchreis von Januar 2012 bis November 2015, verzollt, franko Schweizer Grenze, im Schnitt mit 39.20 Fr./100 kg deklariert ist.» Dieser Wert befinde sich zwar leicht unter dem Importrichtwert von 40 Fr., jedoch deutlich innerhalb der Bandbreite  von ±3 Franken.

Für Weizen und Mais liegt der Importrichtwert übrigens bei 38Fr./100 kg. Nun werden im Rahmen des Landwirtschaftlichen Verordnungspakets 2016 sämtliche Importrichtwerte von Futtermitteln überprüft und aufgrund von Nährwertberechnungen angepasst. Dabei soll unter anderem der Schwellenpreis von Bruchreis um 2 Fr. auf 38 Fr./100 kg gesenkt werden, jener für Mais um 1 Fr. auf 37 Fr./100 kg.

Druck auf Inlandpreis?

Fritz Gerber sieht noch einen weiteren heiklen Punkt in den zunehmenden Bruchreisimporten: «Da der Zoll auf Bruchreis auch während der Erntemonate im Sommer tief bleibt, wird er ganzjährig importiert. Dies kann im Sommer zu Lagerengpässen und damit zu Preisdruck beim Inlandgetreide führen.»

Hansjörg Reiss, Leiter Futtermittel-Rohprodukte bei Fenaco, verneint: «Bruchreis wird ausschliesslich über die Häfen in Basel importiert. Diese Lager sind für die Inlandgetreideernte nicht nutzbar.» Bruchreis habe auch sonst keinen negativen Einfluss auf das Inlandgetreide, betont er. Es werde anstelle von Weizen, Mais und Futterstärke eingesetzt, welche wegen zu kleiner Inlandproduktion ebenfalls importiert würden. Im Gegenteil: Mit seinen wertvollen Futtereigenschaften könnten dank dem Bruchreis sogar höhere Anteile an Schweizer Gerste und Mühlennachprodukten im Mischfutter eingesetzt werden.

SGPV: Kein Druck aus Inlandgetreide ausüben

Positiv am Bruchreis sei ausserdem, dass es sich um ein wertvolles Nebenprodukt der Lebensmittelherstellung handle, das sich nicht für die menschliche Ernährung eigne. «Bruchreis reduziert den Einsatz von Futterweizen, welcher meist in Brotgetreidequalität importiert wird», so Reiss.

Und was sagt der Getreideproduzentenverband (SGPV) zu den steigenden Bruchreisimporten und den geplanten Importrichtwertsenkungen? Präsident Fritz Glauser stellt klar: «Solange wir beim Futtergetreide nur einen Selbstversorgungsgrad von 50 Prozent haben, können wir uns nicht am Bruchreis stören. Voraussetzung dafür ist, dass Bruchreis richtig verzollt wird und keinen Preisdruck auf Inlandgetreide ausübt.» Deshalb sei eine Senkung der Importrichtwerte gewisser Futtermittel für den SGPV nicht akzeptabel.

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