10.08.2018 14:17
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fleischmarkt
Kühe: Importperiode verlängert
Wegen der ausserordentlichen Trockenheit haben die Viehhalter deutlich mehr Kühe auf die Schlachtbank geführt als in dieser Jahreszeit üblich. Der Preis für Schlachtkühe brach zusammen. Hart kritisiert wurden die 800 Tonnen bewilligten Kuhfleischimporte. Nun wird die Importperiode verlängert

Anfang Woche kam es bei den Kühen zu einem Preissturz. Die Coop-Tochter Bell gab am Montagmorgen bekannt, dass sie nur noch 7.00 Fr./kg SG für Schlachtkühe T3 zu zahlen gewillt sei. Der Richtpreis wurde am Freitag vergangener Woche von der Proviande auf 8.20 Franken pro Kilo Schlachtgewicht (Klasse T3) festgelegt.

«Seit Freitag hat sich die Situation in der Tat zugespitzt. Für die laufende Woche müssen wir mit einem etwa doppelt so hohen Angebot rechnen als üblicherweise zu dieser Jahreszeit», sagte ein Bell-Sprecher am Montag. Proviande-Präsident Markus Zemp gab gegenüber «Schweizer Bauer» bekannt: «Am Freitag wurden wie verrückt Kühe angemeldet. Dadurch ist das Angebot derart gestiegen, dass der Proviande-Preis von 8.20 Fr./kg kaum mehr realisiert werden kann.»

Viele Bauern haben wegen Futtermangels, aber auch in Erwartungen sinkender Schlachtviehpreise, mehr Kühe für die Schlachtung angemeldet. Die Verarbeiter haben in der Folge die Marktpreise gesenkt. Hart kritisiert wurde das bewilligte Importkontingent von Ende Juli. Die Proviande beantragte die Einfuhr von 800 Tonnen Kuhhälften, das entspricht rund 2400 Kühen. «Dieser Importantrag wurde Ende Juli von der Mehrheit den Marktteilnehmern als marktkonform eingeschätzt» sagte Zemp und fügte an: «Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer.

Es hagelte Kritik. «Ich bezweifle schon lange, ob Herr Markus Zemp uns Bauern wirklich gut vertritt», kommentierte User beat.sch auf schweizerbauer.ch. «Nach dem Fehlentscheid von Proviande soll diese bitte sofort zur Marktberuhigung endlich das mögliche Entlastungventil der Einlagerung nutzen. Dieses ist genau für solche Situationen geschaffen worden, wie die Spielregeln für Importe bei Mangel», fordert User Pragmatiker. 

Einlagerungen hat die Proviande noch keine beschlossen. An der ausserordentlichen Verwaltungsratssitzung wurde die Importperiode für Schlachtkörper von Verarbeitungskühen für August um 4 Wochen bis Ende September verlängert. Damit werden für kommenden Monat keine zusätzlichen Importe beantragt. Der Richtpreis für Schlachtkühe reduzierte sich diese Woche um 70 Rappen auf noch 7.50 Fr./kg SG (T3).

Der Verwaltungsrat fordert die Importeure auf, die durch die Massnahme geschaffene Möglichkeit zu nutzen, die bereits bewilligten Importe zu verschieben und damit den Markt nicht zusätzlich zu belasten. «Produzenten und Verwerter werden alles daran setzen, dass einerseits die Preise für die Schlachtkühe auf dem für die kommende Woche festgestellten Niveau stabil bleiben und dass andererseits das aufkommende Angebot vom Markt genommen und verarbeitet wird, ohne dass mit Bundesmitteln Marktabräumungen durchgeführt werden müssen», schreibt die Proviande am Freitag in einem Communiqué.

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