28.05.2019 18:23
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Schlachtvieh
«Kuhhandel auf Kosten der Bauern»
Die Konsumentensendung «Kassensturz» thematisiert am Dienstagabend die Versteigerung von Schlachtkühen. Die TV-Macher gingen auf Viehmärkte und filmten das Auftreten von Händlern. Es komme zu Preisabsprachen, lautet der Vorwurf. Die Viehhändler dementieren entschieden.

Schweizer Bauern bringen jedes Jahr rund 60'000 schlachtreife Kühe auf Viehmärkte zur Gant. Sie hoffen, dort einen guten Preis zu realisieren.

Versteigerung abgekartet

Doch Viehhandel sei ein knallhartes Geschäft, berichtet der «Kassensturz». Und Viehhändler würden ab und zu ein falsches Spiel auf Kosten der Bauern spielen. Mehrere Bauern und ein Experte sagen gegenüber der TV-Sendung, dass es Preisabsprächen gäbe. Die TV-Macher haben mit versteckter Kamera auf Viehmärkten Aufnahmen gemacht.

Die Versteigerungen würden vorgespielt, denn hinter den Kulissen sei bereits alles abgekartet, so der Vorwurf der TV-Macher. Die Händler würden die Preise drücken. Mittels Zeichensprache würden die Händler untereinander signalisieren, welche Tiere sie steigern wollen. Es handle sich um eine «Pro-forma»-Auktion.

Bauer um besseren Preis gebracht

Ein Händler habe einen Preis gemacht, die übrigen Händler hingegen hätten kein Angebot gemacht. In einem anderen Fall sei ein Händler einer Kuh hinterhergelaufen. Dies sei ein Zeichen, dass die Kuh diesem Händler gehöre. Der Bauer werde so um einen besseren Preis gebracht, kritisiert der Kassensturz.

Nicht alle Bauern sind mit den Auktionen unzufrieden. Einige Landwirte erklären gegenüber «Kassensturz», dass sie mit den gelösten Preisen zufrieden sind.

Viehhändler weisen Vorwurf zurück

Der Viehhändler-Verband weist den Vorwurf der Absprache entschieden zurück. Ein Händler habe nicht die Pflicht, ein Angebot abzugeben. «In der jetzigen Zeit weise ich ganz entschieden zurück, dass da Absprachen gemacht werden. Die Händler müssen die Nachfrage nach Kühen befriedigen», sagt Peter Bosshard, Geschäftsführer des Schweizerischen Viehhändler-Verbandes. Da kämen sie nicht umhin, für die Tiere zu bieten.

Der Bund unterstützt die Viehmärkte jährlich mit 1.5 Millionen Franken. Zudem fliessen rund 4 Millionen von Kantonen an die Märkte. Viehhändler haben die Pflicht, alle Tiere auf dem Markt zu kaufen. Für diese Leistung werden die Händler mit Import-Kontingenten bedacht. Diese geben dem Viehhändler das Recht, Edelstücke wie Rinderfilets und Entrecôtes günstig aus dem Ausland zu importieren. Oder verkauft die Rechte an andere weiter. 

Bund will Import-Kontingente abschaffen

Gemäss Kassensturz macht ein Händler pro gekauftes Tier ein Importgewinn von 200 Franken. Der Bund schätzt die jährliche Gesamtrente für Viehhändler auf 10 bis 12 Millionen. Die grössten unter den Viehhändlern, Imbeca in Basel, Lüscher in Aefligen oder Marmy in Estavayer, kassieren Renten von über einer Million pro Jahr.

Nicht die Bauern, sondern die Viehhändler würden von diesen «Sofarenten» profitieren, kritisiert Adrian Aebi vom Bundesamt für Landwirtschaft. Dies würden mehrere Studien belegen. Nur ein Viertel dieser Rente fliesse an die Bauern zurück, sagt Aebi. Deshalb möchte der Bund mit der Agrarpolitik 2022+ die Import-Kontingente wieder abschaffen.

Das 75 Prozent der Rente bei den Händlern landet, bestreitet Peter Bosshard. «Es kommt sehr viel von der ganzen Importrente beim Bauern an. Man nimmt nicht einfach nur Tiere heim und hofft auf diese Importrente», hält der Geschäftsführer des Schweizerischen Viehhändler-Verbandes fest.

Inlandleistung

Mit der Agrarpolitik 2014 wurde die (Wieder-)Einführung der Inlandleistung für geschlachtete Tiere beschlossen. 2007 wurde das System abgeschafft. Seit 2015 werden 40% der Kontingentsanteile für Fleisch von Rindern, Schafen, Ziegen und Pferden nach der Zahl der geschlachteten Tiere zugeteilt. Davon ausgenommen ist Koscher- und Halalfleisch. Die Wiedereinführung geschah unter der Ägide des Schweizer Fleischfachverbandes und des Schweizer Bauernverbandes.

«Die Inlandleistung zugunsten der Schlachtbetriebe im Umfang von jährlich 40 bis 43 Mio. Franken ist angesichts des aktuellen Grenzschutzes der Schweiz für das Funktionieren des inländischen Fleischmarktes von zentraler Bedeutung», sagt der Schweizer Fleisch-Fachverband SFF zu Kassensturz. Dank der Inlandleistung habe der einheimische Lammfleischmarkt gerettet werden können. 

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