8.06.2015 06:17
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Schlachtkühe
Kuhpreis so hoch wie seit 1995 nicht mehr
Rund 2500 Franken können aktuell für eine T3-Schlachtkuh gelöst werden. Schöne Tiere werden sogar für über 3000 Franken gekauft. Wider Erwarten steigen seit drei Wochen die Kuhpreise weiter in die Höhe.

Mit 8.10 Fr./kg Schlachtgewicht (SG) gelten Kühe aktuell so viel wie seit 1995 nicht mehr. «Auf den Märkten ist der Teufel los», beschreiben Händler die Situation. Für diesen Marktzustand gibt es drei Hauptgründe: Der Kuhbestand nimmt gemäss Tierverkehrsdatenbank seit Jahren ab. Ende April 2015 waren in der Schweiz 10'000 Milchkühe weniger registriert als vor fünf Jahren.

2,1 Prozent weniger geschlachtet

Diverse Fleischskandale in den letzten Jahren führten zu einer verstärkten Nachfrage nach Schweizer Verarbeitungsfleisch. Momentan werden auf den Märkten Kühe für die Alpsaison gekauft. Dabei geht es vor allem um die Sömmerungsbeiträge, die man für jedes Tier erhält. Von Januar bis Mitte Mai wurden dieses Jahr laut Zahlen der Proviande 2,1 Prozent weniger Verarbeitungstiere (Jungkühe, Kühe und ältere Muni) geschlachtet als im Vorjahreszeitraum.

Erstaunlicherweise liegen aber die Importfreigaben von Kühen in Hälften mit bisher 6875 Tonnen tiefer als im Vorjahr mit 8000 Tonnen bis im Juni. «Offenbar braucht der Markt nicht mehr Importware», sagt ein Branchenkenner. Es sei auch wahrscheinlich, dass mit der geringen Preisdifferenz zu den Banktieren gewisse Fleischstücke von den Muni in die Verarbeitung fliessen.

Angebot wird nicht steigen

Die Befürchtung vieler, dass mit den hohen Preisen die Nachfrage nach Schweizer Verarbeitungsfleisch nachlässt, ist also bisher keineswegs eingetroffen. Ist diese Situation also eine Chance für Landwirte, die Kühe ausmästen wollen? «Man muss natürlich bedenken, dass A- und X-Kühe, die man auf dem Markt zur Ausmast kauft, mit den aktuellen Preisen auch bereits sehr teuer sind», sagt Hans Peter Wolf, Geschäftsführer der Viehhandelsfirma ASF.

Ausserdem brauche es das richtige Management und eine gute Fütterung, damit die nötigen ein bis zwei Fleischigkeitsklassen angefüttert werden könnten. «Gras alleine reicht nicht. Es braucht auch eine optimale Mischfutterration, damit die Kühe innerhalb von zwei Monaten die Schlachtreife erreichen.» Ausmastkühe kauft man direkt beim Bauern meist billiger ein als an den Versteigerungen der öffentlichen Märkte.

Branchenkenner rechnen nicht damit, dass das Angebot an Schlachtkühen mit den hohen Preisen zunimmt. Dafür sei es zu stark an den Milchmarkt gekoppelt. Um den Markt zu versorgen, sehen sie als einzige Möglichkeit den Import von Kühen in Hälften.

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