3.08.2018 17:49
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fleischmarkt
Kuhpreis taucht um 30 Rappen
Die höheren Auffuhren von Schlachtkühen hat finanzielle Auswirkungen für die Bauern. Der Richtpreise ist am Freitag um 30 Rappen gesunken. Der Schweizer Bauernverband will in der nächsten Woche über Massnahmen kommunizieren.

Das heisse und trockene Wetter hat für die Bauern dramatische Folgen. Auf den Feldern wächst kein Futter mehr. Zuckerrüben, Gemüse, Mais und Kartoffeln leiden unter der Hitze. Das Bewässern ist vielerorts nicht (mehr) möglich.

Kein Futter mehr

Viehhalter haben Problem, ihre Tiere mit Futter zu versorgen. Sie teilweise bereits auf die Wintervorräte zurückgreifen. Die Bauern haben die Möglichkeit, Futter zuzukaufen. Das Problem: Solches ist rar. «Wir nehmen nur noch Bestellungen entgegen, wenn wir für die Lieferung garantieren können», sagt das Handelsunternehmen Agrokommerz zu schweizerbauer.ch. Aufgrund des knappen Angebots steigen die Preise stetig. 

Deshalb wählen immer wie mehr Bauern die Option Schlachtung. Am Schlachthof Hinwil beispielsweise wurden diese Woche 30 Prozent mehr Tiere geschlachtet als in der Vorjahresperiode. Landwirt Robert Hess macht sich grosse Sorgen. Bleibe es zwei weitere Wochen trocken, komme es zu Notschlachtungen. Er selber habe bereits 25 Tiere in den Schlachthof geführt, sagt Hess zu «TeleZüri».

Kehrtwende: Nun doch Zollsenkung auf Heu gefordert

Bereits vor zwei Wochen hat der Bündner Bauernverband vor Panikverkäufen gewarnt. Kommen zu viele Tiere auf den Markt, breche der Preis zusammen. Nun hat am Freitag auch der Schweizer Bauernverband (SBV) vor Panikverkäufen gewarnt. Man hoffe auf die Solidarität der Abnehmer und darauf, dass diese die schwierige Situation nicht ausnützen, teilt der SBV mit.

Der Verband will sich für die Bauern einsetzen. Konkret fordert er eine Zollsenkung auf Heu. Ob auch andere Massnahmen an den Bund gerichtet werden, wollte der SBV auf Anfrage von schweizerbauer.ch nicht beantworten. Derzeit sei noch nichts entschieden. Kommende Woche wisse man mehr, sagt eine Sprecherin. Vor zwei Woche wollte indes der Bauernverband noch nichts von einer Zollsenkung wissen. «Die Futterernte im Frühling war ausgezeichnet. Es ist nicht überall so trocken wie in der Südostschweiz», sagte damals SBV-Sprecherin Sandra Helfenstein. Eine Zollsenkung auf Futtermitteln sei kein Thema, machte sie deutlich. Kantonale Verbänden verlangen zudem, mindestens den aktuellen Grenzschutz auf Fleisch beizubehalten. 

Schlachthöfe stossen an Grenzen

Den Preisverfall bei den Schlachtkühen vermögen diese Massnahmen kurzfristig nicht zu bremsen. Der Richtpreis für Schlachtkühe ist am Freitag um 30 Rappen gefallen. Gemäss Umfrage des «Schweizer Bauer» wird dieser nicht von sämtlichen Verarbeitern bezahlt. Die Schlachthöfe stossen wegen Ferienabwesenheiten an ihre Grenzen. Die Nachfrage nach Verarbeitungstieren wäre aber vorhanden. Der Bauernverband schreibt in seinem Marktkommentar einen Stopp der Panikverkäufe. Man solle nur «notwendigsten» Tiere liefern. Für vielen Bauern sind das angesichts des fehlenden Futters wohl viele Kühe.

Die Branchenorganisation der Fleischwirtschaft, Proviande, könnte auf den Import von Kuhhälften verzichten. Die letzte Freigabe von Kuhhälften in der Höhe von 800 Tonnen fand vergangene Woche statt. Die nächste Sitzung findet Ende August statt. Man werde die Marktsituation beobachten. Würde sich die Angebotssituation auf dem Rindviehmarkt weiter verschärfen und damit auch der Preisdruck, seien Importbeschränkungen aber denkbar, sagte Peter Schneider, Geschäftsleitungsmitglied von Proviande, zur «Aargauer Zeitung».

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