22.12.2018 06:01
Quelle: schweizerbauer.ch - sal
Fleischmarkt
Kunde zahlt 17x mehr als Coop
Für den Naturafarm-Mehrwert zahlt Coop dem Bauer 0.50 Fr./kg mehr. Beim Konsument wird daraus ein Aufpreis von 8.50 Fr./kg.

Vergangene Woche gab Coop bekannt, dass die eingekaufte Menge von Schweinen des Programms Coop Naturafarm (CNf) per 1. Januar 2020 um ganze 30% gekürzt werde und dass nur noch die Vermittler Anicom, Agrifera, ASF und Johann Sutter AG CNf-Schweine liefern dürfen. Fünf Vermittler, darunter die Prosus, fallen raus. Die Nachfrage sei unter Druck geraten, schrieben Roland Frefel, Leiter Frischprodukte bei Coop, und Damian Santschi, Brand Manager Naturafarm, im Informationsschreiben. 

Aktuelle Preise im Shop 

Ein aufmerksamer Leser hat darauf hingewiesen, dass sich die CNf-Schweine auf ihrem Weg vom Schlachthof ins Verkaufsregal auf fast wundersame Art verteuern. Diese Woche wurde für CNf-Schweine ab Stall ein Preis von 4.30 Franken pro Kilo Schlachtgewicht bezahlt. Das sind 0.50 Franken mehr als für konventionelle QM-Schweine. «Wenn das CNf-Fleisch im Laden bloss 0.50 Fr./kg mehr kosten würde und nicht so unsinnig verteuert würde, gäbe es zu wenig davon», schreibt der Branchenkenner. 

Doch die Realität sieht anders aus: vier QM-Koteletts werden von Coop unter der Linie «Prix Garantie» zu einem Kilopreis von 17.50 Franken verkauft, zwei Naturafarm-Koteletts sind für 26 Franken pro Kilo erhältlich. So war es am Mittwoch im Onlineshop «Coop@home». Der Aufpreis auf den Koteletts beträgt also 8.50 Franken, aus einer Differenz von 0.50 Franken beim Bauer werden 8.50 Franken beim Konsumenten. 

Coop weist Vorwurf zurück

Schweineproduzenten dürften sich auch fragen, warum ihnen Coop angesichts der guten Naturafarm-Verkaufspreise nicht einen höheren Zuschlag für die CNf-Schweine bezahlen will. Was sagt Coop zum Vorwurf einer überhöhten Marge beziehungsweise einer unfairen Verteilung innerhalb der Wertschöpfungskette? 

Sprecher Urs Meier schreibt: «Die Marge bei Coop Naturafarm ist stark unterdurchschnittlich. Verantwortlich hierfür sind unter anderem Logistikkosten, die Kosten für die Kontrollen durch den Schweizer Tierschutz (STS), die überdurchschnittlichen Kosten für die verschiedensten verkaufsfördernden Massnahmen, wie Werbung, Aktionen usw. sowie Abwertungskosten, die Coop zum grössten Teil selber trägt. Aufgrund dieser Situation mussten wir jetzt Massnahmen ergreifen, die uns nicht leicht gefallen sind.» Bei der Logistik könnte man entgegenhalten, dass pro Jahr immerhin mehrere Hunderttausend CNf-Schweine gehandelt werden. 

Noch Neue im Programm


Laut Informationen des «Schweizer Bauer» sind noch im Sommer 2018 neue Schweineproduzenten ins CNf-Programm aufgenommen worden – doch nun ist den Händlern berichtet worden, Coop habe mit Deklassierungen von CNf-Schweinen bereits seit zwei Jahren über zehn Millionen Franken Verlust gemacht. Coop sagt dazu, es seien bloss wegfallende Produzenten ersetzt worden. 

Die Anzahl deklassierter Tiere in den letzten zwei Jahren wollte Coop nicht nennen. «Coop hat die Naturafarm-Mengen konstant und zuverlässig abgenommen und mit grossem Engagement und hohem finanziellem Aufwand die Ware vermarktet», so Meier. 

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