26.07.2019 14:05
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Schweinemarkt
«Landwirt kann selbst entscheiden»
Schweinemäster sind mächtig verärgert. Die Migros-Tochter Micarna senkt den Schweinepreis um 10 Rappen. Die Bauern sagen, der Markt sei ausgeglichen. Die Micarna hingegen spricht von einem Überangebot.

Die Migros spürt den Druck der Mitbewerber wie Lidl und Aldi im Nacken. Und der Konzern macht weniger Gewinn. Nun muss die Detailhändlerin auf Geheiss von Chef Farbrice Zumbrunnen handeln.

Druck auf Lieferanten

Einerseits haben einige Genossenschaften damit begonnen, Personal abzubauen und Abläufe optimieren. Andererseits sucht die Migros Abnehmer für Töchter, die zu wenig abwerfen. Für Globus, Depot und Interio werden Käufer gesucht.

Doch auch bei den Lieferanten wird die Migros aktiv. So fordert sie gemäss einem Bericht der «Sonntagszeitung» bei den 50 grössten Zulieferer Preisnachlässe von bis zu 20 Prozent. Die Preissenkungen haben auch Auswirkungen auf die Bauern. Der Molkereimilchpreis wurde bereits per 1. Juli um 2,5 Rappen pro Kilo gesenkt. Im Laden wurden in der Folge die Preise gesenkt.

Produzenten haben Aufgabe erfüllt

Und gemäss «Sonntagzeitung» wurden auch beim Frischfleisch Preisabschläge vorgenommen. «Wir befürchten, dass die Preissenkungen auf die Landwirtschaft überwälzt werden», sagte Martin Rufer, Leiter Märkte beim Schweizer Bauernverband, Anfang Juli zur Zeitung. Und das ist nun eingetroffen.

Nun hat die Migros-Tochter Micarna beschlossen, den Produzentenpreis beim Schweinefleisch um 10 Rappen je Kilo Schlachtgewicht (SG) auf 4.40 Fr. zu senken. Ausserdem wird die Label-Prämie für IP-Suisse-Schweine um 5 Rappen pro Kilo SG gesenkt. Für die Schweinemäster ein Affront. «Die Produzenten haben ihre Aufgabe erfüllt und das Angebot an die Absatzmöglichkeiten von Schweizer Schweinefleisch angepasst», teilte der Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs am Donnerstag in einer Mitteilung mit.

«Migros nützt Marktmacht aus»

Die Schweinefleischmenge wurde im ersten Halbjahr gemäss der Branchenorganisation Proviande um 6,8 Prozent reduziert. «Angebot und Nachfrage sind auf dem Schlachtschweinemarkt seit Wochen in idealer Balance», hält der Verband fest.

«Der preisbestimmende Abnehmer nützt seine Marktmacht schamlos aus. Diese Preis- und Marktpolitik irritiert und enttäuscht die Produzenten stark», moniert Suisseporcs. Der Verband fordert deshalb Bauern und Händler auf, keine Schweine zu diesen Preisen der Migros zu liefern.

Migros: Überangebot an Schweinefleisch

Die Migros schätzt die Marktlage hingegen anders ein. Sie hat ein Überangebot an Schweinefleisch festgestellt. Deshalb hat die Detailhändlerin mehrere Tonnen einfrieren müssen. Sie führt die Marktsituation auf geringere Verkäufe beim Grillfleisch, dies wegen der Hitze, sowie auf die Sommerferien zurück.

Die Migros-Tochter erachtet die aktuelle marktwirtschaftliche Situation nicht mit dem bestehenden Marktpreis vereinbar. «Trotz der Preissenkung bezahlt die Micarna nach wie vor 60 Rappen pro Kilogramm mehr als im Vergleich zum Vorjahr», hält die Migros gegenüber schweizerbauer.ch fest.

«Bauern können Abnehmer frei wählen»

Auf den Vorwurf von Suisseporcs, die Migros nütze ihre Marktmacht aus, antwortet das Unternehmen wie folgt: «Da in der Schweizer Landwirtschaft bezüglich der Vermarktung von Schweinen grundsätzlich die freie Marktwirtschaft spielt, kann jeder Landwirt jederzeit selbst entscheiden, welchem Verarbeiter er seine Tiere liefern möchte.»

Verarbeiter müssten die Preisstrukturen der marktwirtschaftlichen Situation anpassen, macht die Migros klar. Ihre Tochter Micarna sieht sich weiterhin als wichtige Partnerin der Schweizer Landwirtschaft. Sie schätze die stets gute Beziehung mit den Landwirten und dem Schweinezuchtverband. Doch der Einkaufspreis richte sich nach Angebot und Nachfrage.

Migros hat keine Angst vor Boykott

Die Aufforderung von Suisseporcs, keine Schweine zu tieferen Preisen zu liefern, beeindruckt die Migros wenig. «Für die Micarna besteht aktuell keine Gefahr, dass zu wenig Schweine verarbeitet werden können», sagt die Detailhändlerin zu schweizerbauer.ch. 

Die Migros will die tieferen Produzentenpreise nach eigenen Angaben nicht für eine Margenverbesserung nutzen. «Die gesenkten Einkaufspreise werden Kundinnen und Kunden weitergegeben», schreibt die Migros.

Bauern doch nicht so frei

Die anderen grossen Abnehmer von Mastschweinen haben den Preis diese Woche noch bei 4.50 Fr./kg SG belassen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Coop und die Fenaco-Tochter Ernst Sutter AG kommende Woche den Preis senken, ist gross. Innerhalb der Branche ist der Preisabschlag der Migros umstritten. Händler sagen gegenüber «Schweizer Bauer», dass die Schweine problemlos platzierbar seien.

Und sie machen auch klar, dass die Landwirte, entgegen der Aussage von der Migros, nicht so viele Alternativen haben. Es gebe nicht viele Ausweichmöglichkeiten, die Schweine anderweitig zu platzieren, hält ein weiterer Händler fest. 

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