29.05.2015 11:55
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Freiburg
Lidl: Kritik an Milchbauern
Der deutsche Grossverteiler Lidl hält an seiner Wachstumsstrategie in der Schweiz fest. In den nächsten Jahren sollen weitere rund 100 Filialen entstehen. Nächste Woche eröffnet der Discounter im Kanton Freiburg zudem ein neues Verteilzentrum. Der Lid-Chef Schweiz kritisiert im "Blick" die Schweizer Milchbauern.

Beim Markteintritt von Lidl in der Schweiz 2009 hiess es, der Verteiler plane 200 Filialen. In einem Interview mit dem «Blick» vom Freitag bestätigt Lidl-Schweiz-Chef Georg Kröll nun dieses Ziel. «Wir führen jetzt 101 Geschäfte mit einem Logistikzentrum in Weinfelden im Thurgau. Jetzt haben wir ein zweites. Es geht folglich in diese Richtung», sagte er.

Täglich 360 Camiontransporte

Allein im vergangenen Jahr habe Lidl in der Schweiz neun Läden eröffnet, in diesem Tempo werde es jährlich weitergehen. Der Detailhändler will 2015 wie bereits im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Franken in der Schweiz investieren. Das Geld soll zum einen in den Bau neuer Filialen, zum anderen in die Modernisierung bestehender Läden fliessen.

Einen grossen Schritt in Richtung des angestrebten Wachstums macht Lidl mit einem neuen riesigen Warenlager in der Freiburger Gemeinde Sévaz. Von dort aus sollen 50 bis 70 Niederlassungen in der Westschweiz beliefert werden. Täglich 360 Camiontransporte sind geplant.

«Schweizer wollen Qualität»

Damit könne Lidl nun vor allem in der Westschweiz weiter expandieren und mehr Regionalität in die Läden bringen. Letztere sei in der Schweiz ein wichtiges Marktbedürfnis. «Kunden erwarten hier viel mehr regionale Produkte und extrem hohe Qualität. Darum ist Lidl hier eigentlich kein Discounter», sagt Kröll.

Wenn Lidl in der Schweiz Tiefpreise wie in Deutschland anbieten wollte, müsste der Discounter gemäss Kröll viel mehr ausländische Ware verkaufen. «Aber die will der Schweizer nicht. Er legt Wert auf einheimische Produkte, die bereits 50 Prozent unseres Umsatzes ausmachen», sagt der CEO.

"Milchmarkt im Griff der Bauern"

Lidl hat im vergangenen Jahr auch Schweizer Lebensmittel ins Ausland exportiert. Rund 2100 Tonnen fanden den Weg in Lidl-Filialen im Ausland. Trotz des starken Frankens sollen die Exporte weitergeführt werden. Eine Verdoppelung der Exporte wie in den vergangenen Jahren könne aber nicht garantiert werden, sagt der Lidl-Chef dem Blick. Der Schweizer Ableger des deutschen Discounters exportiert Schweizer Käse, Bonbons, Rösti und Wein nach Europa.

Keine Freude hat Kröll an den Butterpreisen. "Um günstiger anbieten zu können, müssten wir auf Importe ausweichen. Doch die Zollschranken sind enorm hoch", betont der Lidl-Schweiz-Chef. Der Schweizer Milchmarkt sei abgeschottet und fest im Griff der bäuerlich beherrschten Milchproduzenten, ist Kröll der Meinung.

Geschäftszahlen von den einzelnen Ländern gibt Lidl nicht bekannt. Doch die Strategie des Discounters in der Schweiz geht offenbar auf. Das Geschäft ist profitabel und die Umsätze steigen. «Wir schreiben mehr als ein schwarze Null», sagt Kröll. Der 47-Jährige ist seit Oktober 2014 CEO von Lidl Schweiz. Zuvor war der Deutsche sechs Jahre Chef von Lidl Griechenland.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE