22.12.2017 16:35
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Ernährung
Lieber Truthahn statt Gans
Einen würzig duftenden, gefüllten Truthahn - gebettet auf Kartoffeln, Rosenkohl und Rüebli - das mögen nicht nur Amerikaner zu Weihnachten. Auch Schweizer freuen sich über das traditionell amerikanische Menu am Weihnachtsabend. Gar keine Begeisterung bringen sie jedoch für die deutsche Weihnachtsgans auf.

«Dem Schweizer einen Truthahn zu verkaufen ist nicht schwer, ihm die Weihnachtsgans schmackhaft zu machen jedoch sehr.» Ungefähr so kann man sich die Vorlieben der Schweizerinnen und Schweizer für Geflügel als Festtagsmenu zu Weihnachten vorstellen.

Gans ist nicht populär

Erfahrung damit haben die Brüder Gregory, Pascal und Robin Geisser von der Geflügel Gourmet AG im sankt gallischen Mörschwil. Sie sind in der dritten Generation auf die Produktion von Edelgeflügel spezialisiert - und ihr Geschäft läuft in der Vorweihnachtszeit auf Hochtouren. «Schweizerinnen und Schweizer kaufen gerne einen ganzen Truthahn für ihr Weihnachtsmenu», sagt Robin Geisser auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Rund 2000 Stück verkauft das Unternehmen im November und Dezember jeweils.

Während also viele Schweizerinnen und Schweizer auf den Geschmack eines Truthahns gekommen sind, finden sie am traditionell deutschen Weihnachtsessen überhaupt keinen Gefallen: «Einem Schweizer müssen sie keine Weihnachtsgans zu verkaufen versuchen», sagt Robin Geisser und lacht. «Da haben sie keine Chance.»

Die Truthähne vom Bühlhof

Die meisten Gänse, die in der Schweiz verkauft werden, gehen gemäss Geisser wahrscheinlich an Konsumenten, die in Deutschland aufgewachsen sind. Auch die Truthahn-Käufe sind kulturell geprägt. «Wir dürfen nicht vergessen, dass in der Schweiz auch viele Amerikaner und Kanadier leben», sagt Robin Geisser. Sie holen sich mit dem Truthahn die Tradition aus ihrer Heimat in die Schweizer Weihnachtsstube.

Auf dem Hof von Christian Muheim im luzernischen Greppen werden Truthähne aufgezogen. Früher züchtete die Familie auf ihrem Hof Schweine zur Selbstversorgung. Weil das Fleisch von Truten gesünder sei, hätten sie den Betrieb umgestellt, ist der Homepage zu entnehmen. «Zunächst haben wir das Trutenfleisch in verarbeiteter Form auf dem Hof verkauft», sagt Christian Muheim zur sda.

In 4 Jahren verdoppelt

«Vor rund 15 Jahren hat zum ersten Mal ein Kunde gefragt, ob er einen ganzen Truthahn haben könnte», erzählt Muheim. Seither sei die Anfrage gestiegen. Im vergangenen Jahr hätten sie rund 140 Truthähne verkauft, «doppelt so viele wie noch vor vier Jahren». Die Nachfrage sei zur Weihnachtszeit immer am grössten gewesen. Er nimmt dabei auch einen emotionalen Aspekt wahr.

«Die Käufer wollen bei uns sehen, wie der Truthahn gelebt hat», sagt er. «Es geht nicht einfach ums Essen, es soll etwas Besonderes sein.» Bei ihm hat etwa die Hälfte der Kunden einen Bezug zu Nordamerika, die andere Hälfte sind Schweizerinnen und Schweizer. Muheim stellt ausserdem fest, dass zunehmend bereits im November, wenn die Amerikaner Thanksgiving feiern, hierzulande die Nachfrage nach ganzen Truthähnen steigt.

Nichts schlägt Fondue Chinoise

In der Schweiz kommt also in einigen Stuben auch ein Truthahn - gefüllt beispielsweise mit einer Mischung aus Äpfeln, Rüebli, Speck, Kräutern und Gewürzen, und begleitet mit Kartoffelstock oder Teigwaren - auf den Tisch. Doch nichts schlägt das Fondue Chinoise oder Fondue Bourguignonne. Das sagen auch die Grossverteiler Coop und Migros. Zwar registrieren auch sie eine Nachfrage nach Truthähnen zu Thanksgiving und zur Weihnachtszeit. Die Nachfrage vor dem Weihnachtsfest sei bei ihnen allerdings seit einiger Zeit stabil, teilten beide Grossverteiler auf Anfrage der sda mit.

Coop bietet während der Weihnachtszeit ganze Truthähne aus der Schweiz und aus Frankreich an. Diese Tiere haben Weidehaltung. Während des Jahres stammt das Truthahnfleisch aus dem angrenzenden Ausland, wo die Tiere nach den Richtlinien für eine besonders tierfreundliche Stallhaltung gehalten würden.

Tradition ist Trumpf

Bei Migros stammen 20 Prozent der frischen Truthähne aus der Schweiz. Die anderen 80 Prozent werden aus Frankreich und Ungarn bezogen. Diese würden nach den Richtlinien der Schweizer Tierschutz-Vorgaben produziert.

Doch wie die Grossverteiler und die Geflügelproduzenten einhellig sagten: Schweizerinnen und Schweizer kochen am Weihnachtsfest ihr Fleisch nach wie vor am liebsten direkt an der Gabel im Topf auf dem Esstisch. Auch Filet im Teig ist nach wie vor beliebt. Tradition ist also trotz Amerikanisierung und Globalisierung an Weihnachten Trumpf.

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