17.05.2014 08:38
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Rindviehproduzenten
Markterlöse werden wichtiger
Der Bankvieh- und der Kälbermarkt waren Thema an der DV der Rindviehproduzenten. Die Schweizer Produktion dürfe nicht durch Importe verdrängt werden. Gegen Budgetkürzungen will der Verband ankämpfen

Die Schweizer Rindviehproduzenten (SRP) haben sich im vergangenen Jahr vor allem mit der AP 14—17 befasst. «Die Rindviehproduzenten gehören zu den Verlierern der neuen AP», zeigte sich SRP-Präsident Bernard Nicod  an der Delegiertenversammlung in Bern enttäuscht. Man müsse der Gesellschaft und der Politik noch stärker bewusst machen, dass die Rindviehproduktion einen wichtigen Beitrag zur Ernährung der Menschen leiste. 

«Die Rindviehproduktion generiert in der Landwirtschaft 3 Mrd. Franken jährlich», sagte Martin Rufer, Geschäftsführer der SRP. Mit den tieferen Direktzahlungen würden die Erlöse auf den Märkten noch wichtiger. Die SRP müssten sich daher in Marktfragen künftig noch stärker engagieren.

Gegen Sparübung

Zuoberst auf der Liste der Tätigkeiten in diesem Jahr steht laut Rufer der Kampf gegen Budgetkürzungen: «Die Inlandleistung beim Fleischimport führt für den Bund zu Mindereinnahmen von etwa 34 Mio. Fr.» Diese  wolle der Bund bei der Kalbfleischeinlagerung (3 Mio. Fr.) und bei den Versorgungssicherheitsbeiträgen kompensieren. «Durch die Versteigerungen flossen bisher jährlich 210 bis 215 Mio. Fr. an den Bund. Dieser setzte das Geld unter anderem für Marktentlastungsmassnahmen ein», erklärte Rufer.

Ursprünglich habe der Bund jedoch nur 150 Mio. Fr. jährlich an Versteigerungserlösen budgetiert. Auch mit den 34 Mio. Fr. Mindereinnahmen seien die Erlöse immer noch höher als budgetiert. «Die SRP setzen sich daher vehement gegen diese Sparübung zur Wehr», kündigte der Geschäftsführer an.

Kampf dem Würzfleisch

Ein weiterer Punkt im Tätigkeitsprogramm sind die Importe von Würzfleisch. Rund 1700 Tonnen Rind- und Kalbfleisch würden so jährlich zu einem reduzierten Zollansatz importiert, sagte Rufer. Dieses Schlupfloch gelte es zu stopfen. Der Schweizer Tierschutz unterstütze dieses Anliegen wegen der Importe von hellem Kalbfleisch aus Italien und Holland.

Eine Ergänzung zum Tätigkeitsprogramm forderte Swiss-Beef-Präsident Urs Meier: «Der Bankviehpreis ist seit letztem Oktober unter Druck. Gründe dafür sind einerseits die gestiegene Produktion und die Überhänge im Labelbereich.» Der Hauptgrund seien aber die hohen Importe an Kühen in Hälften, deren Edelstücke die Schweizer Produktion konkurrenzierten. Die Schweizer Produktion dürfe nicht durch Importe verdrängt werden, die SRP sollten sich dafür engagieren.

Ungesunde Situation

Auf das Thema Rind- und Kalbfleisch ging auch Heinrich Bucher, Direktor der Proviande, in seinem Referat ein. «Von 2009 bis 2013 ist der Preis für Bankvieh tendenziell gestiegen», zeigte er auf. «Seit Januar aber liegt der Munipreis deutlich unter dem Niveau der Vorjahre.» Gleichzeitig zeige die Preiskurve für Schlachtkühe nach oben. Diese Situation sei ungesund. Eine Patentlösung konnte er aber nicht liefern. Um die Labelproblematik zu entschärfen, wäre es für ihn eine Option, den Labelpreis vom QM-Preis zu entkoppeln.

Sorgen bereitet Bucher auch der Kalbfleischmarkt. Der Konsum sinke seit Jahren, und mit der Aufhebung der Kälbermärkte und der Einlagerung würden wichtige Elemente wegfallen. Ändere sich nichts, sei damit zu rechnen, dass vermehrt Kälbermäster aus der Produktion aussteigen würden. Dies hätte wiederum negative Folgen auf den Tränkerabsatz.

Kern folgt auf Nüesch

An der Versammlung gab es Ersatzwahlen in den Vorstand. Hanspeter Kern folgt auf Kurt Nüesch als Vertreter der Schweizer Milchproduzenten. Nüesch war seit der Gründung der SRP vor zehn Jahren dabei und trat nun zurück. Sepp Burri von Mutterkuh Schweiz wurde als Ersatz für  Claude Bähler gewählt.

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