30.05.2017 11:31
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Fleischmarkt
McDonald’s: Erneut Ösi-Rindfleisch
Die Schnellimbiss-Kette will während 10 Wochen rund 260 Tonnen Rindfleisch aus Österreich für ihre Burger verwenden. McDonald’s begründet die Massnahme mit einem Engpass an Schweizer Rindfleisch. Bereits im vergangenen Jahr hat das Unternehmen österreichisches Rindfleisch verwendet.

Schweizer Rindfleisch ist Mangelware – dies geht jedenfalls aus einer Medienmittelung von McDonald’s hervor. Das Angebot an Schlachttieren hat sich gemäss dem Schweizer Ableger des US-Fast Food-Unternehmen im Vergleich zum Sommer 2016 um 10 Prozent reduziert. Das einheimische Angebot reicht gemäss McDonald’s für die Selbstversorgung nicht aus. Deshalb werde importiert. Nach 2008 und 2016 greift die Fast-Food-Kette also erneut zu Importen.

260 Tonnen

Der Rückgang an enheimischen Rindfleisch sei auf eine sinkende Anzahl Bauernbetriebe und eine effizientere Milchproduktion (mehr Milch pro Tier) zurückzuführen, hält das Unternehmen fest. «Aufgrund der aktuellen Marktsituation ergänzen wir ab Mitte Juni via Bell für einen begrenzten Zeitraum von rund 10 Wochen unseren Bedarf mit rund 30 Prozent Rindfleisch aus Österreich. Dies entspricht 6 Prozent des Jahresvolumens an Rindfleisch, die anderen 94 Prozent beziehen wir weiter aus dem Inland», lässt sich Rainer Rufer, Head of Department Supply Chain von McDonald’s Schweiz, im Communiqué zitieren.

Im vergangenen Jahr hat die Kette 4'445 Tonnen Rindfleisch eingekauft. 6 Prozent entsprechen damit einem Importvolumen von rund 260 Tonnen. Verarbeitet werden die Rinderhälften bei der Coop-Tochter Bell in Oensingen (SO). Die Plätzchen werden für Hamburger, Cheeseburger und Big Mac verwendet. «Die Herkunft wie bisher transparent deklariert», garantiert McDonald’s.

2016 wurde Preis als Grund genannt

Bereits im Sommer 2016 griff McDonald’s Schweiz zu Importen. Damals wurde während 8 Wochen Rindfleisch aus Österreich eingeführt. In dieser Zeit wurde mit den Einfuhren 20 Prozent des benötigten Fleisches abgedeckt. Dies entsprach 3 Prozent des Jahresvolumens an Rindfleisch.

Im Gegensatz zu diesem Jahr wurden die Importe mit den hohen Preisen begründet. «Mit Besorgnis verfolgen wir seit mehreren Jahren, dass es schwierig ist, genügend Schweizer Kuhfleisch zu einem konkurrenzfähigen Preis einzukaufen,» liess sich Rainer Rufer im Juli 2016 in einer Mitteilung zitieren. Im Vergleich zu Juli 2008 sei der Marktpreis für Schweizer Kuhfleisch um 28 Prozent höher, hiess es weiter.

Boykott-Aufruf im August 2016

Nach der Ankündigung der Importe wurden die Preise für Schlachtkühe gesenkt. Insgesamt tauchten die Preise innerhalb weniger Wochen um 1.10 Fr pro Kilo Schlachtgewicht. Und zudem wurden von der Branchenorganisation Proviande weitere Importe freigegeben. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Verschiedene Akteure aus landwirtschaftlichen Kreisen riefen zu einem Boykott auf.

Der Aufruf lautete wie folgt: «Schlachtkühe die nächsten vier Wochen zurückhalten, ausser denen, die wirklich wegmüssen. Verspielen können wir nicht viel. Es hat knapp Kühe. Futter ist genug da, zeitlich ideal, ist noch nicht November.» Der Boykott zeigte Wirkung, es wurden in der Folge weniger Schlachtkühe geliefert.

Tierschutzstandards nicht dieselben

Die Importe würden aus Tierschutzgründen aus Österreich erfolgen, hiess es in der Mitteilung von McDonalds im Juli 2016 wie auch in diesem Jahr. «Da die Tierschutzstandards in Österreich im Grundsatz identisch sind mit dem Schweizer Gesetz, haben wir uns bewusst für diese temporäre Alternative entscheiden», so Rufer. Eine Recherche des «Schweizer Bauer» hat aber ergeben, dass dem nicht so ist.

Während im Schweizer Tierschutzrecht Auslauf von angebunden gehaltenen Rindern zwingend vorgeschrieben ist, müssen angebunden gehaltene Tiere in Österreich nicht zwingend Auslauf erhalten. Zwar ist auch im österreichischen Gesetz im Prinzip eine Auslaufpflicht vorgesehen. «In einzelnen Punkten kann es Ausnahmen geben», räumte Rufer ein.

70 Prozent RAUS

2016 hat McDonald’s Schweiz 4’445 Tonnen Rindfleisch eingekauft, wobei mehr als 70 Prozent von Kühen stammten, die nach dem RAUS-Standard mit regelmässigem Auslauf ins Freie gehalten wurden. Dies entspricht einer Zunahme von gut 10 Prozent im Vergleich zu 2015. Der Bund verlangt in der RAUS-Verordnung von den Bauern, dass die Tiere im Sommer mindestens an 26 Tagen pro Monat und im Winter an 13 Tagen Weidegang oder Laufhof haben. Zusätzlich zum regulären Marktpreis bezahlt McDonald’s den Schweizer Bauern für den RAUS-Standard eine Prämie pro Tier.

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