23.05.2018 11:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Fleischmarkt
McDonald’s: Wieder Ösi-Fleisch
Wie im 2016 und 2017 importiert der Schweizer Ableger des US-Fast-Food-Konzerns während mehreren Wochen Rindfleisch aus Österreich. Aufgrund des Strukturwandels komme es zu einem Engpass an Schweizer Rindfleisch, teilt McDonald’s mit. Insgesamt werden rund 445 Tonnen importiert.

Schweizer Kuhfleisch ist knapp und entsprechend ist das Preisniveau für Schlachtkühe hoch. Der Proviande-Preis für Kühe ist vergangenen Freitag um 10 Rp. auf 8.20 Fr./kg (T2/T3) Schlachtgewicht angestiegen. Gemäss Umfrage des «Schweizer Bauer» entspricht dieser Preisaufschlag dem Markt. Kühe sind sehr gesucht, und einige Verarbeiter würden gerne mehr Tiere verarbeiten.  

Importe nehmen von Jahr zu Jahr zu


McDonalds führt für die Rindfleischimporte aber den Strukturwandel als Grund an. «Im vergangenen Jahr haben 643 Betriebe aufgegeben. Der Milchkuhbestand ist in der Folge erneut gesunken», schreibt das Unternehmen. Aufgrund der abnehmenden Anzahl Milchviehbetriebe komme es zu einem Engpass an Schweizer Rindfleisch, so das Unternehmen «Die Importe entsprechen 10 Prozent des Jahresvolumens an Rindfleisch, die anderen 90 Prozent beziehen wir weiterhin aus dem Inland», erklärt Rainer Rufer, Head of Department Supply Chain von McDonald’s Schweiz.

Das Rindfleisch aus Österreich wird für Hamburger, Cheeseburger und Big Mac verwendet. «Die Herkunft wie bisher transparent deklariert», verspricht McDonald’s. Bei «normaler Marktsituation» setze McDonald’s seit Jahren auf Schweizer Rindfleisch aus Haltung mit regelmässigem Auslauf ins Freie. 

Import werden die Kuhhälften von Coop-Tochter Bell. Verarbeitet wird das Fleisch im Schlachthof Oensingen SO. «Da die Tierschutzstandards in Österreich höher als in der EU und ähnlich wie das Schweizer Gesetz sind, haben wir uns wieder bewusst für diese temporäre Alternative entscheiden», lässt sich Rufer im Communiqué zitieren. Im vergangenen Jahr bezog McDonald’s 4445 Tonnen Rindfleisch. Die 10 Prozent Importe von diesem Sommer dürften damit einem Volumen von rund 445 Tonnen entsprechen. 2017 waren es noch rund 260 Tonnen. Ein Jahr zuvor lediglich 138 Tonnen.

2017: Während 10 Wochen Importe

Bereits 2017, 2016 und 2008 importierte McDonald’s Kuhhälften aus Österreich. Der Rückgang an einheimischen Rindfleisch sei auf eine sinkende Anzahl Bauernbetriebe und eine effizientere Milchproduktion (mehr Milch pro Tier) zurückzuführen, teilte das Unternehmen im Mai 2017 mit. Deshalb werde importiert. 

Im Sommer 2017 hat McDonald’s während 10 Wochen teilweise Burger aus österreichischem Fleisch serviert. Das Volumen fiel entsprechend tiefer aus als in diesem Jahr. «Die Importe entsprechen 6 Prozent des Jahresvolumens an Rindfleisch, die anderen 94 Prozent beziehen wir weiter aus dem Inland», sagte der Konzern vor einem Jahr. 

2016 wurde Preis als Grund genannt

Bereits im Sommer 2016 griff McDonald’s Schweiz zu Importen. Damals wurde während 8 Wochen Rindfleisch aus Österreich eingeführt. In dieser Zeit wurde mit den Einfuhren 20 Prozent des benötigten Fleisches abgedeckt. Dies entsprach 3 Prozent des Jahresvolumens (4600 Tonnen) an Rindfleisch.

Im Gegensatz zu 2017 und 2018 wurden die Importe mit den hohen Preisen begründet. «Mit Besorgnis verfolgen wir seit mehreren Jahren, dass es schwierig ist, genügend Schweizer Kuhfleisch zu einem konkurrenzfähigen Preis einzukaufen,» liess sich Rainer Rufer im Juli 2016 in einer Mitteilung zitieren. Im Vergleich zu Juli 2008 sei der Marktpreis für Schweizer Kuhfleisch um 28 Prozent höher, hiess es weiter.

Tierschutzstandards nicht dieselben

Die Importe würden aus Tierschutzgründen aus Österreich erfolgen, hiess es in der Mitteilung von McDonalds im Juli 2016. «Da die Tierschutzstandards in Österreich im Grundsatz identisch sind mit dem Schweizer Gesetz, haben wir uns bewusst für diese temporäre Alternative entscheiden», so Rufer. Eine Recherche des «Schweizer Bauer» hat aber ergeben, dass dem nicht so ist.

Während im Schweizer Tierschutzrecht Auslauf von angebunden gehaltenen Rindern zwingend vorgeschrieben ist, müssen angebunden gehaltene Tiere in Österreich nicht zwingend Auslauf erhalten. Zwar ist auch im österreichischen Gesetz im Prinzip eine Auslaufpflicht vorgesehen. «In einzelnen Punkten kann es Ausnahmen geben», räumte Rufer ein. In diesem Jahr schreibt McDonald's nun, dass die Tierschutzstandards in Österreich höher als in der EU und ähnlich wie das Schweizer Gesetz sind.

70 Prozent Fleisch von RAUS-Kühen

2017 hat McDonald’s Schweiz 4’450 Tonnen Rindfleisch eingekauft, wobei mehr als 70 Prozent von Kühen stammten, die nach dem RAUS-Standard mit regelmässigem Auslauf ins Freie gehalten wurden. Zusätzlich zum regulären Marktpreis bezahlt McDonald’s den Bauern für den RAUS-Standard eine Prämie pro Tier. «Wir sind stolz, dass 8’000 Schweizer Bauern jedes Jahr Rindfleisch für unseren Big Mac liefern», sagt Rainer Rufer.

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