10.05.2019 14:10
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Fleischmarkt
McDonald’s:Fleischimporte nehmen zu
Wie in den vergangenen drei Jahren importiert der Schweizer Ableger des US-Fast-Food-Konzerns während mehreren Wochen Rindfleisch aus Österreich. Die Mengen nehmen von Jahr zu Jahr zu. 2019 dürften rund 600 Tonnen importiert werden.

Alle Jahre wieder: Der Schweizer Ableger des US-Fast-Food-Konzerns wird auch in diesem Jahr Rindfleisch für seine Hamburger importieren. McDonald’s führt die Einfuhren auf den Strukturwandel in der Schweizer Landwirtschaft, Wetterkapriolen sowie auf ein Absatzwachstum bei den Hamburgern zurück.

Fleischpreise höher als im Vorjahr

Der trockene Sommer 2018 werde sich auch in diesem Jahr noch auswirken, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung am Freitag. Die Kuh-Schlachtungen und damit die Fleischmengen lagen in den vergangenen Monaten gemäss Statistik des Schweizer Bauernverbandes (SBV) deutlich über den Vorjahreswerten. «Bei den Kühen lagen die Schlachtgewichte in den ersten drei Monaten 2019 jeweils konstant höher als 2018», teilte der SBV Mitte April mit.

McDonalds geht davon aus, dass die Schlachtungen in den kommenden Wochen aber deutlich sinken werden. «Dies wird zu einem Engpass an Schweizer Rindfleisch führen», hält das Unternehmen fest. Mit der Verknappung haben die Preise bereits angezogen. Der Proviande-Richtpreis für Kühe liegt diese Woche bei 8.50 Fr./kg (T2/T3) Schlachtgewicht, das sind 20 Rappen mehr als im Vorjahr.

Preis ein Kriterium für Importe

An der Marktlage mit kleinen Angeboten und guter Nachfrage ändert sich nichts und wird sich mit aller Wahrscheinlichkeit noch zwei Monate lang nichts ändern, bestätigen Marktexperten gegenüber «Schweizer Bauer» die Einschätzung von McDonald’s. Der Preis dürfte also für McDonalds ebenfalls ein Kriterium sein, obwohl es das Unternehmen nicht mehr offen äussert.

Produziert werden die Hamburger von Coop-Tochter Bell in Oensingen SO die Hamburger. Bell übernimmt für die Fast-Food-Kette auch den Import des Fleischs. Gegenüber «Schweizer Bauer» sagte Bell-Chef Lorenz Wyss Mitte Februar, dass grosse Kunden auf «vernünftige» Rindfleischpreise angewiesen sind. «Sonst fehlen ihnen die Gäste in den Restaurants oder Kunden in den Läden», sagte Wyss damals.


Fehlende Verfügbarkeit

Der Preis ist also ein Grund für Importe. Ein weiterer Grund dürfte auch die Verfügbarkeit sein. McDonalds rechnet mit einer Zunahme der Verkäufe. «Das Wachstum und die Lancierung der zwei neuen Gourmetburger der Signature Line bei McDonald’s Schweiz einen bewirken einen Mehrbedarf an Fleisch», hält das Unternehmen fest.

Das Schweizer Rindfleisch für die Selbstversorgung im Inland reiche nicht. «Entsprechend wird zurzeit generell Rindfleisch zur Marktabdeckung importiert», schreibt McDonald’s weiter. Vom 13. Mai bis 9. Juni werden 1200 t Kühe in Hälften und 300 t Verarbeitungsfleisch wurde vom Proviande-Verwaltungsrat zum Import beantragt.

Soll deklariert werden

Mit den Einfuhren aus Österreich will McDonalds im Mai beginnen. Sie sollen rund 18 Wochen andauern. Rund 12 Prozent des Gesamtbedarfs von über 4900 Tonnen an Rindfleisch wird importiert. «Da die Tierschutzstandards in Österreich höher als in der EU und ähnlich wie im Schweizer Gesetz sind, haben wir uns bewusst wieder für diese temporäre Alternative entschieden», erklärt Rainer Rufer, Einkaufsverantwortlicher McDonald’s Schweiz.

Das Rindfleisch wird für Hamburger, Cheeseburger und Big Mac verwendet. Die Herkunft soll wie bisher transparent deklariert werden, verspricht das Unternehmen.

Menge und Zeitdauer nehmen laufend zu

In den vergangenen Jahren haben die Einfuhren stetig zugenommen. Die 12 Prozent Importe von diesem Sommer dürften einem Volumen von rund 600 Tonnen entsprechen. 2018 wurden rund 445 Tonnen eingeführt, 2017 waren es lediglich 260 Tonnen. Ein Jahr zuvor sogar nur 138 Tonnen. Die Einfuhren haben sich also seit 2016 verviefacht.

Verlängert hat sich auch die Importperiode. Beträgt diese in diesem Jahr bereits 18 Wochen, waren es im Vorjahr erst 15 Wochen. 2017 wurde nur während 10 Wochen importiert, 2016 gar nur während 6 Wochen.

80 Prozent aus der Schweiz

Seit 2017 werden die Einfuhren mit der nicht vorhandenen Verfügbarkeit von Schweizer Rindfleisch während der Sommermonate begründet. 2016 tönte dies noch anders. «Mit Besorgnis verfolgen wir seit mehreren Jahren, dass es schwierig ist, genügend Schweizer Kuhfleisch zu einem konkurrenzfähigen Preis einzukaufen,» liess sich Rainer Rufer im Juli 2016 in einer Mitteilung zitieren. Im Vergleich zu Juli 2008 sei der Marktpreis für Schweizer Kuhfleisch um 28 Prozent höher, hiess es weiter.

Dem Schweizer Ableger des US-Fast-Food-Konzerns darf man aber zugutehalten, auf Schweizer Rohstoffe zu setzen. 2018 hat das Unternehmen Lebensmittel im Wert von 142 Millionen Franken bezogen, davon entfielen 80 Prozent auf Schweizer Lieferanten. Der Rindfleisch-Einkaufsvolumen erhöhte 2018 im Vergleich zum Vorjahr sich um 8.8 Prozent auf 4'840 Tonnen. Die Kartoffelmenge stieg um 3,4 Prozent auf 17'930 Tonnen. Und der Salateinkauf wuchs um 13,7 Prozent auf 2’300 Tonnen. Der Getreideeinkauf erhöhte sich um 1,9 Prozent auf 3’890 Tonnen.

Rindfleisch von Tieren mit Auslauf

2018 hat McDonald’s 4’840 Tonnen Rindfleisch eingekauft, wovon 90 Prozent aus der Schweiz stammten und rund zwei Drittel davon von Kühen kamen, die nach dem RAUS-Standard mit regelmässigem Auslauf ins Freie gehalten wurden. Zusätzlich zum regulären Marktpreis erhalten die Bauern für den RAUS-Standard, der sich deutlich von den Anforderungen der Schweizerischen Tierschutzgesetzgebung abhebt, eine Prämie pro Tier.

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