9.12.2017 09:40
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Digitalisierung
Micarna-App ersetzt Viehhändler
Die kostenlose App «Micarna E-Direct» macht den Landwirt zum Direktlieferanten der Micarna. Auch Transport und Begleitdokument werden darüber abgewickelt. Dies macht den Handel überflüssig.

Die Digitalisierung kann den bäuerlichen Alltag erleichtern. Verschiedene Apps fürs Smartphone bieten praktische Funktionen, durch die sich das Tagesgeschäft vereinfachen lassen und man Flexibilität gewinnt. Ein einfaches Beispiel ist, dass man während des Güllens mit Verschlauchung beispielsweise abgehende Kälber der TVD meldet.

Einige Applikationen haben gar das Potenzial, Ressourceneffizienz oder Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaft zu erhöhen, und einzelne bergen schon fast revolutionäre Funktionen. 

Man wird unabhängiger

Ein Beispiel wird im kommenden Jahr lanciert. Eine App der Micarna könnte nicht weniger als den ganzen Viehhandel auf den Kopf stellen. Im ersten Quartal 2018 kommt die Produzenten-App «Micarna E-Direct» auf den Markt. Sie wird den Schlachtviehlieferanten den direkten Kontakt zum Verarbeitungsbetrieb ermöglichen. Dies im Gegensatz zu heute, wo ein Landwirt ein Tier über den Händler zur Schlachtung anmeldet. Er ist damit zeitlich und finanziell von einer Zwischenstation abhängig. 

Ab 2018 solle das anders werden, schreibt die Micarna in einer Medienmitteilung. Durch «Micarna E-Direct» würden alle Schweine- und Rindviehproduzenten zu Direktlieferanten. «Damit profitieren sie nicht nur von einem Erstlieferantenrecht und einer Abnahmegarantie, sondern erhalten neu auch den Preis direkt franko Schlachtbetrieb», heisst es in der Mitteilung weiter. 

Abgang wird erfasst

Laut Micarna werde der Landwirt mit nur wenigen Klicks seine Tiere bei der Micarna zur Schlachtung anmelden und selbst entscheiden, ob er den Transport zum Schlachthof organisieren möchte oder ob dieser durch die Micarna erfolgen soll. «Alle wichtigen Informationen – wie die genau Anlieferzeit oder eine Erinnerung am Vortag der Abholung – erhält der Produzent direkt auf sein Mobiltelefon», schreibt die Micarna weiter.

Zudem werde das notwendige Begleitdokument automatisch generiert, und die Abgangsmeldung werde direkt in der Tierverkehrsdatenbank nachgetragen. Der Landwirt habe jederzeit eine Übersicht über seine Schlachtdaten und könne die Tiergesundheit und den Bestand einfach von zu Hause aus abrufen. «Micarna E-Direct», die neue Produzenten-App für Schweine- und Rindviehproduzenten der Micarna, wird im Laufe des ersten Quartals 2018 auf den App-Stores von Apple und Google Play zum Gratis-Downloaden zur Verfügung gestellt. 

Die Micarna

Die Unternehmen des Segments Fleisch, Geflügel, Fisch und Ei der M-Industrie produzieren Fleisch-, Geflügel- und Fischprodukte. Im Jahr 1958 im freiburgischen Courtepin als Fleischverarbeitungsbetrieb der Migros durch Gottlieb Duttweiler gegründet, umfasst das Segment heute die in der Schweiz ansässigen Unternehmen Micarna, Favorit Geflügel, Gabriel Fleury, Lüchinger+Schmid, Mérat & Cie., Optisol, Rudolf Schär und Tipesca.

Weiter gehören die in Deutschland angesiedelten Unternehmen KM Seafood und Stauss Geflügel zu Micarna. Dank moderner Produktionsanlagen und hohen Standards in Sachen Hygiene sowie Produkt- und Arbeitssicherheit erzielen die Unternehmen der Micarna beste Qualität.

Die Unternehmen setzen sich nach eigenen Angaben konsequent für eine artgerechte Haltung und einen stressarmen Transport der Tiere ein und stellen ebenfalls sicher, dass die Herkunft jedes einzelnen Produkts lückenlos rückverfolgbar ist. Die Micarna realisierte im Jahr 2016 mit ihren knapp 3'000 Mitarbeitenden einen Umsatz von 1,5 Milliarden Franken. mgt 

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