9.07.2020 14:53
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/awp
Detailhandel
Migros-Chef verlangt Preissenkung
Während des «Shutdown» mussten Einkaufstouristen ihr Geld bei den Schweizer Detaillisten ausgeben. Seit Juni kann wieder auf der anderen Seite der Grenzen eingekauft werden. Die Grenzöffnung hat die Migros unmittelbar gespürt. Und die Detailhändlerin verlangt von den Lieferanten, die Preise zu senken.

«Wir haben den Einkaufstourismus ab Tag eins der Grenzöffnung wieder gespürt», sagt Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen am Donnerstag im Interview mit der «NZZ». Der Einbruch lag laut Zumbrunnen im zweistelligen Prozentbereich. Heute lägen die Verkäufe der Migros wieder ungefähr auf dem Niveau von vor den Grenzschliessungen.

Konkurrenten im Ausland machen Preisdruck

Weniger stark sei der Effekt jedoch an der Südgrenze zu spüren gewesen. «Es scheint, dass die Tessiner noch keine grosse Lust haben, in Italien einzukaufen», erklärte der Migros-Chef. Wo sich der Einkaufstourismus einpendeln wird, sei noch nicht ganz klar. «Unsere Konkurrenten im nahen Ausland waren in den letzten Wochen preislich besonders aggressiv, da sie unter dem Ausbleiben der Schweizer Kunden sehr stark gelitten hatten», so Zumbrunnen weiter.

Insgesamt werde die Migros in diesem Jahr im Detailhandel, dank einem guten Geschäft im Lebensmittel- und Online-Handel, umsatzmässig zulegen. Auch operativ erwartet Zumbrunnen ein besseres Ergebnis. «Wir werden wahrscheinlich ein solides Jahresergebnis liefern», sagte der Migros-Chef.

Über Qualität profilieren

Zumbrunnen machte im Interview deutlich, dass der Preis eine wichtige Rolle einnimmt: «Das passiert in jeder Rezession. Die Leute sparen beim täglichen Einkauf.» Doch die Migros habe auch interessante Beobachtungen gemacht. Nicht nur die Billig-Linie M-Budget funktioniert, sondern auch Bio- und regionale Produkte. «Die Qualität spielt bei Konsumenten eine grosse Rolle, und wir sehen da eine gute Möglichkeit, uns zu profilieren», hält der Neuenburger fest.

Lieferanten müssen Preise senken

Doch die Migros will beim Preis weiter aufs Gas drücken. So wurde unlängst bekannt, dass die Migros bei 1500 Artikeln die Preise senken will. Und hier sind auch die Lieferanten, also auch die Bauern, betroffen. Denn die Hersteller könnten den Preisdruck an die Landwirte weitergeben. 75 Prozent der Einsparungen will die Detailhändlern selber tätigen, insbesondere bei der M-Industrie. «Aber es kann nicht sein, dass wir diesen Effort allein machen. Deshalb führen wir Verhandlungen mit den grossen Markenherstellern, wie dies übrigens alle Detailhändler seit Jahrzehnten tun», fährt Zumbrunnen fort.

Erstaunt gibt er sich über das Vorgehen des Verband für Marktenarikel, Promarca. «Ich bin sicher, dass unsere Position gut begründet ist und die Wettbewerbskommission (Weko) dies auch so sehen wird», gibt er sich selbstsicher. Der Verband gelangte Anfang Juni an die Weko. Dabei gehe es um mutmassliche Verstösse gegen das Kartellgesetz wegen des Missbrauchs von Nachfragemacht, sagte Promarca-Geschäftsführerin Anastasia Li-Treyer zur «SonntagsZeitung».

Wer nicht spurt, droht Rauswurf

Die Migros setze Hersteller mit Drohbriefen unter Druck. In Preisverhandlungen verlange die Migros derzeit auf Kosten von Lieferanten eine Preisreduktionen von 10 Prozent. Harte Preisverhandlungen habe es immer gegeben, sagte Li-Treyer. Doch der Umgangston sei nun aber sehr ruppig geworden. 

Wer nicht spurt, dem droht der Rauswurf. Einige Lieferanten sprechen von «amerikanischen Methoden», welche die genossenschaftlich organisierte Migros anwende, so Promarca. Hintergrund des Preisdruckes: Die Migros will sich wieder mehr über den Preis profilieren. In den vergangenen Jahren hat der Riese aus Zürich bei den Konsumenten in der Preiswahrnehmung eingebüsst. Auf die Frage, bei welchem Händler die günstigsten Produkte zu finden sind, nannten in einer Studie der Marktforscher von Nielsen im Jahr 2008 noch 43 Prozent die Migros. 2016 hat Aldi die Migros hier überholt. Und auch Lidl macht Druck. 

Saviva soll verkauft werden

Die Reorganisation mit den Verkäufen von Globus, Interio und Depot habe das Ergebnis 2019 aber belastet. Die Margen würden nun aber wieder steigen und das Ziel einer EBIT-Marge von 3 bis 5 Prozent sei in diesem Jahr wieder erreichbar. Weiterhin sei der Verkauf des Shoppingcenter Glatt und der Grosshandelsfirma Saviva geplant. Damit werde die Portfoliobereinigung aber praktisch abgeschlossen. Die Erlöse aus den Devestitionen sollen in den Online-Handel, technologische Verbesserungen und Investitionen in den Gesundheitsbereich und in die Läden fliessen.

Die verschiedenen Technologiesysteme sollen von der Produktion bis zur Distribution zusammengeführt werden. «Damit wollen wir die Wertschöpfungskette optimieren», so Zumbrunnen weiter. Im E-Commerce seien die Logistikkapazitäten bei Digitec Galaxus fast verdoppelt worden und nun sei Le Shop an der Reihe.

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