10.01.2013 08:45
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier/Markus Spuhler
Ölsaaten
Migros sticht Mitbewerber Coop aus
Die Finanzierung des Forschungsprojekts für die Förderung des Schweizer Bio-Rapsanbaus wurde durch Coop nicht vollständig gesichert. Migros garantierte dies und erhielt den Lieferzuschlag von Biofarm.

Die Biofarm-Genossenschaft, welche Anbau und Markt für Bio-Ölsaaten aufgebaut hat, wird künftig ihren Bio-Raps und ihre Bio-Sonnenblumen an Migros und nicht mehr wie bisher an Coop liefern. Wie Biofarm Ende Dezember in einem Brief an ihre Produzenten erklärt, sei Migros bereit, die Projekte zur biologischen Bekämpfung des Rapsglanzkäfers von FiBL und von Agroscope sowie die Sortenprüfung und Beratung mit Biofarm als Koordinatorin zu finanzieren. Agroscope plant, insektenpathogene Pilze im Einsatz gegen den Rapsglanzkäfer zu testen, am FiBL verfolgt man einen Ansatz mit Duftstoffen und -pflanzen.

Forschung für Bio-Raps

«Wir mussten eine Lösung zur Finanzierung dieser Projekte finden, ohne die der Bioraps-Anbau nicht vom Fleck kommt», sagt Hans-Georg Kessler, der bei Biofarm die Ölsaaten betreut. «Auch nach mehrmaligen Verhandlungen wollte sich Coop nicht mehr an dieser Forschung beteiligen. Da sich Migros schliesslich bereit erklärte, diese dringend nötigen Arbeiten zu finanzieren, werden wir folglich auch den Raps und die Sonnenblumen künftig an Migros liefern.» Die Übernahme des Raps durch Migros sei vorerst auf drei Jahre beschränkt, ergänzt Kessler.

Erstmals CH-Bio-Rapsöl

Neuer Partner von Biofarm wird wie erwähnt der zweite Riese im Schweizer Detailhandel. Wie Migros-Sprecherin Monika Weibel gegenüber dem «Schweizer Bauer» bestätigt, hätten die Verhandlungen im vergangenen Jahr ihren Anfang genommen. Über die Höhe der finanziellen Verpflichtung für das Forschungsprojekt schweigt sie sich aus. Bestätigt hat sie die Vertragsdauer von drei Jahren. Biofarm sei der Rohstofflieferant, vermarktet werden die Produkte unter «Migros Bio».

Wie gross schätzt die Migros das Marktpotenzial von Schweizer Bio-Raps- und Bio-Sonnenblumenöl ein? «Das Verkaufspotenzial ist im aktuellen Zeitpunkt schwierig einzuschätzen. Wir gehen davon aus, dass die von Biofarm angebotenen Mengen gut abverkauft werden können», erklärt Weibel. Die Migros wird damit kommenden Herbst das erste Mal Bio-Rapsöl aus Schweizer Herkunft anbieten können. Diese Menge sollte rund 25 Prozent des Gesamtvolumens an Bio-Sonnenblumenöl des Detailhändlers abdecken. Der Rest wird durch Importe ergänzt. Daneben verkauft die Migros gemäss eigenen Angaben ein TerraSuisse-Rapsöl in sehr hohen Volumina.

Werden in Zukunft noch weitere Produkte von Biofarm ins Sortiment aufgenommen? «Momentan ist dies nicht beurteilbar, respektive nicht geplant», hält Weibel fest. Das Schweizer Bioprodukte-Sortiment soll weiter ausgebaut werden. Dies sei bereits beim Bio-Brotgetreide der Fall, fährt sie fort.

Coop überrascht

Detailhändler Coop wurde durch die neue Partnerschaft auf dem falschen Fuss erwischt. «Biofarm teilte uns am 7. Dezember 2012 mit, dass sie in Zukunft die Migros mit ihren Schweizer Bio-Ölsaaten beliefern werde, da diese die Finanzierung für Forschung- und Beratungsprojekte übernehmen wird», hebt Coop-Pressesprecherin Sabine Vulic hervor. Dieser Entscheid sei nicht ganz nachvollziehbar. Man habe das Forschungsvorhaben «Förderung des Schweizer Bio-Rapsanbau» in verkleinerter Form über ein FiBL-Beschaffungsprojekt unterstützen wollen. Biofarm und FIBL hätten weiterhin als Partner auftreten sollen, wobei die Koordination beim FIBL gewesen wäre. Coop beziehe von Biofarm nur noch die vertraglich gesicherten Bio-Ölsaatenmengen von 2012.

Für den selbst ernannten Pionier in Sachen Bioprodukte ist dies ein herber (Rück-)Schlag. Der Detailhändler betont denn auch, dass es weiterhin das Ziel sei, Bio-Ölsaatenprodukte aus Schweizer Herkunft zu vermarkten. So würden im Projekt «Bio Regio» speziell kleinere Strukturen, auch Ölmühlen, unterstützt. Coop werde sich weiter dafür einsetzen, den Anteil von Schweizer Bio-Ölsaaten auszubauen.

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