29.08.2018 14:29
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Milch: Muss die Politik eingreifen?
Die Branchenorganisation Milch hat den Richtpreis für industrielle Molkereimilch im A-Segment nicht erhöht. Der Schweizer Bauernverband spricht von Marktversagen und bringt die Politik ins Spiel. Wie beurteilen Sie das? Ist das Markt oder muss die Politik intervenieren? Abstimmen und mitdiskutieren.

Vergangene Woche hat der Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) entschieden, den Richtpreis für industrielle Molkereimilch im A-Segment bei 68 Rappen je Kilo zu belassen. Verbände und Milchproduzenten fühlten sich vor den Kopf gestossen.

Bauern haben höhere Kosten und weniger Erlös

Der aktuelle Index führe zu einem unverändertem A-Richtpreis, argumentierte die BOM. Basis für die Richtpreisfestsetzung ist der Molkereimilchpreisindex des BLW, ergänzt durch eine prospektive Markteinschätzung. Und die weitere Entwicklung des Marktes schätzten Produzenten und Verarbeiter gemäss BOM «fundamental» unterschiedlich ein. Der Forderung einer Richtpreiserhöhung der Produzenten wurde in der Folge eine Absage erteilt.

Der Schweizer Bauernverband (SBV) und die Schweizer Milchproduzenten reagierten verärgert. Denn die Trockenheit setzte den Milchproduzenten arg zu. So wächst auf den Weiden und Wiesen kein Futter mehr. Um ihre Tiere zu versorgen, weichen einige Bauern bereits auf die Wintervorräte aus oder kaufen Futter zu. Die Bauern haben höhere Kosten, die Milcheinlieferungen hingegen sinken. Und somit auch die Erlöse.

Arroganz und fehlende Solidarität

«Die BOM bewies mit ihrem Entscheid einer Nullrunde beim Richtpreis Milch, dass sie weder fähig noch willens ist, brancheninterne Entscheide zu fällen», so die harsche Kritik des SBV. «Der Schweizer Bauernverband ist empört über die Arroganz und fehlende Solidarität. Die Branche hat versagt», so das Fazit. Aufgrund der höheren Produktionskosten und des bereits sehr tiefen Milchpreises wäre eine Erhöhung um 5 Rappen zwingend gewesen, macht der Verband deutlich.

Die Schweizer Milchproduzenten rechnen im August mit grossen Einbussen bei der Milchproduktion.
Zudem seien im Ausland die Preise gestiegen. «Diese Marktentwicklungen sind aus der Sicht der Milchproduzenten sehr deutlich wahrnehmbar. Diese Effekte werden sich gegen den Herbst noch verstärken», halten die SMP fest. «Die ausgebliebene Richtpreiserhöhung sei unverständlich. Die Marktsignale wurden missachtet», machen die SMP deutlich.

Marktversagen

Der Schweizer Bauernverband geht einen Schritt weiter und droht den Akteuren am Milchmarkt. «Wenn die Branche sich nicht selbst helfen will, dann muss in Zukunft die Politik wieder mitreden», teilt der SBV im Communiqué mit.

Ritter könnte sich etwa im Nationalrat dafür einsetzen, dass die Standesinitiativen für eine Milchmengensteuerung ein Ja finden. Auch bei der Bevölkerung stosse das Verhalten der Verarbeiter und des Handels auf wenig Verständnis. «Bei andauerndem Marktversagen beginnt die Bevölkerung berechtigterweise sich zu fragen, warum Verarbeitung und Handel permanent die Profite einstreichen und die Bauern die Rechnungen nicht mehr bezahlen können», betont der Bauernverband.

Wie beurteilen Sie den Entscheid? Die Produzenten sind gescheitert und müssen den Entscheid so hinnehmen? Oder muss nun gar die Politik dafür schauen, dass der Markt wieder ins Lot kommt? Abstimmen und mitdiskutieren

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