28.07.2017 09:24
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Globaler Milchmarkt
Milch: Nestlé klare Nummer eins
Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé bleibt die unangefochtene Nummer eins im Ranking der Rabobank der grössten Milchverarbeiter der Welt. Die französischen Danone und Lactalis tauschen Plätze zwei und drei. Der Gesamterlös der globalen Top-Unternehmen verringerte sich 2016 um fast 2 Prozent.

Die Schweizer Nestlé führt nach Angaben der niederländischen Banker mit einem Gesamtumsatz von 21,7 Mrd. Euro (23.9 Mrd. Fr.) - wie in den Vorjahren - unangefochten und unterstützt durch sein Joint Venture namens Froneri mit der britischen Eiskremfirma R&R das Ranking an.

FrieslandCampina rückt vor

Allerdings tauschten die französischen Konzerne Danone und Lactalis mit Erlösen von 16,6 Mrd. Euro (18.3 Mrd. Fr.) beziehungsweise 16,3 Mrd. Euro (17.9 Mrd. Fr.) die Plätze zwei und drei. Dabei profitierte Danone von der Übernahme der Firma WhiteWave Foods, während Lactalis ihre Akquisitionen in Rumänien, Weissrussland, China, Chile und den USA keine Stabilisierung ermöglichten. Allerdings gehen die Banker davon aus, dass Lactalis sich im laufenden Jahr nach dem Abschluss der Übernahmen von Danones US-Biojoghurthersteller Stonyfield und der deutschen Molkerei Omira wieder im Ranking verbessern könnte.

Derweil gelang es der US-Genossenschaft Dairy Farmers of America (DFA) mit einem Erlös von 12,2 Mrd. Euro (13.4 Mrd. Fr.) den vierten Platz zu behaupten. Unterdessen rückte die niederländische FrieslandCampina mit einem Umsatz von 11,1 Mrd. Euro (12.2 Mrd. Fr.) vom sechsten auf den fünften Platz vor und verdrängte hier die neuseeländische Fonterra, die einen Umsatz von 10,8 Mrd. Euro (11.9 Mrd. Fr.) erzielte. Rückenwind erhielt der holländische Konzern durch den Erwerb von Engro Foods, der zweitgrössten Molkerei Pakistans.

Chinesische Molkereien bald mehr im Ausland aktiv

Die US-amerikanische Dean Foods gehört laut Rabobank nicht mehr zu den Top-Ten. Dafür machen die Analysten den anhaltenden Rückgang im US-Frischmilchgeschäft verantwortlich. Gleichzeitig habe das Unternehmen in Milchsubstitute und Saft investiert. In der Folge gelang es der chinesischen Mengniu, auf den zehnten Rang vorzudringen, so dass sich nun zwei Unternehmen aus dem „Reich der Mitte“ unter den zehn grössten Molkereien befinden - der Konzern Yili nimmt den achten Platz ein.

Günstig für Mengniu wirkte sich dabei den Bankern zufolge die Konsolidierung ihres Anteils an Burra Foods in Australien aus. Ausserdem habe das Unternehmen die Mehrheitsanteile an China Modern Dairies erworben, die unter anderem Frischmilch anbiete. Allerdings verzeichneten Mengniu und Yili 2016 im Vergleich zum Vorjahr in der Summe und in Dollar gerechnet kein Umsatzwachstum; im Vorjahr waren es noch 3 % gewesen und 2014 sogar 14 %. Deshalb gehen die niederländischen Fachleute davon aus, dass sich die beiden Konzerne künftig vermehrt auch nicht-chinesischen Märkten zuwenden dürften, um ihren Aufstieg fortzusetzen.

Immer mehr Fusionen und Akquisitionen

Wie die Rabobank weiter ausführte, verringerten sich die gesamten Erlöse der Top-20-Molkereien im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2015 um 1,6 % auf 172,1 Mrd. Euro (189.3 Mrd. Fr.). Als Begründung führen die Banker die relativ niedrigen Preise für Milcherzeugnisse im Zuge der schwachen globalen Nachfrage an. Mit Blick auf die Firmenstrategien identifizieren die Banker unterschiedliche Strömungen. So hätten sich die Unternehmen wegen der zuletzt wieder anziehenden Preise für Milcherzeugnisse und der rückläufigen Milchanlieferungen der Landwirte zunehmend auf die Erhöhung der Wertschöpfung ihrer Produkte konzentriert.

Genossenschaftlich organisierte Konzerne konsolidierten vornehmlich ihre Aktivitäten bei Milcherzeugnissen und verkauftenandere Geschäftsfelder. Indes setzten börsennotierte Unternehmen eher auf Diversifizierung. Mittlerweile verzeichnet die Rabobank eine Zunahme der Unternehmenszusammenschlüsse und -übernahmen: Im vergangenen Jahr waren es insgesamt 73, und in der ersten Hälfte 2017 wurden bereits fast 50 registriert. Davon entfiel etwa die Hälfte auf Europa. Diese Tendenz wird sich nach Einschätzung der niederländischen Analysten fortsetzen.

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