28.04.2013 09:56
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Weltmarkt
Milchpreis könnte auf Höhen wie 2007 steigen
Das Kieler Institut für Ernährungswirtschaft (ife) sieht nach dem zuletzt kräftigen Anstieg der Notierungen für Milchpulver und Butter Parallelen zur weltweiten Preishausse am Milchmarkt im Jahr 2007.

Die ife-Marktexperten Erhard Richarts und Holger Thiele berichten in der jüngsten Ausgabe des Dairy Newsletters, dass die Verwertung der Milch über Butter und Magermilchpulver in Deutschland mittlerweile einen abgeleiteten Rohstoffwert von 39 Cent pro Kilogramm (47,5 Rappen) Standardmilch erreicht habe. Das sei das höchste Niveau seit mehr als zwei Jahren.

Verwertungsdifferenzen zwischen den verschiedenen Produktionsrichtungen

Auch die Futurekurse für Milcherzeugnisse an der Frankfurter Warenterminbörse bewegten sich auf Höchstniveau. Dort liesse sich über Butter- und Magermilchkontrakte ein Milchpreis von 40 Cent/kg (48,8 Rp./kg) für die Monate Juli und August absichern. Der rasche Anstieg der Notierungen für Milchpulver und lose Butter habe ähnlich wie 2007 und 2008 zu grossen Ungleichgewichten bei den Erlösmöglichkeiten für einzelne Milchprodukte geführt, so Richarts und Thiele. So liessen sich am kurzfristig orientierten Spotmarkt Rohstoffwerte von deutlich mehr als 40 Cent/kg für Standardmilch realisieren. Normalerweise biete dieser „Restmarkt“ eher geringe Verwertungen.

Der Spotmarkt und der Kieler Rohstoffwert zeigten jedoch die höchste Sensibilität, wenn es um fundamentale Änderungen im Verhältnis von Angebot und Nachfrage gehe, erläutern Richarts und Thiele. Ihnen zufolge bestehen momentan am Milchmarkt Verwertungsdifferenzen zwischen den verschiedenen Produktionsrichtungen in Höhe von 7 Cent bis 8 Cent je Kilogramm Standardmilch, wobei Frischmilch, Käse und die noch in Altkontrakten gebundene abgepackte Butter ungünstiger abschnitten als lose Butter oder Milchpulver.

Wann steigt der Produzentenpreis?

Die Milchpreise hinken dem jüngsten Notierungsanstieg am Markt für Molkereiprodukte noch hinterher. Das ife geht davon aus, dass es wohl noch einige Zeit dauern wird, bis sich die besseren Verwertungen im vollen Umfang in den Milchauszahlungspreisen widerspiegeln werden. Grund dafür seien die unterschiedlichen Kontraktlaufzeiten, in denen die bereits verkauften Milcherzeugnisse gebunden seien.

Vor allem bei Milch, die zur Käseherstellung eingesetzt werde, könne ein merklicher Preisanstieg für die Lieferanten noch auf sich warten lassen. Im Frischbereich rechnet die ife nach der jüngsten Verhandlungsrunde mit dem Einzelhandel dagegen bereits im Mai mit positiven Auswirkungen auf den Milchpreis. Etwas zugute komme den Milchproduzenten derzeit, dass im Unterschied zu 2007 andere agrarische Rohstoffe eher zur Schwäche neigten, was die zwischenzeitlich hohen Kosten für zugekaufte Futtermittel mittlerweile wieder sinken lasse.

Kleineres Exportangebot

Den Grund für den preislichen Aufschwung am internationalen Milchmarkt führen die Analysten des ife auf ein knappes Angebot in wichtigen Exportländern und auf die anhaltend starke Nachfrage am Weltmarkt zurück. Die dürrebedingt rückläufige Produktion in Neuseeland habe das Interesse internationaler Käufer stärker auf europäische Ware gelenkt und auch die Ernährungsindustrie in der EU habe sich nach erfolglosem Warten auf fallende Preise zuletzt vermehrt mit Ware eindecken wollen.

Laut ife fällt jedoch das für 2013 zur Verfügung stehende Exportangebot in der EU knapper als in den Vorjahren aus. Nachdem die 2009 angehäuften Bestände an Magermilchpulver komplett abgebaut worden seien, könne man für 2013 nicht vom gleichen Exportumfang wie in den beiden Vorjahren ausgehen. Ebenso wenig sei eine nochmalige Steigerung der Käseexporte um fast 100'000 t, wie 2012 geschehen, möglich, erläutert das ife. Noch knapper falle allerdings das Angebot in Neuseeland nach der monatelangen Trockenperiode aus, so dass möglicherweise Deckungskäufe in anderen Ländern einschliesslich der EU und der USA notwendig würden, um alle Lieferverpflichtungen einzuhalten. All dies habe am internationalen Markt zu heftigen Preissteigerungen geführt.

Unterschiedliche Preise im April 

Die Intensität der Preisrally am Milchmarkt fiel der ife zufolge jedoch differenziert aus. Mitte April wurden von verschiedenen Märkten innerhalb und ausserhalb der EU recht unterschiedliche Preise gemeldet, was ungewöhnlich sei, da die Preise der wichtigsten Industrieprodukte aus Milch in den vergangenen Jahren recht nahe beieinander gelegen hätten.

Deshalb dürfte diese Erscheinung nur von kurzer Dauer sein, vermutet das Kieler Institut. Fakt sei jedoch, dass die Preisberichtstelle des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) die Magermilchpulverpreise free on board (fob) in Ozeanien zuletzt mit umgerechnet 3'683 Euro/t (4'493 CHF/t) bis 4'853 Euro/t (5'920 CHF/t) angegeben habe. Auch wenn diese Werte eher für kleinere Mengen gelten dürften, ergebe sich daraus ein Rohmilchwert zwischen 49 und 50 Cent je Kilogramm (59,7 bis 61 Rp.) Standardmilch, also deutlich über dem augenblicklichen EU-Niveau.

Produzentenpreis mit Spielraum nach oben

Von der Westküste der Vereinigten Staaten wurden dagegen laut ife Preise ermittelt, die je Tonne zwischen 2'575 Euro und 2'726 Euro (3'141 bis 3'325 CHF) lagen. Bei der Butter- und Käsebörse in Kempten wurde Mitte April die Spanne für Magermilchpulver in Lebensmittelqualität zwischen 3'000 Euro/t bis 3'100 Euro/t (3'660 bis 3'782 CHF) angegeben. Für Butter sind den ife-Experten zufolge international ähnlich grosse Preisunterschiede festzustellen.

Unabhängig von der absoluten Höhe bleibe aber festzuhalten, dass an allen erwähnten Marktorten die Preise gestiegen seien und sich damit auch die Verwertung aus Butter und Magermilchpulver verbessert habe. Weil es momentan aber offenbar gewisse Übertreibungen bei den Notierungen in Ozeanien gebe, sei fraglich, wo genau die Orientierungsgrösse für die europäischen Milchmärkte liege. Nach Berechnungen des Kieler ife Instituts liegt die untere Basislinie für die weitere Entwicklung des Milchpreises in Europa aktuell bei 37 Cent bis 38 Cent je Kilogramm (45 bis 46,3 Rp.) Standardmilch, womit für den Milchproduzentenpreis Spielraum nach oben bestehe.

Umrechungskurs: 1 Euro = 1,22 CHF

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