12.05.2014 08:32
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Brunner
St. Gallen
Mistpellets als Bodennahrung
Pellets aus Kuhmist könnten schon bald ein optimaler Ersatz für den verbotenen Rizinusschrot werden.

Die Bauern der Saatzuchtgenossenschaft St.Gallen produzieren auf derzeit fast 100 Hektaren Grassamen. Auf diesen Kulturen fällt viel Heu an. Einen beachtlichen Teil davon verwendet Swissgenetics in Bütschwil für die Stiere in ihren Ställen.

«Dabei kam der frühere Betriebsleiter Urs Schlegel auf die Idee, den anfallenden Mist in Form von Pellets als Dünger zu verwerten», sagt Christoph Gämperli von der Saatzuchtgenossenschaft. «Als Lieferanten des Heus nahmen wir diese Idee auf, und wie immer bei unseren Projekten begann ein aufwendiger und zeitintensiver Prozess.»

Pellets ohne Geruch

Die Zielsetzung war klar. «Wir wollten zusammen mit Swissgenetics ein Produkt kreieren, das Private in ihren Gärten als Dünger verwenden können», erklärt Gämperli. «Das bedeutete aber gleichzeitig, dass es nicht wie bereits bestehende Produkte nach Landwirtschaft riechen durfte, auch wenn es ausgebracht oder offen gelagert wird.»

Viele Versuche in unterschiedlichen Trocknungsanlagen waren notwendig, bis die Tüftler das richtige Vorgehen bei der Trocknung sowie den idealen Trocknungs- und Härtegrad der Pellets herausgefunden hatten. Hinzu kam die Portionierung in Plastikbehältern. In der Zwischenzeit sind rund 300 Tonnen Mist zu 80 Tonnen Pellets verarbeitet worden.

Erhältlich ist der Dünger bei Coop Bau und Hobby, in verschiedenen Landis in der Ostschweiz und bei Mitgliedern der Genossenschaft. «Die Einführung eines solchen Produktes braucht ihre Zeit», sagt Gämperli. «Doch ich bin überzeugt, dass dieser natürliche Dünger mit Stickstoff, Phosphat, Kali und allen wichtigen Nährstoffen ein idealer Ersatz für Kunstdünger ist.» Als Ziel nennt er, dass dereinst Landwirte mit tierintensiven Betrieben einen Teil ihres Mists zu solchen Pellets verarbeiten lassen könnten.

Einsatz im Obst- und Weinbau

Christoph Gämperli hebt aber auch hervor, dass dieser Dünger ein wahrer Bodenverbesserer sei. Deshalb hat sich erst kürzlich ganz unerwartet ein neues Einsatzgebiet aufgetan, denn seit diesem Jahr ist Rizinusschrot im Obst- und Weinbau verboten. «Schon seit längerer Zeit kümmern wir uns um die Versorgung der Obstbäume mit mineralischen Nährstoffen», sagt Richard Hollenstein, Leiter Obstbau beim landwirtschaftlichen Zentrum St.Gallen.

«Diese können vom Baum aber nur dann optimal aufgenommen werden, wenn die biologische Aktivität des Bodens intakt ist.» Deshalb setzen Obst- und auch Weinbauern verschiedenste Arten organischer Dünger ein. Mit den Mistpellets ist nun ein Produkt dazugekommen, das sich bereits als vielversprechend erweist. «Dieser Dünger ist nicht nur deshalb ideal, weil ihn die Bauern hygienisch und bequem ausbringen können. Unsere bisherigen Beobachtungen zeigen auch, dass er im Boden eine hohe biologische Aktivität auslöst.»

Regionale Wertschöpfung

Neben der grossen Wirkung im Boden heben Gämperli und Hollenstein aber auch den regionalen Gedanken hervor. «Der Mist wird in der Region produziert und in der gleichen Region zu Mistpellets verarbeitet», sagen sie. «Dadurch sind die Transportwege kurz, und die Wertschöpfung bleibt in der Region.» Davon haben auch die Bauern etwas, denn mit Andreas Zingg (Transport) und Fredy Kessler (Konfektionierung) kümmern sich zwei Mitglieder der Genossenschaft um die Organisation. Weitere Mitglieder profitieren durch den Verkauf ab Hof.

Für Fredy Kessler sind Abfüllerei und Vermarktung eine ideale und spannende Ergänzung zu seinem Betrieb. «Die Räume sind vorhanden, und ich kann zeitlich unabhängig arbeiten», sagt er. Zusammen mit seinem Sohn hat er die notwendigen Anlagen gebaut und automatisiert. Auch er hofft, dass sich dieses Angebot so gut verbreitet, dass in Zukunft weitere Bauern Rohmaterial liefern können.

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