22.02.2014 09:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Detailhandel
Navigationsgeräte für Shoppingcenter
Navigationsgeräte führen Autofahrer seit Jahren von A nach B. Für Indoor-Gebrauch geeignete Navigationstechnologie soll fortan aber auch Shopper durch Einkaufszentren und Ausstellungsbesucher durch Museen leiten.

«Wo bin ich und wie komm ich zu meinem Ziel?» ist nicht nur eine philosophische Frage, sondern beschäftigt die Technik seit Jahrzehnten. Bereits im 2. Weltkrieg nutzten die britischen Kriegsbote an Land aufgestellte Funksender, um ihre Position auf hoher See bestimmen zu können.

Positionsbestimmung mittels Triangulation

Als die Russen 1957 ihren ersten Sputnik-Satelliten ins All schossen, fanden US-amerikanische Forscher heraus, dass sie dessen Position im All durch den Doppler-Effekt seiner Funksignale bestimmen konnten.

Das US-Militär positionierte dann in den 60er-Jahren mehrere Satelliten im All, die ein hochpräzises Zeitsignal zur Erde funken und am Boden eine genaue Positionsbestimmung mittels Triangulation ermöglichten. Diese Technik wir als Global Positioning System (GPS) bezeichnet. Seit den 90er-Jahren lässt sich GPS auch durch Private nutzen, inzwischen empfangen moderne Handys sogar die Signale von mehreren GPS-Systemen. Neben dem amerikanischen Navstar lässt sich auch das russische Glonass mit den meisten Smartphones nutzen.

Nur im Freien

Das Funksignal der Satelliten ist allerdings recht schwach, innerhalb von Räumen oder bereits in Strassenschluchten ist der Empfang deshalb nicht mehr gewährleistet. Entwickler wie die Schweizer Firma U-Blox haben deshalb die Navigationschips mit Bewegungs- und Lagesensoren ergänzt. Fällt das Satellitensignal weg, berechnen die Chips deshalb in Tunnels oder Parkhäusern aufgrund von Richtung und Geschwindigkeit quasi blind die aktuelle Position.

Für die Nutzung der Technologie in Einkaufszentren, Messen oder Museen fehlt solchen Lösungen allerdings die Präzision. Deshalb tüfteln Dutzende Firmen an für den Indoor-Gebrauch geeigneten Navigationstechnologien. Beispielsweise wollen die SBB demnächst eine App zur Verfügung stellen, mit der einfachere Orientierung innerhalb von Bahnhöfen möglich wird.

Vor allem in Museen findet man schon länger eine Orientierungshilfe mittels münzgrossen Punktraster, sogenannten QR-Tags. Diese befinden sich beispielsweise an einem Exponat. Wer die Museums-App auf sein Handy geladen hat, richtet die Smartphone-Kamera auf den Tag. Auf einem Raumplan auf dem Handydisplay wird dann nicht nur die Position, sondern auch wissenswertes zum Ausstellungsstück angezeigt.

WLAN und Bluetooth

Das Abfotografieren der Tags ist aber für den Besucher eher mühsam. Ferner kann einem die App nicht automatisch zu einem anderen Objekt führen - Ausstellungsbesucher müssen weiterhin selber Raumpläne lesen.

Aktive Indoor-Navigationslösungen verwenden für mehr Komfort deshalb Funksignale. Ein Gebäude wird beispielsweise mit mehreren WLAN-Sendern ausgestattet und das Smartphone erkennt aufgrund der Anzahl erkannter Sender und deren Signalstärke die Position. Meist wird der Besucher so auch gleich mit einem kostenlosen WLAN verbunden und mit Zusatzinfos versorgt.

Sehr präzise Positionierung lässt sich auch mit Bluetooth-Sendern erreichen. Die neuste Variante dieser Technik liefert auch ein Annäherungssignal und misst, wie weit das Smartphone vom Sender entfernt ist. Füllt man ein Einkaufszentrum mit Dutzenden Bluetooth-Sendern, führt die Shopping-App nicht nur zum Gestell mit den gesuchten Waren, sondern das Gestell funkt auch gleich noch ein Aktionsangebot auf das Smartphone.

Handy erkennt Bodenbeläge

Noch cleverer ist die Lösung von Inside (http://insidenavigation.com/). Sie führt den Besucher aktiv und funktioniert trotzdem auch ohne Funkverbindung. Allerdings muss man auch hier das App für ein bestimmtes Shopping-Center auf das Smartphone laden. Das Handy arbeitet dann für die Positionsbestimmung «wie ein Mensch». Die Smartphone-Kamera erkennt optische Merkmale wie Schaufenster, Reklametafeln oder auch Teppichbeläge. Diese Erkenntnisse ergänzt die Software mit zusätzlichen Sensordaten des Handys.

Dieses liefert nämlich horizontale und vertikale Ausrichtung der Kamera sowie auch magnetische Kompassdaten an die Software. Zusätzlich werden über Beschleunigungssensoren im Handy auch die Bewegungen der Person erfasst und so erkannt, mit welchem Tempo sie sich wohin bewegt.

Inside, dass bereits in ersten Einkaufszentren auserhalb der Schweiz getestet werden kann, navigiert so nicht nur zuverlässig zum gesuchten Geschäft, sondern kann auchden verlorengegangen Lebenspartner im Shopping-Dschungel wieder aufspüren. Dazu ist das App dann allerdings wieder auf Funksignale angewiesen.

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