Mittwoch, 25. November 2020
27.10.2020 18:00
Poulet

Nicht genug und wohl zu teuer

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Von: bki

Die Fastfood-Kette KFC wirbt in den sozialen Medien mit «100% Swiss Poulet». Den Grossteil des Pouletfleischs bezieht KFC aber aus Holland. Und auch McDonald’s und Burger King importieren das Pouletfleisch.

Bettina KienerDas Fastfood-Restaurants KFC (Kentucky Fried Chicken) wirbt zurzeit in den sozialen Medien mit Burgern mit Schweizer Poulet: «100% Schweizer Poulet und das KFC Originalrezept sind im Colonel Burger vereint. Legendär, oder?», ist dort zu lesen. Doch steckt wirklich so viel Schweizer Poulet in den Menus von KFC, wie dieser Satz vermuten lässt? 

Poulet aus Holland

In der Schweiz gibt es bis jetzt acht KFC-Filialen. KFC bietet seinen Gästen  frittiertes Poulet in allen Variationen an. Ende 2017 eröffnete die amerikanische Fastfoodkette ihre erste Schweizer Filiale. Damals sorgte für Kritik, dass das Pouletfleisch zu 100% aus dem Ausland stammte. Viel geändert hat sich bis jetzt nicht. 

«KFC bezieht den Grossteil seines Pouletfleisches aus Holland», gibt KFC Schweiz auf Anfrage bekannt. Schweizer Poulet werde aber bei einigen Burgern verwendet. Und im Rahmen der aktuellen «Hot & Spicy Originals Promotion» (vom 23. Oktober bis 23. November) stamme das Poulet auch in einigen anderen Gerichten zurzeit aus der Schweiz, heisst es weiter. Wie gross oder eben wie klein der Anteil an Schweizer Poulet ist, gibt KFC Schweiz nicht bekannt. Dient der marginale Anteil an Schweizer Pouletfleisch bei KFC also vor allem zu Werbezwecken und als Imagepflege?

Aus Übersee und der EU

Ähnlich wie bei KFC sieht es beim amerikanischen Unternehmen Burger King aus: «Das Pouletfleisch stammt aus Brasilien, Deutschland und aus weiteren EU-Ländern.» Bezieht der Fastfood-Gigant McDonald’s, der sich Worte wie Tierwohl und nationale Einkaufspolitik  gross auf die Fahne schreibt, das Pouletfleisch von Schweizer Landwirtinnen und Landwirten? Nein.

«Die Pouletbrüste, die Ospelt für uns in Sargans SG verarbeitet, stammen von Betrieben aus der Bretagne (F) und aus Ungarn, welche die strengeren Schweizer Tierschutzstandards in Bezug auf Haltung, Fütterung, Besatzdichte und Tageslichtvorgaben strikt einhalten», schreibt McDonald’s Schweiz auf Anfrage. Ist Schweizer Poulet also zu teuer für diese drei Fastfood-Riesen? Auf dem Schweizer Markt sei zu wenig verfügbar, sagt McDonald’s.   

Poulet ist beliebt

Nach dem Schwein ist das Geflügel das zweitbeliebteste Fleisch. Es ist fettarm und eiweissreich. 2010 ass eine Person in der Schweiz durchschnittlich 11 kg Geflügelfleisch pro Jahr. Letztes Jahr betrug der jährliche, durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch 14,2 kg. 2018 waren es sogar 14,21 kg. 

Schweiz

Ein Mastpoulet  in der Schweiz wird gut fünf Wochen alt (zwischen 37 bis 40 Tagen). Vielleicht nicht einmal das. Möglich, dass es als Mistkratzerli auf den Teller kommen soll oder dass die Pouletteile nicht zu gross werden dürfen. Die Mindestmastdauer für Knospe-Mastpoulets beträgt 63 Tage. Der durchschnittliche Schweizer Mastpouletbetrieb hat 7’500 Tiere. Die Obergrenze liegt bei einer Herdengrösse von 18’000 Tieren. bki

Bis jetzt 50,5 Mio. Tiere

Im letzten Jahr, von Januar bis August 2019, wurden knapp 48 Mio. Mastpoulets geschlachtet (47962361 Stück) mit einem Schlachtgewicht von insgesamt 66270 Tonnen. Davon schlachtete die Micarna 31,1 Mio Tiere (65%). Heuer wurden in den ersten acht Monaten des Jahres rund 50,5 Mio. Tiere gemetzget (70403 Tonnen Schlachtgewicht).

Das entspricht einer Zunahme von 5,3%; auf das Schlachtgewicht bezogen beträgt die Steigerung im Vorjahresvergleich 6,2%. Durch die gesteigerte Inlandproduktion wurden von Januar bis August 2020 9% weniger Geflügelfleisch importiert. Der Selbstversorgungsgrad beim Pouletfleisch liegt in der Schweiz bei knapp zwei Dritteln. Quellen: Proviande, BLW, Schweizer Geflügelproduzenten (SGP)

Weltweit

Ein Drittel des Pouletfleischs, das in der Schweiz gegessen wird, wurde importiert. Der grösste Teil kommt aus Brasilien, gefolgt von Deutschland, Frankreich und Ungarn. 2019 wurden weltweit 133,6 Mio. Tonnen Geflügelfleisch produziert. Die Prognose für dieses Jahr beträgt 136,8 Mio. Tonnen. Das entspräche einem Geflügelfleischanteil von 41% an der gesamten Fleischproduktion. bki Quelle: Proviande, Statista

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