24.08.2013 12:02
Quelle: schweizerbauer.ch -
Kommentar
Notstand beim Schlachtviehmarkt
Kurt Herzog, Vizepräsident von Swiss Beef Schweiz, äussert sich in einem Kommentar zur Marktlage auf den Schlachtviehmärkten.

Die anhaltende «Dürre» auf dem Schlachtviehmarkt – sprich fehlende Kühe – ruft nach Massnahmen! Die Nachfrage kann schon lange nicht mehr gedeckt werden. Die Bankmuni sind ebenfalls sehr gefragt und deren Vorderviertel werden ergänzend in der Verarbeitung verwendet. Zudem haben das Ferienende und das kühlere Wetter die Nachfrage zusätzlich verstärkt. Die Preisaufschläge sind marktkonform.

Die Milchproduzenten, welche in ihrem Segment wieder etwas Luft spüren, geben begreiflicherweise nur zaghaft Kühe zur Schlachtung. Zur eigenen Remontierung verwenden manche wieder milchbetonte Genetik. Der seit Jahren sinkende Kuhbestand wurde zu lange nicht beachtet. Nun sind Grossschlachter aktiv geworden und fordern Massnahmen. Schweizer Fleisch und Swissness sind gefragt! Produkte mit Lieferverpflichtungen «garantiert Schweizer Fleisch» können kaum noch vollumfänglich geliefert werden.

Was wird, wenn wir als Produzenten den Rohstoff Verarbeitungsfleisch nicht mehr genügend anbieten? Proviande hat vor Jahresfrist im Juli 640 t Kuhhälften zum Import bewilligt, dieses Jahr mussten im gleichen Zeitraum 1600 t bewilligt werden. Müssen wir zeitlich begrenzte Ausnahmen bewilligen und ausländisches Fleisch als Ersatz anbieten? Bei Swiss Beef und bei den Schweizer Rindfleischproduzenten wird man diese aussergewöhnliche Situation ernsthaft diskutieren müssen. Auch muss man sicher darüber nachdenken, ob es sinnvoll ist, jährlich Kalbfleisch einzulagern und zu verbilligen, wenn beim Grossvieh die Tiere Mangelware sind. Kann man mit Spermasexing eine bessere Situation erreichen?

Alle diese Massnahmen sind Trostpflaster. Der Milchkuhbestand muss dringend wieder ansteigen. Um eine Beruhigung am Schlachtviehmarkt zu erreichen, sind Kühe gefragt, welche bei guter Milchleistung ebenfalls wieder eine gute Fleischleistung erbringen. Wenn auch die Viehhändler von einer produktionsfeindlichen Agrarpolitik sprechen und damit die abgeschafften Tierbeiträge verurteilen, haben wir Signale genug. Man weiss, dass es für eine Verbesserung rund vier Jahre braucht, es ist höchste Zeit, die Korrektur rasch anzugehen.

Bei den Schafen ist die Nachfrage gut und das Angebot knapp. Von einer guten Situation kann man gleichwohl nicht sprechen, da bekanntlich Edelstücke mehr gefragt sind als ganze Schlachtkörper, und das bedeutet wiederum einen Import der verlangten Teilstücke.

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