2.04.2015 10:51
Quelle: schweizerbauer.ch - Doris Grossenbacher
Dünger
Nun also doch - Düngerpreise sinken
Landor senkt elf Wochen nach dem Euro-Entscheid (endlich) die Düngerpreise und schreibt damit einen Teil ihrer Lager ab.

«Schweizer Bauer»: Welche Dünger werden bei der Landor ab sofort günstiger?
Jürg Friedli: Die Preisabschläge sind unterschiedlich und abhängig von der Entwicklung der internationalen Düngerpreise. Ammonsalpeter schlägt um 1.30 Fr./100 kg ab, NPK-Dünger im Durchschnitt um 2 Fr./100 kg und Kali60 um 4 Fr./100 kg.

Mit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses wurden Importe Mitte Januar schlagartig günstiger. Weshalb senkt Landor die Düngerpreise erst jetzt?
Produkte im Streckengeschäft wie etwa Agro-Kalk oder Branntkalk haben wir bereits Anfang Februar 2015 korrigiert. Um bei den meisten Düngerprodukten aber die Verfügbarkeit im Frühling sicherzustellen, brauchen wir zu Beginn der Saison mindestens 20'000 Tonnen Warenlager. Diese Ware wurde lange vor dem Euro-Entscheid eingekauft. Entsprechend schlagen Verschiebungen bei den Wechselkursen nicht sofort durch. Das Gleiche gilt übrigens auch, wenn die Preise steigen. Gleichwohl schreiben wir heute einen Teil der Ware ab. Ohne das wäre diese Preisrunde nicht möglich.

Weshalb konnten dann einige kleinere Düngerhändler ihre Preise früher senken?
Wir haben mehr Verpflichtungen als kleinere Händler und senken unsere Preise schrittweise. Die Beispiele zeigen aber auch, dass der Wettbewerb im Düngermarkt spielt. Das ist für die Landwirte positiv.

Ist in diesem Fall die Grösse der Landor (Fenaco) auf dem Düngermarkt ein Nachteil?
Nein, die Grösse nicht unbedingt, aber in dieser Situation sicher die recht grossen Bereitschaftslager. Wer eine Verantwortung für die Versorgung des Marktes hat, braucht gewisse Warenlager. Landor muss beispielsweise gegenüber der Landi immer lieferfähig sein. Wir können nicht sagen: «Wir haben keine Ware mehr, schau woanders.»

Weshalb sinken die Preise nicht stärker?
Wir haben zwei gegenläufige Tendenzen. Viele Stickstoff- und Phosphordünger sind in den letzten Monaten international massiv teurer geworden. Die Kombination von schwachem Euro und starkem Dollar führt weiter dazu, dass Ammonsalpeter von Europa nach Übersee verkauft wird. Diese Mengen fehlen im europäischen Markt. Deshalb sind die Preise fest, obwohl Energie günstig ist. Einzig bei Kalichlorid haben wir international stabile Preisverhältnisse und entsprechend tiefere Einstandspreise. Weiter betrifft der Euroeffekt nur den Einkauf der Ware. Sämtliche anderen Kosten wie beispielsweise die Transportkosten ab Auhafen fallen weiterhin in Franken an.

Wie sehen Sie die weitere Entwicklung?
Der internationale Düngermarkt ist turbulent. Auch die Währungsentwicklung ist unklar. Kurzfristig rechnen wir mit festen Preisen. Wir hoffen aber, dass sich die Lage international bald entspannt und dass wir im Vorbezug ab Mitte Juli, wenn zwei Drittel bis drei Viertel des Jahresbedarfs ausgeliefert werden, klar unter dem letztjährigen Niveau sein werden. 3 Fr./ 100 kg Preisdifferenz machen auf diese Mengen 5 Mio. Franken für die Landor-Kunden aus.

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