31.03.2014 12:02
Quelle: schweizerbauer.ch - Raphael Bühlmann
Emmi
«Ohne Exportlösung droht Butterkrieg»
2013 erzielte Emmi erstmals einen Umsatz von mehr als drei Milliarden. Insbesondere im Ausland konnte der Luzerner Milchverarbeiter zulegen. Besorgt zeigt sich die Emmi-Spitze angesichts der steigenden Butterlager.

«Schweizer Bauer»: 2013 erzielte Emmi 44% des Konzernumsatzes im Ausland. Angestrebt sind 50%. Muss sich Emmi auf dem Heimmarkt bald gegen Importprodukte eigener ausländischer Betriebe behaupten?
Konrad Graber: Nein. Mit ausländischen Produkten auf den Schweizer Markt zu drängen, ist nicht unser Ziel. Wir haben immer noch den Exportgedanken. Die Schweizer Produktion stellt unser Fundament dar. Ein Drittel unseres Auslandanteils sind Produkte aus Schweizer Milch. Man muss auch sehen, dass die Auslandaktivitäten auch dazu dienen, Schweizer Produkte abzusetzen.

Auch in der Schweiz stieg der Umsatz. Emmi will hier noch weiter zulegen. Wie stark hängt das Wachstum mit dem Milchpreis zusammen?
Robert Muri: Die absolute Höhe des Milchpreises ist für unsere Marktanteile nicht entscheidend. Emmi wächst in erster Linie mit Innovationen und mit neuen Konzepten. Zentral sind die Preisdifferenz zum Ausland und eine möglichst parallele Entwicklung der Milchpreise. Aber es ist klar, dass bei einem grossen Preisunterschied der Grenzverkehr zunehmen wird.
Konrad Graber: Der internationale Druck hat einen Einfluss auf die Schweiz. Durch die Aufhebung der Quotenregelung in der EU werden die Märkte noch stärker unter Druck gelangen. Der Einkaufstourismus kann hier als eine Art Marktliberalisierung gesehen werden. Auch wenn es nicht gewünscht ist: Die Leute gehen trotzdem im Ausland einkaufen. Und das wird sich in Zukunft nicht ändern. Die Differenz zum EU-Milchpreis sollte daher meines Erachtens ungefähr der Verkäsungszulage sowie einer Art «Swissness-Bonus» entsprechen.

Wo ist der Milchpreis in zwei Jahren?
Robert Muri: Also am liebsten da, wo er jetzt ist. Aber eine Prognose über zwei Jahren abzugeben, ist unmöglich. Das Potenzial nach oben dürfte allerdings nicht mehr allzu gross sein. Die Annahme, dass durch die Quotenauflösung in der EU der Preis unter Druck gerät, ist realistisch. Man geht davon aus, dass beispielsweise in Dänemark 20 Prozent mehr produziert werden wird. Ein weiteres Anzeichen, dass der Zenit erreicht ist, sind die steigenden Butterlager. Sollte Lactofama keine Lösung finden, wird es brutal in der Schweiz. Wenn der Export der Butterüberschüsse nicht finanziert wird – und das ist eine teure Sache – dann gibt es einen Butterkrieg. Das wollen wir vermeiden, denn es würde schliesslich zu Lasten der Milchproduzenten gehen.

2012 kostete Emmi die Butterabräumung einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Sind sie zufrieden, dass nun Lactofama  gegründet worden ist? 
Muri: Wir sind sehr froh, dass Lactofama gegründet worden ist. Wir hoffen, dass Lactofama bis Ostern eine konkrete Lösung bieten kann. Wie allerdings der Aufkauf von C-Milch funktionieren soll, ist bis anhin fraglich. Man muss auch sehen, dass in der Organisation viele verschiedene Interessengruppen vertreten sind. Emmi kann sich deshalb nicht einfach zurücklehnen und warten, dass Lactofama das Problem lösen wird. Darum werden wir auf den 1. April Massnahmen einleiten, auch im Interesse der Milchproduzenten.
Graber: Wir sind noch nicht ganz sicher, ob Lactofama zum Fliegen kommt. Auf dem Papier steht es zwar, aber die längerfristige Finanzierung ist noch nicht definitiv geklärt. Sollte es aber funktionieren, wäre es die ideale Ergänzung zum BOM-Segmentierungssystem. Wir ziehen eine Branchenlösung einer allfälligen Emmi-Lösung vor. Aber wir mussten etwas unternehmen.

Wie sieht die «Emmi-Lösung» aus?
Muri: Das ist die BOM-Lösung. Überschüssige Milch muss als C-Milch deklariert und verarbeitet werden.
Graber: Ich habe immer gesagt, dass beim BOM-Segmentierungssystem die Durchsetzung wichtig ist. Man muss auch diejenigen sanktionieren können, die sich nicht an das System halten. Da hat die BOM gute Fortschritte gemacht. Das Modell hat heute einen guten Stand. Bei den angeschlossenen Organisationen herrscht heute auch die Einsicht, dass man die BOM braucht. Auch entschärft hat sich das Verhältnis zwischen BOM und SMP. Ohne BOM wäre der Milchpreis in der Vergangenheit vermutlich noch mehr unter Druck geraten.

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